Star (von dem got. Wurzelverbum stairan, H1 staren, mittelhochdeutsch starn, d. h.¶ auf etwas starren) ist die übliche Benennung für die Trübung der Krystalllinse (s. Auge), welche, da sie sich durch eine graue oder weiße Färbung der Pupille kenntlich macht, genauer als Grauer Star (Lataracta) bezeichnet wird. Das Sehvermögen ist hierbei je nach der Ausdehnung und Dichtigkeit des S. mehr oder weniger beeinträchtigt, bei totaler Trübung der Linse bis auf einen geringen Rest von Lichtempfindung völlig aufgehoben und kann nur dadurch wiederhergestellt werden, daß die trübe Linse durch eine Operation aus dem Vupillargebiet entfernt wird. Die Operationsmethoden richten sich teils nach dem Alter des Patienten, teils nach der Form des S., hauptsächlich aber nach seiner harten oder weichen Konsistenz. Der weiche S., welcher sich in dem Kammerwasser vollständig auflöst, wird durch einfache Zerstückelung beseitigt. Für den harten war die älteste, bis zum Ende des 18. Jahrh. hauptsächlich 9½ jetzt ganz verlassene Operationsmethode die Dislokation (Reklination, Depression), d. h. die Versenkung des aus der Pupille geschobenen S. in den Glaskörperraum. Seitdem Daviel 1745 den S. durch eine in der Vorderkammer angelegte Wunde aus dem Auge entfernte, hat sich seine Methode, die Extraktion, allmählich eingebürgert und ist jetzt die ausschließlich herrschende geworden, allerdings mit vielfachen Modifikationen, von denen die von Graefes die am meisten reformierende ist. Nach der Operation ist die dioptrische Wirkung der Krystalllinse durch eine vor dem Auge zu tragende starke Konvexlinse (Starbrilles zu ersetzen, die, weil gleichzeitig mit der Krystalllinse die Accommodation (s. d.) verloren geht, für den verschiedenen Abstand der Objekte verschieden stark sein muß. Außer dem Grauen Star kennt der Volksmund noch den Grünen Star (Glaukom), so genannt wegen des bei dieser Krankheit häufig bemerkten grünlichen Reflexes aus der Tiefe der Pupille, und den Schwarzen Star (Amaurosis), bei welchem der völligen Erblindung eine Degeneration des innern Auges oder des nervösen Teils des Sehapparats zu Grunde liegt und die Pupille keinerlei Farbenveränderung zeigt, sondern rein schwarz erscheint.