Spontaneität (neulat., vom altlat. sponte, freiwillig) bezeichnet die Selbstthätigkeit und wird einem Wesen dann beigelegt, wenn die Veränderungen und Thätigkeiten desselben nicht in äußerlichen Ursachen, sondern in seinen eigenen innern Zuständen und Thätigkeiten begründet sind. Man findet S. sowohl in den Gebieten des organischen als des geistigen Lebens, und hat daher eine S. des niedern und höhern Grades zu unterscheiden. Weil der höchste Grad der S. der freie Wille ist, dessen Ursachen ganz allein in dem Wollenden selbst liegen, so wird S. oft als gleichbedeutend mit Freiheit genommen. In den Seelenthätigkeiten steht der S. der höhern Grade die Rezeptivität entgegen als Empfänglichkeit für äußere Eindrücke, wodurch das Empfinden als ein relativ leidender Zustand der Seele hervorgebracht wird im Gegensatz zu Verstand, Einbildungskraft und Willen als spontanen oder von innen heraus wirkenden Thätigkeiten im engern Sinne. Doch entsteht auch die Empfindung in der Seele nicht durch bloßes Leiden, sondern ist vielmehr ebenfalls eine von innen heraus thätige Reaktion der Seele gegen Anwirkungen ihres Leibes von außen, und gehört, von dieser Seite genommen, selbst mit zu ihren spontanen Thätigkeiten niedern Grades.