Sorau, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk rankfurt, unweit der schles. Grenze an der Sore, tation der Linien Sommerfeld-Liegnitz, S.⸗Sagan und S.⸗Kottbus der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Landratsamts, eines Amtsgerichts, einer Reichsbanknebenstelle und einer Handelskammer und zählt (1885) 13 668 meist prot. E. Die Stadt besitzt ein Gymnasium, eine Mittelschule, eine Fortbildungsschule, eine Webschule und ein königl. Schloß, welches den königl. Behörden eingeräumt ist. Auch besteht daselbst eine in neuerer Zeit be⸗ [deutend erweiterte Irrenheil⸗ und Pflegeanstalt, ein Waisenhaus und zwei Hospitäler. Unter den verschiedenen industriellen Etablissements, welche die überhaupt sehr gewerbfleißige Bevölkerung unterhält, sind besonders hervorzuheben mehrere bedeutende Tuch⸗ und Leinwandfabriken, Bleichen, Färbereien, Wachslicht⸗, Drainröhrenfabriken, Brauereien und Destillationen. In der Umgegend fliegen mächtige Braunkohlenlager; in den 17 zum Handelskammerbezirk S. gehörigen Braunkohlengruben wurden 1884 gegen 3700000 hl Kohlen gefördert. — S. ist die älteste Stadt der Niederlausitz Kund soll der Ort sein, wie einige meinen, den 873 der Graf Thagulf dem Stift Fulda schenkte: 1086 kam S. an Böhmen und wurde zu einer Herrschaft erhoben. Ulrich von Dewin erwarb 1207 die Herrschaft käuflich; 1260 erhielt S. Stadtrechte. In späterer Zeit folgten mehrere adelige Geschlechter einander im Besitze der Stadt, bis sie nach dem Aussterben der Herren von Biberstein 1551 an Ferdinand I. von Böhmen fiel, der sie 1558 an den Bischof von Breslau, Balth. von Promnitz, verkaufte. Der letzte Sprosse dieses Hauses, Joh. Erdmann III., Graf von Promnitz, überließ S. und Triebel 1765 gegen eine jährliche Leibrente von 12 000 Thlrn. an Kursachsen, das beide Besitzungen 1815 an Preußen abtreten mußte. Vgl. Worbs, „Geschichte der Herrschaft S. und Triebel» (Sorau 1826); Saalborn, Beiträge zur Chronik der Stadt S.d (Heft 1, Sorau 1876). — Der Kreis Sorau zählt auf 1236, ꝗEm (1885) 100 721 E.