Genua (ital. Genöva, frz. Genes, im Altertum Genua, im Mittelalter Janua und deutsch Jenau), die feste Hauptstadt der ehemaligen gleichnamigen Republik, des spätern Herzogtums sowie der jetzigen Provinz und Militärdivision Genua im Königreich Italien, steigt amphitheatralisch an dem steilen Abhange des ligurischen Apennins im Hintergrunde des Golfs von Genna empor, dessen Küstensaum nebst dem nächsten Hinterlande im Osten der Stadt Riviera di Levante, im 1 hat Riviera di Ponente heißt. Auf der Landseite hat die Stadt eine dopelte Befestigung, die innere Stadtmauer, 15 km ang, und den breiten äußern Wall, der 45 Km lang in größerer Entfernung sich am Gebirge 160300 m hoch bergauf bergab hinzieht. Dieser Wall ist auf den höchsten Kuppen mit befestigten Türmen und Schanzen versehen, steht mit den vorgeschobenen Werken und Forts in Verbindung und macht zusammen mit den Hafenbefestigungen G. zu einer der stärksten Festungen Italiens. Der geräumige und befestigte Hafen, einer der bedeutendsten im Mittelmeer, wird von der Stadt in einem 4 Em langen Halbkreis umgeben und von zwei mächtigen, gegeneinander gerichteten Dämmen, dem alten olo im Osten und dem neuen Molo im Westen, geschützt, jedoch nicht gegen den Südwind ibeccio), der bisweilen großen Schaden anrichtet; doch wird jetzt durch Vergrößerung und Verbesserung des Hasens diesem übelstande abgeholfen. An den neuen Molo stößt die Quarantäne und der neue Leuchtturm. An der Nordostseite des Bassins befindet sich, südöstlich von dem e Nries und dem Bahnhofe, der frühere Königliche Kriegshafen Darsena reale), wo 1547 Fiesco ertrank. An der Ostseite liegt der Freihafen (Porto franco, jetzt Punto franco genannt), mit dem Palaste der Dogana (der Maut, einem aus dem Mittelalter stammenden Gebäude in welchem sich die Bank von St.⸗George befand) und vielen Magazinen besetzt, durch einen Schienenstrang mit dem Bahnhof verbunden und durch eine hohe Mauer mit Bogengängen von der langen Via Carlo Alberto und der Piazza di Caricamento getrennt. Unter diesen langen Bogengängen, deren Plattform aus weißem Marmor erbaut ist, genießt man den besten liberblick über das geräuschvolle Leben des stets mit einem Mastenwall und unzähligen Barken besetzten Hafens. G. führt den Beinamen la Superba und bietet in der That auch, namentlich von der Seeseite, die herrlichste Ansicht. Doch kann man die Stadt trotz ihrer überaus zahlreichen Paläste kaum schön nennen. Wegen des beschränkten Raums, den sie einnimmt, und ihrer Lage an den Felsabhängen sind viele Straßen sehr eng, unregelmäßig, von vielstöckigen Häusern eingefaßt und darum düster, zwar mit Steinplatten belegt und reinlich, aber so steil, daß man nur in wenigen fahren und reiten kann; neuerdings wurden jedoch viele schöne und breite Straßen angelegt, wie die Via Roma und die ihr parallele Galleria Mazzini, die Via Assarotti und die die Anhöhen der Stadt ringförmig umfassende Bia di Circonvallazione, welche die Modernisierung des alten G. erst wirklich ermöglicht hat und die schönsten Aussichtspunkte auf Stadt, Hafen und Umgegend darbietet. Die schönste Straße ist die Via Nuova, jetzt Via Garibaldi, welcher sich die Via Nuovissima und Via Balbi anschließen, die wie diese zahlreiche alte Paläste enthalten. Meist auf einer Basis von rohem Stein ruhend, in großartigem Stil, wenn auch nicht immer im besten Geschmack aufgeführt, machen diese Paläste mit ihren spiegelglatten Marmorfagaden, Marmortreppen und liche Plätze sind zahlreich, aber ohne erhebliche Ausdehnung. Schöne Oil Hie Pianga bieten die Hafenmauer, der Hohe Wall, die Piazza dell Acqua-Verde mit einem öffentlichen Garten und dem 1862 errichteten Monument des Christoph Columbus aus weißem Marmor, die Acqua-Sola mit einem kleinen Park (Giardino pubblico), einer Fontäne und der Villa Negri mit dem 22. Juni 