FeedGliedertiere
TierreichBrockhaus 1882

Gliedertiere (Articulata, Arthrozoa) nennt man eine außerordentlich zahlreiche Abteilung der wirbellosen Tiere, deren symmetrischer, meist gestreckter Körper aus Ringen besteht, welche meist zu ungleichwertigen Abteilungen (Kopf, Kopfbrust, Brust, Hinterleib) sich vereinigen. Die Körperbedeckung dieser Tiere besteht aus einer harten Haut, die von einem besondern Stoffe, Chitin genannt, gebildet wird; die Muskeln setzen sich an der Innenseite der von der Haut gebildeten, hohlen, ring⸗ oder stabförmigen, ineinander gelenkten Hebel an. An den Körperringen sitzen gegliederte Anänge, die bald als eigentliche Füße, bald als Fühler, Kauwerkzeuge oder Flügel ausgebildet sind, und zwar je nach den einzelnen Klassen in sehr verschiedener Weise. Ursprünglich scheinen nur drei Paar Gliedmaßen vorhanden, welche aber einerseits schon bei dem Embryo vermehrt, andererseits vielfach umgebildet werden. Das Nervensystem der G. besteht in einer über dem Schlunde in dem Kopfe gelegenen größern Nervenmasse, einem Ringe, welcher den Schlund umgibt, und einer Kette von Nervenknoten, die auf der Bauchseite in der Mittellinie sich hinzieht und durch Längsfäden verbunden ist. Die Sinnesorgane sind meist sehr entwickelt, besonders häufig machen sich zusammengesetzte Augen bemerklich. Der Kreislauf ist insofern unvollständig, als meist nur ein an der Rückenseite gelegenes Herz ohne Gefäße existiert und niemals ein vollständiges System zum Herzen rückführender Gefäße ausgebildet ist. Das Herz hat, wenn vorhanden, seitliche Spalten, durch welche das farblose Blut eintritt. Die Atmung findet entweder durch die äußere Körperoberfläche oder durch besondere Organe, Kiemen oder Luftröhren, statt. Die Kauwerkzeuge wirken stets von den Seiten her gegeneinander, werden aber häufig zu Saugorganen umgewandelt; der Darm hat fast immer zwei Offnungen, Mund und After. Die Geschlechter sind meistens getrennt, doch findet auch Hermaphroditismus und ungeschlechtliche Zeugung in Ausnahmefällen statt. Der Dotter steht bei der Entwickelung des Jungen in dem Ei auf der Rückenseite des Jungen; meist kann man Larven⸗ und häufig auch Puppenzustände bei der weitern freien Ausbildung unterscheiden. Man teilt die G., welche vielleicht drei Vierteile der gesamten Artenzahl des Tierreichs umfassen, in drei Hauptklassen ein, zu denen noch eine zweifelindt Abteilung kommt; diese drei Hauptklassen ind: Krustentiere (Crustacea), mit zwei Fühlerpaaren und mehr als vier Fußpaaren, mit Gliedmaßen an dem Hinterleibe und bald getrenntem, bald mit der Kopfbrust verschmolzenem Kopfe; Spinnentiere (Arachnida), ohne getrennten Kopf, ohne eigentliche Fühler, die zu Kiefern umewandelt sind, meist mit vier Fußpaaren; Inekten oder Kerfe Insecta), mit getrenntem Kopf, Brust und Hinterleib, einem Fühlerpaar, drei Fußpaaren, die an der untern Seite, und meist mit einem oder zwei Flügelpaaren, die an der obern Seite der Brust angeheftet sind, ohne Gliedmaßen am Hinterleibe. Die hinsichtlich ihrer Stellung weifelhafte Abteilung wird von den Tausendfußern (Myriapoda) gebildet, welche nur ein Fühlerpaar, getrennten Kopf und Atemwerkzeuge wie die Insekten besitzen, dagegen durch die große Anzahl von mit Fußpaaren besetzten Ringen sich den Krustentieren anschließen, sodaß man sie bald mit der einen, bald mit der andern Klasse vereinigt hat, jetzt aber meist als besondere Klasse behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 108Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Tierreich 6