Speiseröhre (oesophagus) heißt derjenige Teil des Nahrungskanals, welcher zwischen dem Schlunde und dem Magen sich befindet und, als eine häutige Röhre hinter dem Kehlkopf beginnend, anfangs hinter der Luftröhre und links von derselben, dann vor der Wirbelsäule rechts von der großen Brustschlagader und endlich vor dieser bis zum Zwerchfell herabsteigt, welches sie, getrennt von der Schlagader, durchsetzt; sie mündet hinauf mit trichterförmig erweiterter offnung in den Magen (oberer Magenmund, cardia). Die Länge der S. beträgt 28—30, ihr Durchmesser ungefähr 1,0 bis 1,5 em. Wenn sie leer ist, legen sich ihre Wände platt aneinander. Diese bestehen aus einer Muskelhaut, welche außen von einer Zellhaut, innen von einer Schleimhaut überzogen ist, und besitzen einen bedeutenden Grad von Dehnbarkeit. Die Muskeln ihres obern Abschnitts sind willkürlich bewegliche, die des untern Abschnitts unwillkürlich bewegliche. Die Krankheiten der S. sind besonders Entzündungen mit den darauffolgenden übeln, als Geschwürbildung, Verengerung, krebsartige Entartung u. s. w. Dieselben gehören zu den gefährlichen Krankheiten, da sie wegen der Lage des Organs der ärztlichen Behandlung schwer erreichbar sind, im Anfang leicht verkannt werden und bei höherer Ausbildung einen sichern, meist langsamen Hungertod herbeiführen. Verletzungen der S., z. B. durch stecken gebliebene Knochen, Fischgräten u. dgl. sind wegen der Nachbarschaft der Brustschlagader gefährlich. Die schwerste Entzündung mit nachfolgender hochgradiger Verengerung, selbst vollkommenem Verschluß der S. entsteht durch Vergiftung mit ätzenden und scharfen Substanzen (Atzkali, Schwefelsäure, Carbolsäure u. dgl.); in solchen verzweifelten Fällen wurde neuerdings mehrmals mit Erfolg der Versuch gemacht, durch Anlegen einer künstlichen Magenfistel (Gastrotomie) das bedrohte Leben zu erhalten.