FeedFledermäuse
TierreichBrockhaus 1882

Fledermäuse bilden eine große Ordnung (Handflügler, Chiroptera) der Säugetiere, von der man über 300 Arten kennt. Dieselben haben Fle verschiedenartigen Zahnbau, indem einige, die Flederhunde (s. d.), fast nur Früchte, die eigentlichen F. dagegen vorzugsweise Insekten fressen, kommen indessen alle darin überein, daß sich über ihre sehr verlängerten Finger mit Ausnahme des kurzen, eine große Kralle tragenden Daumens bis zu den Hinterfüßen und meist zum Schwanze eine Flughaut erstreckt, welche durch die vier dünnen Finger der Hand gespannt werden kann und ein förmliches Fliegen ermöglicht, was die Alten veranlaßte, die F. zu den Vögeln zu zählen. Dagegen können sie nur sehr ungeschidt und langsam kriechen, und deshalb ist auch die Luft ihr eigentliches Element. Der Hörsinn ist bei den eigentlichen F. von ungewöhnlicher Schärfe und der Fühlsinn in staunenerregendem Maße entwickelt, indem an Nase und Ohren oft ganz eigentümliche häutige Ausbreitungen und Vorsprünge ausgebildet sind. Der Körper der eigentlichen F. ist kurz, gedrungen, der Kopf rund, mit sehr weiter Mundspalte, die mit äußerst spitzen Schneide⸗, Eck⸗ und Backzähnen bewaffnet ist. Die Zitzen stehen an der Brust. Zum Schlafen hängen sie sich meist mit den Hinterbeinen verkehrt ef indem sie sich in die Flügel wie in einen Mantel hüllen, und manche Arten sammeln sich ungeheuer zahlreich an gemeinschaftlichen Schlafplätzen. Sie sind ohne Unterschied nächtliche und durch Insektenvertilgung nützliche Tiere, welchen von der durch Aberglauben ihnen angedichteten Gefährlichkeit nichts beiwohnt, finden sich, mit Ausnahme der kältern Länder, über die ganze Erde verbreitet und fallen bei uns in Winterschlaf. Man unterscheidet hauptsächlich zwei Gruppen, die Blattnasen (Pbyllostomata), mit häutigen Aufsätzen auf der Nase, wozu die Hufeisennasen hinolophus) und Vampyre (s. d.) gehören, und die Glattnasen (Gymnorhina) oder eigentlichen F. (Vespertiliones), welche sich durch die mit Ohrdeckel versehenen Ohren, die glatte, der Anhängsel entbehrende Nase und den gänzlich oder zum größten Teil mit der Flughaut verwachsenen Schwanz unterscheiden. Bei uns gibt es zwei Arten von Hufeisennasen, die kleine (R. hipposideros) und die große Glattnase (R. ferrum-equinum), beide stehen in dem gegründeten Verdacht, andern Tieren das Blut auszusaugen. Unter den Glattnasen hat man wieder mehrere Untergattungen unterschieden. Zu ihnen gehören bei uns die Ohrfledermaus (Plecotus auritus), mit ungeheuer langen Ohren, in Wäldern und Alleen; die Mopsfledermaus (Synotus Barbastellus), die sehr hoch und rasch fliegt; die in ganz Europa in Städten und auch in Dörfern gemeine Zwergfledermaus (Vesperugo pipistrellus) und die nicht minder häufige frühfliegende Fledermaus (V. noctula), deren Körper einfarbig fuchsrot, etwa 8ð em und deren Schwanz fast 5 em lang ist. Sie beginnt öfters schon zwei bis drei Stunden vor Sonnenuntergang ihre Streifzüge und fliegt ebenso geschickt wie die Schwalben. Die gemeine Fledermaus oder Speckmaus (Vespertilio murinus) ist oben kastanienbraun, unten hellgrau und besitzt einen pfriemenförmigen Ohrdeckel. Diese sucht gern in Kaminen und Rauchkammern ebenso gut wie auf Speichern und unter Dächern warme, trockene und dunkle Aufenthaltsorte für Tag⸗ und Winterschlaf, frißt aber weder Speck noch Würste. (Hierzu Abbildungen auf Tafel: Handflügler.) Fledernanene; s. unter Armflosser. ledermausguano sind die Erkremente von Fledermäusen, von denen sich größere Anhäufungen in einigen Felsenhöhlen Sardiniens finden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 886Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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