FeedTheodoörus von Mopsuestia
ReligionBrockhaus 1882

Theodoörus von Mopsuestia, griech. Kirchenlehrer, das eigentliche Haupt der Antiochenischen Schule (s. d.), war aus Syrien gebürtig. Gebildet durch den heidnischen Philosophen Libanius, ward er später Mönch, danach Diakonus zu Antiochia und zuletzt Bischof von Mopsuestia, wo er 429 starb. Seine theol. Richtung war allen idealistischen Spekulationen abgewandt, gegenüber welchen er das praktisch-sittliche Interesse und das Recht der histor. Forschung vertrat. Die ichtliche Men hei stologie, welche die wahre geschichtliche Menschheit und sittliche Entwickelung Jesu betonte, aber die persönliche Einheit des Menschen Jesus mit der präexistenten Logospersönlichkeit nicht genügend zu erklären wußte, wurde von ihm zuerst wissenschar lich ausgebildet. Im Streite des Augustinus und Pelagius nahm er im Interesse der für eine sittliche Weltanschauung unentbehrlichen Willensfreiheit für den letztern Partei. Dafür galt er der spätern Rechtgläubigkeit als Hauptbegründer des Pelagianismus und des Nestorianismus, au Kow er auf dem fünften ökumenischen Konzil zu Konstantinopel 533 als Ketzer verdammt wurde. Besonders hervorragend waren seine Leistungen als Schriftforscher. Mit dem Streben nach treuer Erfassung des wörtlichen Sinns verband er eine zu seiner Zeit schon fast unerhörte Freimütigkeit der histor. Kritik, welche neben seinen dogmatischen „Ketzereienv wohl die Hauptursache geworden ist, daß seine zahlreichen Werke frühzeitig untergingen. Doch ward er im Morgenlande als ader Auslegerin hohen Ehren gehalten. Von seinen exegetischen Schriften sind noch Fragmente vorhanden; seinen Kommentar über die zwölf kleinen Mar gaben Wegnern (Berl. 1834) und Ang. Mai in der „Scriptorum veterum nova collectioo (VI, Rom 1832), seine Kommentare zum Neuen Testament O. Fr. Fritzsche (Zür. 1847), Pitra (Par. 185²), Jacobi(Halle 1855—60), Suete (2Bde., Cambridge 1880 u. 1882), die syr. Fragmente Sachau Epz. 1869) heraus. Vgl. Fritzsche, De Theodori Mopsuestiani vita et scriptisd (Halle 1837); Kihn, „T. von Mopfuestia und Junilius Afrikanus (Freib. i. Br. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 617Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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