FeedSpinnorgane
TechnikBrockhaus 1882

Spinnorgane finden sich bei einer ganzen Reihe von Gliedertieren und sind Apparate, die aus einer Drüse, welche eine an der Luft meist sofort verhärtende, als Seide, Spinnweb u. s. w. bekannte, dem Chitin nahe verwandte Feuchtigkeit absondern. Bei den Insekten, wo sie ausschließlich den Larven zukommen, und bei den Tausendfüßen münden sie mit je einem einfachen Ausführungsgang in den Schlund; bei den Spinnen liegen diese sehr verschieden großen und verschieden gestaltete Drüsen im Hinterleib zwischen den Eingeweiden und münden mit zahlreichen Ausführungsgängen oben in den Spinnwarzen auf den sog. Spinnfeldern, siebartigen Gebilden, deren Löcher nach außen in sehr zarte Röhren führen. Die Zahl der Spinnwarzen ist meist sechs (bisweilen auch nur vier) und jeder Spinnfaden besteht daher zunächst aus sechs, der Spinnwarzenzahl entsprechenden dünnern Fäden, und jeder von diesen wieder aus so viel äußerst zarten Fädchen, wie Spinnröhrchen auf jedem Spinnfelde stehen. Zu den S. kann man auch die Byssusdrüse rechnen, die in gewissen Jugendstadien wohl allen Muscheln zukommt, aber hauptsächlich bei den Miesmuscheln zeitlebens in Thätigkeit bleibt, hier am hintern, obern Teil des Fußes gelegen ist und eine gleichfalls chitinartige Feuchtigkeit absondert, die in einer medianen Rinne an der Unterseite des Fußes bis zu dessen Spitze hinläuft und zu einem Büschel seidenartiger Fäden erstarrt, die man namentlich in Italien zu Zeugen, Strümpfen u. s. w. verarbeitet. (S. unter Byssus.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 85Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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