Spezia (La), Stadt und Bezirkshauptort, Handels⸗ und Hauptkriegshafen in der ital. Provinz Genua, Station der Eisenbahnlinie Genua-Pisa, im Hintergrunde des von dreifachem Gebirgskranze umschlossenen Golf von Spezia (Golfo della S.), welcher den größten, bequemsten und sichersten Naturhafen Italiens bildet, oder vielmehr eine ganze Menge von Häfen, von denen die fünf an der Westküste gelegenen (Panigaglia, delle Grazie, Varignano, dei Cossi, dell Oliva oder Porto-Venére) eine Fläche bilden, welche die des Hafens von Genua 143 mal übertrifft. Die Stadt wird durch zwei auf Felsenspitzen gelegene Forts gedeckt, zählt (1881) 21523 (Gemeinde 31565) E., hat besuchte Seebäder, schöne Spaziergänge längs des Meers und ist von Olivenhainen umgeben, während der westlich gelegene Ort Vernazza den berühmten Wein der Cinque-Terre liefert. S. hat ein Marinearsenal, eine Schöpfung des Generals Chiodo, dessen Statue sich vor dem Eingangerhebt, Geschützgießereien, Seemagazine, Werften, Bassins, Docks und Hospitäler; es hat Industrie in Hanfleinwand, Leder und Möbeln und ist Sitz eines Hauptzollamts, sowie eines deutschen Vizekonsulats. Der Schiffahrts- und Handelsverkehr ist ziemlich lebhaft. Die Hälfte der Ausfuhr besteht in Olivenöl. In dem Fort Varignano wurde Garibaldi 1862 nach seiner Gefangennahme bei Aspromonte und wiederum 1867 nach der verunglückten Expedition gegen Rom eine Zeit lang in Gewahrsam gehalten. Der Golfo della S. hieß bei den Römern Portus Lunae, von der Stadt Luna, nach welcher sie auch den in der Nachbarschaft gebrochenen berühmten Marmor (s. Carrara) Lunense marmor nannten. Es war dieses Luna eine früher zu Ligurien gehörige Stadt Etruriens, seit 177 v. Chr. röm. Kolonie und strategisch wichtig als Stützpunkt der Operationen gegen Ligurien und als Hafen für die Überfahrt nach Massilia und Spanien. Von der Stadt sind östlich von S., bei Sarzana, noch überreste, namentlich die Arena eines Amphitheaters, die 1837 entdeckten Reste des Forums, marmorne und erzene Bildwerke, Münzen und Inschriften in der Umgegend vorhanden. Luna hieß spaäter Luno oder Luni, wurde 1016 von den Arabern zerstört, bestand noch 1287 als Stadt und war Hauptort der ursprünglich vom Flusse Deiva bis nach Pietra-Santa reichenden Landschaft Lunigiana.