Staub in der gewöhnlichen Bedeutung höchst fein zerkleinerte Teilchen eines trockenen Körpers, die zwischen den Fingern kaum fühlbar sind und in der Luft, namentlich in bewegter (Wind), je nach dem Grade der Zerteilung längere oder kürzere Zeit suspendiert bleiben. Höchst feinen S. bemerkt man stets bei sehr ruhiger Luft in den von Sonnenstrahlen erleuchteten Räumen. Man kann überhaupt sagen, daß es nirgendwo, weder auf den HDochon Alpen noch auf dem Meere, Luft gibt, die vollkommen staubfrei wäre. Das Mikroskop, die Spektralanalyse und verschiedene Gärungs⸗ und Fäulniserscheinungen haben dies zur Genüge bewiesen. In weiterm Sinne spricht man auch von der Zerstäubung der Flüssigkeiten (medizinische Zerstäubungsapparate für Flüssigkeiten), vom Wasserstaub bei Wasserfällen u. dgl. m. In engerer Bedeutung Rendehs man unter S. den auf den Landstraßen, Eisenbahnen, Feldern, Märkten, Exerzierplätzen, Straßen der Städte und in Wohnräumen der Häuser sich bildenden S., welcher im Freien durch den Wind fortgeführt wird und unter Umständen Staubwolken bildet, die zuweilen Sand, Teile vulkanischer Asche aus den entferntesten Gegenden, z. B. Saharasand nach dem Atlantischen Ocean, führen und dort als Staubregen oder Passatstaub niederfallen. Der S. der Straßen besteht aus Kalk- oder Steinstaub, gemengt mit getrockneten Teilchen animalischer Auswurfsstoffe und sonstigen organischen Substanzen. Er ist eine Plage für die Bewohner der Städte, der nur durch größte Sorgfalt in der mechan. Beseitigung des S. durch Kehrvorrichtungen oder durch fleißiges Besprengen abgeholfen werden kann. Hier und da angewendete chem. Mittel, um das Fortführen des S. durch Wind und die Bewegung der Fußgänger, Pferde, Wagen u. s. w. zu verhindern, z. B. das Besprengen der Wege und Straßen mit Lösungen von Chlorcalcium und Chlormagnesium, haben sich nicht bewährt. Der in den Wohnungen sich zeigende und ansammelnde S. ist sehr komplizierter Natur und ergibt sich, unter dem Mikroskop betrachtet, als ein Gemenge von Steinresten, Fäserchen von Wolle, Baumwolle und Seide, Mehlstäubchen, Pelz⸗ und Bettfederteilchen, Metallschüppchen, Ruß aus der Lampe oder dem Ofen und zahlreichen organischen Gebilden, unter denen Hautschuppen von unserm eigenen .7 selten fehlen werden. Auch an lebendigen Keimen (Sporen, Pilze) mangelt es im S. nicht, welche Gärung, Fäulnis u. dgl. veranlassen oder in anderer Weise die Bildung von Schimmelpilzen und Schwämmen in Kellern, verschlossenen Speiseschränken, in der Tinte u. s. w. bewirken. Unzweifelhaft ist es ferner, daß Krankheit erregende Organismen, im S. durch den Wind fortgeführt, Epidemien hervorzurufen im Stande sind. Aus allem geht hervor, daß der S., mit welchem der Mensch unablässig und unvermeidlich in Berührung kommt, sein Feind ist und nicht nur dort, wo er, wie in Sand⸗ und Kalkgegenden, in größerer Menge auftritt, mechanisch zu Augen⸗ und Lungenkrankheiten Veranlassung gibt, sondern auch durch seine organischen Bestandteile infizierend auf den menschlichen Organismus einwirken kann. Bei weitem nachteiliger ist indessen der bei der Ausübung vieler Gewerbe und mancher Branchen des Fabrikbetriebes auftretende S., so bei der Bearbeitung der Sandsteine in den Baugewerken, der Bildhauerarbeit, der Papier⸗, Tabaks⸗ und Farbenfabrikation (namentlich der Bleiweiß⸗, Ultramarin-und Anilinfarbenfabriken, die massenhaft S., und zwar zum Teil höchst giftigen, die Gesundheit der Arbeiter untergrabenden, erzeugen), der Sodabereitung, gewissen metallürgischen Operationen, der Spiegelschleiferei, der Nadelfabrikation u. s. w. (S. Staubinha-In hygienischer Hinsicht ist in neuester Zeit viel geschehen, um die schädlichen Einflüsse der gewerblichen Arbeit auf den Arbeiter zu verhüten oder mindestens zu verringern, so z. B. in der Nadelfabrikation, wo bekanntlich die Nadeln behufs des Zuspitzens auf der Schleifmühle trocken geschliffen werden, weil sie außerdem rosten würden; wegen des dabei sich bildenden Stahl⸗ und Steinstaubes ist dieses Trockenschleifen eine das Leben im hohen Grade gefährdende Operation. Durch Anbringen von Ventilatoren ist diesem Übelstand abgeholfen worden, da Vorschläge, den S. durch in der Nachbarschaft der Schleifsteine angebrachte und mit Ol bestrichene Magnete aufzufangen, ebenso wenig Anklang gefunden haben wie die magnetichen Drahtmasken, welche den Metallstaub von Lund und Nase auffangen sollen. Trotz alledem muß auf diesem Gebiete noch viel geschehen, und es ist Pflicht und Aufgabe der Hygiene, nach Mitteln zu suchen, die den lästigen S. und seine schädlichen Einflüsse verhüten oder vermindern. Vgl. Tyndall, &S. und Krankheit v, in «Fragmente aus den Naturwissenschaften » (Braunschw. 1874); Hirt, «Die Krankheiten der Arbeiterd (2Bde., Bresl. 1871 — 78).