1882 enthüllten Denkmal Mazzinis. Eine Menge der herrlichsten Gebäude verdankt G. dem Baumeister Galegzzo Alessi (s. d.) im 16. Jahrh. Die bekanntesten Paläste sind: Palazzo Ducale, der alte Dogenpalast, der größte von allen, jetzt Sitz der Tribunale, des Divisionskommandos, der Telegraphenverwaltung, der Quästur u. s. w., in prachtvollem Stil erbaut mit zwei großen Sälen, wovon der eine reich an Stuckarbeiten und Freskogemälden ist; der Palgzzo Brignöle, weil er rot angestrichen, gewöhnlich Palazzo-Rosso genannt, mit der bedeutendsten Gemäldegalerie; diesem gegenüber Palazzo Tursi Doria oder das Municipio lagto del. We westlich vom Bahnhof der lange Palazzo del Principe Doria, 1529 von dem Dogen Andrea Doria aufgeführt, mit einem gegen den Hafen sich erstreckenden herrlichen Garten und einer großen Arkaden-Loggia; der Palazzo Marcello-Durazzo, der Palazzo-Reale oder das königl. Schloß, der Palazzo Pallavicini, Palazzo Sauli, die Paläste Giacomo Filippo Durazzo, Serra, Balbi-Piövera, Negro, Spinola u.s. w. Die meisten dieser Gebäude stammen aus dem 17. und 18. Jahrh. Von den 82 ralee der Stadt sind die berühmtesten: die Kathedrale San-Lorenzo, welche, seit dem 12. Jahrh. im german.⸗lombard. Stil aufgeführt, 1422 teilweise umgebaut und selbst noch in neuerer Zeit geändert, unter andern Denkwürdigkeiten in der Sakristei den Sacro Catino oder heil. Gral (s. d.) bewahrt; San-Siro, bis zum J. 985 hinaufreichend, einst die Kathedrale der Stadt, in welcher die Volksversammlungen und Dogenwahlen stattfanden, im 17. Jahrh. neu gebaut; die 1487 erbaute Kapuzinerkirche Sta.⸗Annunziata, die glänzendste von allen, ein Prachtbau der Huuptid Lomellini; Sta.⸗Maria di Carignano, das Hauptwerk Alessis, nach Michel Angelos Plan der Peterskirche erbaut und von ihrer Kuppelgalerie die umfassendste Aussicht auf die Stadt und die Küste gewährend; die große und imposante Jesuitenkirche San-Ambrogio; San-Matteo, eine kleine, 1278 von den Doria erbaute Kirche mit zahlreichen Familienerinnerungen und dem Grabmal Andrea Dorias; San-Stefano u. a. Andere schöne öffentliche Gebäude, außer denen des Hafens, sind die Münze und die Loggia oder Börse auf der Piazza Banchi, ein von Säulen getragener Bau Alessis. Unter den öffentlichen Anstalten, die fast sämtlich aus der Zeit der Republik stammen, sind hervorzuheben: zunächst unter den 64 Wohlthätigkeitsanstalten mit einem Vermögen von 43 773 336 Frs. zwei der großartigsten und prachtvollsten Hospitäler Italiens, das Große Hospital oder Ospedale diPammatone für 700 Kranke, 1420 von Bartolommeo Bosco gegründet, verbunden mit Findelhaus, Kliniken u. s. w., und das Armenhaus Albergo dei Poveri, das schönste der Welt, für 2200 Kranke und Arme, im 17, Jahrh. erbaut, fünf Stockwerke hoch und mit einer Kirche voll schätzbarer Bildhauerarbeiten; ferner das Kleine oder Hospital für Unheilbare, das Militär⸗ und das Marinehospital, das Taubstummeninstitut, das Fieschino oder Waisenhaus der Familie Fiesco, für etwa 600 Mädchen. Wissenschaftliche, Lehr⸗ und Kunstanstalten sind: die Universität in einem 1634 aufgeführten prachtvollen Jesuitengebäude, mit einer Bibliothek von 80000 Bänden, einem botan. Garten, Naturalien- und phhsit. Kabinett; die Stadtbibliothek Berio mit 26000 Bänden und etwa 1500 Manustripten, und die Archive des Staatsrats und der Bank, die Akademie der schönen Künste mit einer Kunstschule; das Königliche Gymnasium oder Collegio-Reale, das technische Institut erster Klasse, die königl. Marine- und Schiffahrtsschule, die Medizinische Schule, das Theologische Seminar u. s. w. Besonders kostbare Manufkripte lüber 30000) besitzt das Archiv San-Giorgio; die Gemeindeschulen haben in neuerer Zeit große Fortschritte gemacht. Reiche Sammlungen von Gemälden und andern Kunstwerken bewahren die verschiedenen Paläste. Eine der