Sternwarte oder Observatorium nennt man ein zu astron. Beobachtungen eingerichtetes Gebäude. Ein solches Gebäude muß möglichst auf einem freien Platze außerhalb der Ringmauern der Städte liegen, damit die aufsteigenden Dünste, so- wie der Staub der Straßen den Beobachtungen nicht hinderlich werden und die Instrumente nicht durch das Gerassel der Wagen Erschütterungen erleiden, die der Genauigkeit der Beobachtungen sehr nachteilig sind. Auch darf man dazu nicht allzu hohe Gebäude wählen, da diese den Schwankungen viel mehr als niedrige unterworfen sind. Zu den auf den S. nötigen Instrumenten gehören hauptsächlich die Meridiankreise, Passageninstrumente, Aquatoriale, Theodoliten, Universalinstrumente, Heliometer, große Refraktoren oder Fernröhre auf einem Stativ, Spiegelteleskope u. s. w. Außerdem pflegt man noch eine Anzahl tragbarer Fernrohre zur Hand zu haben. Von großer Wichtigkeit sind auch gute Uhren, die mitunter viel schwieriger als gute Instrumente zu erhalten sind. Ein Meridiankreis von ½ —1m Kreisdurchmesser, ein parallaktisch aufgestelltes Fernrohr von 180 bis 900 mm Objektivöffnung und einige gute Uhren sind bei gehörigem Fleiß der Astronomen hinreichend, Verdienstliches zu leisten. Unter neuern europäischen S. sind die zu Paris (errichtet unter Ludwig XIV. 1664 — 72), zu Greenwich l(errichtet unter Karl II. 1672), zu Palermo lerrichtet von Piazzi 1789), zu Dorpat (seit 1812), zu Berlin (neu angelegt 1832 —35), zu Leipzig (neu erbaut 1861), zu Straßburg (neu erbaut 1882), zu Bonn (seit 1835), und die großartige, 1833—39 angelegte russ. Centralsternwarte von Pulkowa (s. d.) sehr bekannt. Auch haben die S. auf dem Seeberge in Gotha (welche jetzt durch eine neue in Gotha ersetzt ist) durch Zach (. d.) und die zu Königsberg durch Bessel (s. d.) Berühmtheit erlangt. Außerdem gibt es in Europa öffentliche S. zu Armagh, Athen, Bologna, Breslau, Brüssel, Cambridge, Charkow, Dublin, Durham, Edinburgh, Florenz, Genf, Glasgow, Göttingen, Hamburg, Helsingfors, Karlsruhe, Kasan, Kiel, Kiew, Kopenhagen, Krakau, Kremsmünster, Kristiania, Leiden, Leipzig, Lissabon, Liverpool, Lund, Madrid, Mailand, Marseille, Modena, Moskau, München, Neapel, Neuenburg, Nikolajew, Odessa, Oxford, Padua, Pola, Prag, Rom, San-Fernando, Stockholm, Stonyhurst, Toulouse, Turin, Upsala, Utrecht, Warschau, Wien, Wilhelmshaven, Wilna, Zürich, während die zu Altona, Dessau, Halle, Mannheim, Marburg, Ofen, Parma, Riga, Speier, Tübingen teils ruhen, teils ganz eingegangen sind. Von den Privatsternwarten verdienen besondere Erwähnung die zu Bilk bei Düsseldorf, die zu Bothkamp bei Kiel, die von Bishop in Twickenham bei London, Tulse Hill von Huggins, die von Warren de la Rue in Cranford, die in Leyton, die zu Markree-Castle in Irland, die von Lord Rosse zu Birr-Castle, die von Konkoly in O-Gyalla (Ungarn), die von Oppolzer in Wien. Von den außereuropäischen S. sind zu erwähnen die in Madras, die in der Kapstadt in Südafrika, die in Albany, Ann-Arbor, Chicago, Cincinnati, Cambridge (Harvard-College), Clinton (Hamilton-College), Neuyork, Princeton, Rochester (Virginia-University), Williamstown und Washington in den Vereinigten Staaten, in Santiago in Chile (seit 1852), in Cordova (Argentinische Republik), Rio de Janeiro und die in Melbourne, Windsor in Neusüdwales und Sydney in Australien.