Zeichenpapier, während Kopien auf durchsichtigem Bauspapier oder auf Bausleinwand (d.) ausgeführt werden. Das Papier, respektive die Leinwand wird entweder am Rande auf das Reißbrett geklebt oder mittels Heftzwecken, Reißnägeln oder Reißzwecken (kurzer, spitzer Nägel mit meist messingenen breiten Köpfen), auf demselben befestigt. Als Hilfsmittel zum Aufzeichnen gerader Linien benutzt der Zeichner selten die gewöhnlichen Lineale; er bedient sich hierfür vielmehr der Reißschiene, eines der Länge des Reißbrettes entsprechend langen, dünnen Lineals, welches an einem Ende eine mitunter verstellbare Querleiste trägt, die genau senkrecht zum Lineal selbst steht. Außerdem werden Winkel angewendet. Es sind dies aus dünnen Schienen zusammengesetzte rechtwinkelige Dreiecke aus Holz oder Hartgummi, deren andere beiden Winkel entweder 30 und 60 oder beide 45“ betragen. Zum Messen und Auftragen beliebiger Winkel dient der Transporteur, welcher in der gebräuchlichsten Form eine halbkreisförmige Scheibe mit Gradeinteilung bildet. Krumme Linien werden mit Hilfe von Linealen gezogen, welche vielfache Krümmungen besitzen; man nennt dieselben Kurvenlineale. Zum Ziehen mancher bestimmten Kurven hat man besondere Zeicheninstrumente, z. B. die Ellipsographen. Die Aufzeichnung von Kreisen erfolgt mittels der Zirkel, welche außerdem zum Abnehmen von Entfernungen dienen. Am gebräuchlichsten unter den verschiedenen Zirkelformen sind die Scharnierzirkel, welche aus zwei unten zugespitzten Schenkeln bestehen, deren obere Enden durch ein Scharnier drehbar verbunden sind. Scharnierzirkel für gröbere Arbeiten sind meist aus Holz und haben eine bogenförmige Führung, an der die Schenkel festgestellt werden .(Bogenzirkel). Die Scharnierzirkel werden für viele Zwecke mit ausziehbaren Cinsätzen versehen, sodaß man Bleistift-⸗, Feder⸗ und Nadeleinsätze für die geraden, nur mit einfachen Spitzen versehenen Einsätze einschieben kann, da letztere ausschließlich zum Abstechen dienen. Die Einsätze haben meist Gelenke, damit man die untern Teile der Schenkel auch bei großer Offnung des Zirkels senkrecht gegen das Papier setzen kann, weil nur in diesem Fall die Striche rein und scharf werden. Der Taschenzirkel von Clemens Riefler in Maria-Rain bei Kempten ist ein Einsatzzirkel, dessen Spitzen mittels Scharniers vollständig umelegt werden können, sodaß er sich bequem in der Tasche tragen läßt; die Einsätze bilden für sich kleine Zirkel, welche als Nullenzirkel, d. h. Zirkel für sehr kleine Kreise, verwendet werden können. Ein anderer Nullenzirkel der genannten Firma, der sog. Fallzirkel, ist nicht als Scharnierzirkel, sondern als Federzirkel konstruiert, da die Verbindung der beiden Schenkel eine Feder bildet. Dieser Rieflersche Fallzirkel hat auswechselbare Einsätze für Bleistift und Feder; die Einstellung des Radius erfolgt durch eine Stellschraube, während die Feststellung des in vertikaler Richtung beweglichen Zirkelteils, der an der festen Centriernadel . Iu ist, durch eine zweite Stellschraube geschieht. In seiner einfachsten Form wird der Federzirkel Haarzirkel genannt, weil er zum Abmessen sehr kleiner Entfernungen dient. Zum Abmessen sehr großer Strecken und zum Zeichnen großer Kreise verwendet man Stangenzirkel, Stäbe, auf welche verstellbare Zwingen geschoben sind, von denen die eine die Centrierspitze, die andere Bleistift oder Feder trägt. Der viel angewendete Stangenzirkel von E. O Richter u. Comp. in Chemnitz ist mit Maßstab versehen und besitzt zur Einstellung der Centrierspitze eine Mikrometerschraube. Die in der Regel erst in Bleistift ausgeführten Zeichnungen werden meist mit chinesischer Tusche, selten mit Tinte, nachgezogen. Man bedient sich hierzu der Ziehfeder, Zeichenfeder oder Reißfeder, eines Instruments mit aus zwei vorn zugespitzten, übereinander liegenden und durch eine Schraube 1 Echnabel. d verstellbaren Stahllamellen gebildetem Schnabel, der an einem als Handgriff dienenden Stiel befestigt ist. Reißfedern werden auch als Zirkeleinsätze verwendet. Für besondere Zwecke sind bisweilen noch andere Instrumente in Gebrauch, z. B. zum Zeichnen punktierter oder gestrichelter Linien ein solches, welches, je nachdem man eins der zugehörigen Rädchen einsetzt, verschiedenartig punktierte Linien liefert. Zum Ziehen paralleler Linien und speziell zum Schraffieren gibt es verschiedenartige Parallellineale und Schraffierlineale. Die Gesamtheit der in einem Etui enthaltenen nötigsten 3. wird Reißzeug genannt. Früher wurden die bessern Reißzeuge ausschließlich von schweizer, speziell aarauer Fabriken bezogen; in neuerer Zeit hat jedoch diese Fabrikation auch in Deutschland bedeutende Fortschritte gemacht. Die in der neuesten Zeit erleichterte und vermehrte Anwendung der Vervielfältigungsmethoden, Autographie, Photographie u. s. w., macht eine weit sorgfältigere Ausführung der Zeichnungen notwendig, da diese direkt auf mechanischem Wege in die druckfertige Form übertragen werden. Daraus ist das Bestreben hervorgegangen, die Zeicheninstrumente mehr und mehr zu Präzisions-Instrumenten zu gestalten und ihre Zahl durch Spezialapparate für Schraffierung u. s. w. zu vermehren.