größten Sehens-l würdigkeiten ist auch der wegen der Großartigkeit einer Hallen und der Schönheit seiner Monumente mt Bidhaner Kirchhof, auf welchem namentdie Bildhauer Santi Varni und Villa Großes geleistet haben. Unter den vier Theatern ist das 1826 —28 erbaute Teatro Carlo Felice das erste und zuleich eins der größten und prächtigsten Italiens. Als sondere Merkwürdigkeiten der Stadt sind zu erder Apenninen etwa 25 Em von G. empfängt; die von der Familie Sauli erbaute und früher für ein Wunderwerk gehaltene Carignano-Brücke. Die schönste Vorstadt ist San-Pier d Arena oder Sampierdarena, in wundervoller Lage auf der Westseite des Hafens, die erste Station der über den Apennin nach Turin führenden Nordbahn. Die belohnendsten Ausflüge gewähren die zweite und vierte Station der nach Nizza führenden Westbahn, nämlich Cornigliano in dem unvergleichlich schönen Thale des Polcevera, mit dem berühmte natur-Durar Sammlungen enthaltenden Palast Filippo Durazzo, und Pegli mit der Villa Pallavicini und den vielleicht herrlichsten Park⸗ und Gartenanlagen Europas. „G. zählte 31. Dez. 1881 als Stadt 138081, als Gemeinde 179515 E., wobei abes die recht eigent- und Milltt eines Appellationsgerichts, der Civil-Lage von Genua. Paste de Genova (Maccaroni, Fadennudeln oder Vermicelli u. dgl.). Noch wichtiger ist der Handel, der früher hauptsächlich Slivenöl und Früchte, Reis und Fabrikate zur Ausfuhr brachte, gegenwärtig aber weit umfassender und ausgedehnter sich gestaltet hat. Die Bedeutung des Hafens, zu Ende des 18. Jahrh. sehr gesunken, nahm seit 1821 durch Getreidehandel neuen Aufschwung. Bald dehnten sich die Unternehmungen der genueser Seefahrer nach dem Atlantischen Ocean aus, 1824 eröffneten die ersten Schiffe G.s den Handel um das Kap Hoorn nach Chile und Peru und die Anzahl der in G. einlaufenden Schiffe stieg 1841 auf 6880. Noch mehr entwickelte sich der Verkehr, als G. durch die Eisenbahn mit den bedeutendsten Städten Oberitaliens und mit dem aber den St. Gr in Verbindung kam und sein Handel über den St. Gotthard und Bernhardin nach Deutschland sich Bahn brach. Seitdem geschah auch vieles zur Vergrößerung des Hafens. Im J. 1881 sind 5553 Schiffe mit 2025 147 t ein- und 5596 Schiffe mit 2026 698 t ausgelaufen. Die Küstenschiffahrt in demselben dersch wurde von 6812 Fahrzeugen mit 1093 105 t versehen. G. steht in regelmäßiger Dampfschiffahrtsverbindung mit Nizza und Marseille, Cagliari und Porto-Torres (dem Hafen von Sassari), Livorno, Neapel, Palermo, Tunis, Kalkutta, Bombay, Aden, Alexandria, Odessa, Smyrna, Konstantinopel, Salonichi, Rio de Janeiro, Montevideo und Buenos-Ayres. Die Oberitalienische Eisenbahn führt von hier nach Pisa, nach Ventimiglig (Mentone), nach Turin und nach Mailand. Die St.⸗Gotthard⸗-Bahn macht den Hafen von G. zum Hauptexporthafen Deutschlands und der Schweiz im Mittelländischen Meer, und um den Transport der Gütermassen bewältigen zu können, begann man 1883 eine Hilfsbahn von G. über das Scriviathal zu bauen, die 1886 fertig werden soll. Die gesamte Handelsbewegung G.s im J. 1881 bezifferte sich auf 457 655 691 Lire. Die ehemalige Republik Genua zählte 1788 auf 5000 akm etwa 400000 E. Die jetzige Provinz Genua, mit Einschluß der Insel Capraja, umfaßt 4114,45 akm, zählt (1881) 760 122 E. in 47 Mandamenti und 196 Gemeinden und zerfällt in die Distrikte Albenga, Chiavari, Genova, Levante oder Spezia und Savona. Geschichte. Die ältesten Bewohner des Landes waren die kriegstüchtigen Ligurier, die den Römern ihre Unterwerfung sehr erschwerten. Nach dem Untergange des Weströmischen Reichs fiel das Land nach der Reihe an die Heruler, Ostgoten, Byzantiner und Longobarden, und mit dem Reiche der letztern kam es 774 unter die fränk. Herrschaft. Nach dem Verfall des Reichs Karls d. Gr. machte sich G. frei und bildete eine von Konsuln