Storchschnabel (Pantograph) ist eine mechan. Vorrichtung, mittels welcher eine gegebene Zeichnung auf bequeme und zuverlässige eise in einen andern Maßstab übertragen werden kann. Am häufigsten wird der S. zur Reduktion von Plänen und Karten benutzt. Die älteste und einfachste Konstruktion des S. (s. beistehende Fig. 1) beruht auf einem aus vier hölzernen Schienen aa hergestellten gleichseitigen Viereck, wozu noch eine fünfte, mit zwei Vierecksseiten parallel laufende, dabei verstellbare Schiene, die sog. Leitschiene s, tritt. Die Schienen sind um Bolzen drehbar untereinander verbunden, sodaß durch Verschie⸗ — bung der Schienen jede beliebige Gestalt des gleichseitigen Vierecks hervorgebracht werden kann. Eine Ecke des Vierecks, auf dem Zeichentisch befestigt, bildet den Drehpunkt oder das Pivot P; in der entgegengesetzten liegt der Fahrstift FP, welcher mittels einer Handhabe auf den Umrissen der zu reduzierenden Zeichnung entlang geführt wird. Die beiden andern Ecken des Vierecks ruhen mittels Kugeln oder Rollen auf dem Zeichentische. An der Leitschiene ist der Zeichenstift Z befestigt und zwar so, daß er mit Eund P in einer geraden Linie liegt. Der Zeichenstift wird mittels der Leitschiene so eingestellt, daß der Abstand 2P zu FP sich verhält wie der Maßstab der reduzierten Zeichnung zu demienigen der zu reduzierenden. Bei den (seltener vorkommenden) Vergrößerungen sind Fahr- und Zeichenstift miteinander zu vertauschen. Unter dem Fahrstift liegt die wiederzugebende Zeichnung, „B. die zu reduzierende Karte, unter dem Zeichensift das Beichenpapier für die Reduktion. Nach den Gesetzen der Ahnlichkeit der Figuren verhalten sich nun die Wege der beiden Stifte, wie ihre Entfernungen vom Pivot beziehungsweise wie die beiden Maßstäbe, und sind, soweit sie aus geraden Linien bestehen, einander parallel. Das erzeugte Bild wird dem gegebenen ähnlich und steht zu demselben in dem durch die jedesmalige Stellung des Zeichenstifts gegebenen Verhältnis. Die Leitschiene sowohl als die mit ihr zu verbindenden Vierecksseiten sind zu dem Zweck der richtigen Einstellung in bestimmten Abständen mit Bolzenlöchern versehen, es können daher nur in gewissen, durch die Stellung der Bolzenlöcher bedingten Verhältnissen Reduktionen vorgenommen werden. Um nun jedes beliebige Verhältnis herstellen zu können, und um zugleich das Instrument solider und genauer zu machen, wählt man in neuerer Zeit statt der hölzernen metallene Schienen, welche mit Schiebern übereinander greifen, und bringt auf den Schienen eine einfache oder eine transversale Längeneinteilung an, bei ersterer eventuell Nonien. Bei einigen Konstruktionen liegen beide Stifte in den Verlängerungen zweier zusammenstoßender Vierecksseiten, das Pivot in einer der beiden andern Seiten, die Leitschiene fehlt dann. Die Röhren-Pantographen haben statt der Schienen Messingröhren und ein verschiebbares Pivot, entweder in der Mitte oder auf einem langen Arme. Die vollkommensten Konstruktionen sind die schwebenden Pantographen (Fig. 2). Bei diesen fällt die vierte Vierecksseite aus, der Zeichenstift 2 befindet sich an der Leitschiene. Die Einteilung ist sehr genau und sind Nonien angebracht. Zunächst dem Pivot erhebt sich ein krahnenartiges Gestell &, an welchem der S. mittels Drähten in schwebender Lage erhalten wird, sodaß nur der Fahrstift F auf der Zeichenebene ruht. L ist eine Libelle zum Horizontalstellen, das Gestell hat ein Dosenniveau. Als Erfinder des S. gilt der Jesuit Christoph [Scheiner, gest. 1650, welcher denselben 1635 in einem eigenen Werke: Pantographia, seu ars delineandi res quaslibeto, beschrieben hat. Die schwebenden Pantographen wurden zuerst in der mechan. Werkstatt von Ott u. Conradi in Kempten (Bayern) verfertigt. Für die kartogr. Abteilung der königlich preuß. Landesaufnahme hat Eduard Sprenger in Verlin einen schwebenden Metall— Pantographen konstruiert, welcher in umstehender Fig. 2 abgebildet ist.