Steffani (Agostino), einer der bedeutendsten Tonsetzer seiner Zeit, zugleich ein angesehener Staatsmann und Prälat, geb. 1655 zu Castelfranco im Venetianischen, wurde in München erzogen und durch den dortigen Kapellmeister Ercole Bernabei musikalisch Schon früh komponierte er kunstvolle Kirchenwerke und gesangreiche Opern, letztere namentlich für Hannover, wo er seit 1688 Kapellmeister war und die Musik in große Blüte brachte. Seine ital. Opern, die dort am Hofe zu Herrenhausen im Garten mit vieler Pracht zur Aufführung kamen, wurden ins Deutsche übersetzt und in den J. 1690 — 1700 auf dem Operntheater in Hamburg gegeben. Seine Hauptwerke sind aber Kammerduette zu ital. Texten, von welchen über hundert erhalten sind, in denen er die größte Kunst des Tonsatzes mit einer gesangreichen und tief ausdrucksvollen Melodie vereinigt hat. S. gehörte selbst zu den besten Sängern damaliger Zeit. Seine Kammerduette sind das höchste Muster ihrer Gattung. Sein Nachfolger im Kapellmeisteramt zu Hannover wurde Händel, mit dem er innig befreundet war. Vom Kurfürsten von der Pfalz zum Geheimrat, vom Papst zum Bischof von Spiga ernannt, widmete er sich später öffentlich nur noch staatswissenschaftlichen und geistlichen Geschäften, ohne jedoch der Musik sich zu entfremden, und starb 1730 zu Frankfurt a. M. Die 1710 in London gestiftete berühmte Konzertgesellschaft Academy of ancient music wählte ihn, in Rücksicht auf seine Verdienste und seine große musikalische Autorität, zu ihrem lebenslänglichen Präsidenten. Seine Kompositionen sind in der Bibliothek der Königin von England in schönen Handschriften erhalten, aber es ist wenig davon gedruckt. Eine kleine Schrift: Quanta certezza habbia da suoi principii la musica (Hannov. 1690), welche er zur Verteidigung der Musik schrieb, wurde von Werckmeister übersetzt (Quedlinb. 1700).