regierte Republik, die, obgleich die Stadt 935 von den Sarazenen zerstört worden, nach und nach so mächtig wurde, daß König Berengar von Italien sie 958 förmlich anerkannte. Die Lage der Stadt begünstigte den Handel, und früher noch als Venedig entwickelte sie ihren Verkehr nach der Levante, der durch die Kreuzzüge an Bedeutung und Umfang sehr gewann. Bereits 1120 hatte sie ihr Gebiet durch Unterwerfung der benachbarten Küstenorte Savona, Albenga, Porto-Maurizio, Ventimiglia u. a. erweitert. Einige Zeit (um 1177) unterstanden ihr auch Montferrat, Monaco und Nizza, und die Herrschaft der Republik erstreckte sich vom Golf von Spezia, wo sie Pisas Grenzen berührte, bis nach den provengal. Küsten. Zur See führten die Genueser inzwischen 1070 —1132 um den Besitz von Corsica mit den Pisanern Krieg, der durch den Papst zu ihren Gunsten entschieden, bald aber wieder wegen Gebietserweiterungen auf dem Festlande erneuert wurde und 1175 die Osthälfte der Insel Sardinien an G.brachte. Erst mit der Vernichtung der pisan. Flotte 1284, der Eroberung von Elba, der Verschüttung des Hafens von Pisa 1290 und der Abtretung von Sardinien und Corsica 1299 nahm der Krieg ein Ende. dicht minder heftig waren die Fehden gegen Venedig, die 1257 begannen und erst 1381 mit dem Frieden zu Turin endeten. Sowie die Herrschaft über den westl. Teil des Mittelmeers der Gegenstand des 200jährigen Kampfes mit Pisa war, so wurde in den Kriegen mit Venedig um den Besitz des östl. Teils gekämpft. Am höchsten stieg die ung des byzant. Kaisertums 1261. Für ihre Mitwirkung bei derselben erhielten sie vom griech. Kaiser Galata und Pera, Vorstädte von Konstantinopel, Zollfreiheit in allen byzant. Ländern und freie Schifffahrt auf den Meeren. Gleichzeitig nahmen sie den Venetianern Asow, legten in der Krim Kaffa (Feodosia) an, bemächtigten sich der Halbinsel und erhielten so die Herrschaft über das Schwarze Meer. Nun bezogen sie über das Kaspische Meer die Waren Innerasiens und Indiens und erwarben 1346 Lesbos und Chios, 1383 Famagusta auf Cypern. Doch bereits 1326 ging Sardinien an Aragonien verloren und die Horden Timurs verheerten 1392 Asow. Nach dem Falle von Konstantinopel 1453 entriß Mohammed II. den Genuesern, weil ihr Feldherr Giustiniani dem Kaiser Konstantin XI. beigestanden hatte, 1460 Chios und Lesbos, 1464 Famagusta, 1471 Asow und 1475 3 nebst den andern Besitzungen in der Krim. Obschon sie auch nach dem Verluste der Herrschaft auf dem Schwarzen Meere noch längere Zeit einen gewinnreichen Handel mit dessen Anwohnern trieben, wurde ihnen doch endlich von den Türken der Zugang zu diesem Handelswege gänzlich verschlossen. Während die Macht und der Handelsrang G.s sich hoch erhoben, störten Unruhen im Innern die Republik. Demokraten und Aristokraten, und unter letztern wieder verschiedene Parteien, unterhielten die Bewegungen. Zwar wurde seit 1339 von dem Volke ein lebenslänglicher höchster Staatsbeamter, der Doge (s. d.), erwählt; allein dieser hatte nicht Macht genug, die Parteien niederzuhalten. Auch als man ihm später Räte zur Seite setzte und auf mehrfache Weise eine feste Ordnung zu begründen suchte, konnte man keinen Frieden erzielen. Es kam so weit, daß die Genueser mehrmals, um der Anarchie zu entgehen, sich fremder Herrschaft unterwerfen mußten. Mitten unter diesen Unruhen wurde 1407 die Georgsbank (Compera di San-Giorgio) gestiftet, welche aus den Anleihen, die der Staat zu seinen Bedürfnissen von reichen Bürgern machte, entstand und von den herrschenden Parteien gewissenhaft aufrecht erhalten ward. Andrea Doria (s. d.) stellte 1528 die Unabhängigkeit G.s, welches während der Kriege Karls V. und Franz' I. bald unter span., bald unter franz. Herrschaft gestanden, wieder her. Auch wurde eine neue Verfassung eingeführt, welche bis zum Ende der Republik bestand. Die