Steinoperationen nennt man diejenigen chirurgischen Operationen, welche die Beseitigung der Steine in der Harnblase bezwecken. Die gänzliche Beseitigung des Übels erlangt man nur durch den Steinschnitt oder die Lithotomie (lithotomia oder cystotomia), eine Operation, die darin besteht, daß man von außen her mit dem Messer die Harnblase öffnet, um den oder die darin befindlichen Steine auszuziehen. Die Häufigkeit der Steinkrankheit (s. unter Harnsteine) erzeugte die Idee dieser Operation schon im hohen Altertume, und bei den alten Agyptern gab es eine Klasse Menschen, welche die Ausführung dieser Operation zu einem besondern Gewerbe machten. Die Araber wie die Arzte des Mittelalters überhaupt scheinen sie wieder den besonders darauf eingeübten Steinschneidern überlassen zu haben, bis im 16. und 17. Jahrh. durch Pierre Franco, Frere Jacques, Chefelden und Frere Cosme Methode und Technik der Operation wesentlich verbessert wurden. Einer der Hauptunterschiede zwischen den verschiedenen Methoden liegt in dem Orte des Einschnitts in die Harnblase, welcher sowohl von der vordern Fläche des Unterleibes (hoher Steinschnitt), als auch von dem untersten Teile desselben, dem Mittelfleische aus (Seitensteinschnitt), oder endlich durch den Mastdarm gemacht werden kann. Die Operation ist nicht ohne Gefahr und erfordert einen hohen Grad von Geschicklichkeit, sodaß eine ebenso sichere, aber gefahrlosere und leichtere Methode wünschenswert war. Eine solche ist die von Civiale in Paris seit 1823 geübte und jetzt allgemein gebräuchliche Lithotritie oder Lithotipsie, die Steinzertrümmerung, bei welcher der Stein in der Blase mit einem durch die Harnröhre eingeführten Instrumente gefaßt und durch Schraubendruck zermalmt wird. Das Instrument (Steinbrecher, Lithotriptor) ist so eingerichtet, daß die Blase selbst bei dieser Operation nicht verletzt wird. Die kleinern Bruchstücke gehen durch die Laden Eie ab, und die größern werden in nachfolgenden Sitzungen ebenso zerkleinert. Natürlich eignen sich zu dieser Hperation nur weiche, leicht brüchige Steine, vorzüglich die aus phosphorsauren Erden bestehenden (Phosphatsteine), während die harten, aus harnsauren Salzen und namentlich die aus oxalsaurem Kalk bestehenden in der Blase nicht oder nur äußerst schwer zerbröckelt werden können. Arzneimittel, welche im Stande wären, die Steine in der Harnblase ohne Schaden für die letztere aufzulösen, sind nicht bekannt.