FeedSomäli ist der Name eines Volksstammes
ErdkundeBrockhaus 1882

Somäli ist der Name eines Volksstammes, welcher den äußersten Vorsprung des ostafrik. Festlandes, vom Golf von Zeila bis zum Kap Guardafui und dann eine Strecke südwärts an der Küste des Indischen Oceans bis zum untern Laufe des Dschub (das Somaliland), bewohnt und, wie sich aus den neuern linguistischen Forschungen von Lepsius, F. Müller und Prätorius ergibt, mit den Bedscha, Saho, Galla und Dankali die sog. Athiopische Gruppe des Hamitischen Völker⸗ und Sprachstammes bildet. Die S. selbst zerfallen in verschiedene Stämme. Davon wohnen die Haschia, zu denen auch die Midschertein gehören, von Zeila bis fuf Ras-aswad im Osten und bis zum Denokusse im Westen; die Hauiya südlich davon bis zum Derok und die Rahanwin, deren Land im Westen an das Land der Galla grenzt, zwischen dem Denok und Dschub. Nach ihrem physischen Typus stehen die S. in der Mitte zwischen Arabern und Negern. Die Hautfarbe wechselt vom Hellbraun bis zum dunkelsten Schwarz. Die Stirn ist groß und wohlgebildet, das Auge schön, die Backenknochen und Unterkiefer vorstehend, das Haar der nördlichen S. schlicht, der südlichen lockig oder kraus. Die Tracht der Männer besteht in einem großen Tuch, einem Gürtel und Sandalen, die der Frauen in einem Lederschurzund baumwollenen Tüchern. Die Haupiwaffen sind Speer und Dolchmesser, seltener Bogen und Giftpfeile, Keulen und runde Schilde von Rhinoceroshaut. Die Hütten sind rund mit konischem Dache. Die S. leben meist als Nomaden und besitzen Kamele, Rinder, Esel, Schafe und viel Geflügel. Der Landbau, namentlich für Hirse, wird von Haussklaven verrichtet. Die Hausgeräte der Küstenbewohner werden ihnen von den ind. Banjanen aus Ostindien gebracht. Die Industrie ist unbedeutend. Von Charakter unbändig und unbeständig, kriegerisch und leichtsinnig, gilt bei ihnen Raub für ehrenvoll, Mord als Heldenthat. Ihre Häuptlinge sind ziemlich machtlos. Dem Namen nach Mohammedaner, herrscht bei ihnen noch der uralte Baum- und Steinkultus; dabei bestehen Ordalien und die Beschneidung schon vor Einführung des Islam. Ihre geistige Begabung erscheint ausgezeichnet. Ihre Gesänge haben bestimmten Rhythmus und eine Art Reim. Im Sept. und Nov. 1885 wurde das Somaliland, 20 Tagereisen landeinwärts von der Nordküste östlich von Berbera bis Warschetisch an der Ostküste durch von Hörnecke und von Anderten abgeschlossene Verträge für die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft erworben. Vgl. Waitz, «Anthropologie der Naturvölkero (Lpz. 1859); von der Decken, «Reisen in Ostafrika v (Lpz. 1869); Barth, „David Livingstone, der Afrikareisende. Ostafrika vom Limpopo bis zum Somalilandey (Lpz. 1875); „Haggenmachers Reise im Somalilandev (Ergänzungsheft Nr. 47 zu Petermanns 4Geogr. Mitteilungen, Gotha 1876). (S. Tafel: Afrikanische Menschenstämme, Fig. 8 u. 12.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 917Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 10

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6