Regierungsform war streng aristokratisch, das Oberhaupt des Staats war der nun auf zwei Jahre gewählte Doge. Der Adel wurde in den alten und neuen abgeteilt, aus welchen beiden der Doge gewählt werden konnte. Ihm zur Seite standen, ebenfalls auf zwei Jahre gewählt, der Geheime Staatsrat der 12 Governatori und die 8 Procuratori als Aufseher des Schatzes und der Staatseinnahmen. Die höchste Gewalt stand bei dem Großen Rat von 300 und dem Kleinen Rat von 100 Mitgliedern. Nach und nach hatte G. alle seine auswärtigen Besitzungen verloren, bis auf Corsica, das sich 1730 ebenfalls empörte und 1768 an Frankreich abgetreten wurde. Nachdem die Franzosen 1797 die Nachbarländer G.s sich unterworfen, vermochte die Neutralität allein nicht mehr das schwankende Staatsgebäude zu schützen. Von einem franz. Heere bedroht, blieb der Regierung nichts übrig, als in eine neue Veränderung der Verfassung zu willigen. Am 6. Juni 1797 kam mit Bonaparte der Vertrag zu Stande, zufolge dessen G. eine der französischen nachgebildete Verfassung und den Namen Ligurische Republik (s. d.) Een Lände mußte. Zugleich erhielt die Republik einigen Länderzuwachs, sodaß sie gegen 5500 qkm umfaßte. Ihre im Mittelalter so furcht. bare Seemacht aber bestand nur noch aus etwa fünf Galeeren und einigen bewaffneten Barken; ihre Landmacht aus zwei deutschen Garderegimentern für das Oberhaupt der Regierung, 3000 Mann Nationaltruppen und 2000 Mann Landmiliz. Die Stadt hielt w1800 unter Massena eine denkwürdige Belagerung durch die Ssterreicher und die engl. Flotte aus. Durch ein Dekret vom 4. Juni 1805 wurde die Ligurische Republik Frantreich einverleibt und in die drei Depart. Genua, Apenninen (Chiavaxi) und Montenotte (Savona) geteilt. Die Handelsschiffeei war seitdem nur ein Schatten von dem, was ie einst gewesen, indem die Genueser nur noch die Küsten Italiens, Frankreichs, Spaniens, Portugals besuchten. Der Speditionshandel war bedeutend; am wichtigsten aber blieb der Handel mit barem Gelde und das Wechselgeschäft. Nach Napoleons Sturze wurde 1814, nachdem die franz. Besatzung kapituliert und die Engländer die Stadt besetzt hatten, mit des Lords Bentinck Einwilligung die frühere Verfassung, die bis 1797 bestanden hatte, wiederhergestellt. Doch der Wiener Kongreß vereinigte 1815 die Republik unter dem Titel eines Herzogtums mit den Staaten des Königs von Sardinien. Nur vorübergehend schloß sich G. 1821 der Revolution an. Auch während der spätern revolutionären Stürme in Italien wurde die Ruhe nicht wesentlich gestört. Erst auf die Nachricht vom Abschluß des Waffenstillstandes r Aull Sardinien und Esterreich, sowie von der Auflösung der Deputiertenkammer in Turin gegen Ende März 1849 entstand in der Stadt eine sich fortwährend steigernde Aufregung. Volk und Nationalgarde bemächtigten sich der Forts und nötigten die Besatzung zum Abzuge, und 2. April trat eine provisorische Regierung zusammen, welche die Unabhängigkeit der Republik G. erklärte. Doch bereits 4. April erschien der sardin. General della Marmora mit einer bedeutenden Truppenmacht und besetzte nach einem ziemlich blutigen Gefecht die Forts und die wichtigsten Punkte der Stadt. Das in der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1857 unternommene, mit einer weitverzweigten Ver-Mazsinite in Verbindung stehende Attentat der Mazzinisten auf das Fort Diamante hatte bei der Teinnahmlosigkeit des Volks für die Revolution keinen Erfolg. G. ist die Vaterstadt Mazzinis und Paganinis. Auf dem Wege nach dem jetzt besonders von Deutschen vielbesuchten Winterkurorte Nervi bezeichnet ein Obelisk den Punkt an der Küste, an welchem sich Garibaldi zur Expedition nach Süditalien einschiffte. Litteratur. Serra, „Storia della Liguria (4 Bde., Turin 1834); Canale, «Storia civile, commerciale e litteraria dei Genovesi o (9 Bde.,