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ErdkundeBrockhaus 1882

Tarnowitz, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Oppeln, Station der Linien Breslau-T., Kreuzburg-T., T.⸗Schoppinitz und T.⸗Morgenroth der Preußischen Staatsbahnen, ist Sitz eines Amtsgerichts, einer Berginspektion, einer königl. Eisenbahnbauinspektion und eines königl. Bergrevierbeamten, sowie des Vorstandes der Oberschlesischen Knappschaft und zählt (1885) 8617 meist kath. E. Die Stadt besitzt eine kath. und eine evang. Pfarrkirche, eine Synagoge, ein Realgymnasium, eine höhere Töchterschule, eine Bergschule und mehrere Kranken⸗ und Armenanstalten. Die hauptsächlichsten Erwerbsquellen der Bewohner bilden der Bergbau und die damit verbundenen Industriezweige. Gegenwärtig fördert man innerhalb des städtischen Gebietes Eisenerze und etwas Bleierz. Die Erze der Friedrichsgrube, s owie überhaupt alle in dem sog. Reservierten Felde geförderten Bleierze werden in der königl. Friedrichshütte, 6 km nordwestlich von T., verhüttet und gewähren, außer Blei und Bleiglätte, nicht unbedeutende Quantitäten Silber. Von andern Etablissements innerhalb des Stadtgebiets sind noch zu nennen eine Schrotfabrik, eine Farbenfabrik, eine Dütenfabrik und die Tarnowitzer Eisenhütte, sowie eine 2 km von der Stadt entfernte Kalkofenanlage. Die Stadt wurde 1526 als Bergbauort begründet und erlangte bald verschiedene Privilegien und Freiheiten. Noch jetzt führt sie den Namen einer «freien Bergstadt ». Nach T. benannt ist das Tarnowitzer Plateau, welches sich zwischen Klodnitz und Brinica bis über 300 m erhebt, nordwärts zur Malapane abfällt und sich südöstlich zu dem Plateau von Nicolai fortsetzt. — Der Kreis zählt (1885) auf 324,2 qkm 47 87⁵ E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 481Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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