FeedStratford on Avon
VerkehrBrockhaus 1882

Stratford on Avon, Municipalborough im SW. der engl. Grafschaft Warwick, am rechten Ufer des Upper-Avon, der hier schiffbar wird, ist über Hatton, Fenny Compton, Campden und Honeybourne mit den Hauptlinien der Great-Westernbahn verbunden und zählt (1881) 8053 E., welche Landwirtschaft und Getreidehandel treiben. Der saubere Ort, bei welchem eine schöne Brücke von 14 Bogen über den Avon führt, ist berühmt als Geburts-aund Sterbeort Shakespeares (s. d.). In der Henley-⸗Straße steht noch das einstöckige, aus Fachwerk erbaute, mit Giebeln vers ehene alte Haus, in welchem dieser 1564 geboren wurde. Es ist jetzt Nationaleigentum und sorgfältig im Stil der damaligen Zeit restauriert worden. Außer dem niedrigen Geburtszimmer des Dichters enthält es ein Museum, in welchem verschiedene an diesen erinnernde Reliquien, sowie eine vollständige Bibliothek aller von Shakespeare herrührenden oder in verschiedenen Sprachen über diesen geschriebenen Werke aufbewahrt werden. Begraben liegt Shakespeare an der Seite seiner Gemahlin in der schönen Dreifaltigkeitskirche, welche, im spätgot. Stil erbaut, doch mit roman. Turm versehen, die wenige Jahre nach seinem Tode gefertigte, von den Zeitgenossen als ungemein ähnlich gepriesene, bemalte Steinbüste Shakespeares birgt. In dem nahegelegenen Dörfchen Shottery steht noch die Hütte, in welcher des Dichters Frau Anne Rachbarsch geboren wurde, und gleichfalls in der Nachbarschaft wird der Park von Charlecote-Hall gezeigt, in dem, der Sage nach, Shakespeare Wilddieberei getrieben haben soll und dessen Besitzer Thomas Lucy er in den (Lustigen Weibern von Windsory als Richter Shallow verspottete. S. führt den Namen (angelsächs. Stretford) von der hier durch eine Furt des Avon gehenden Straße und ist schon seit dem 8. Jahrh. bekannt. Es erhielt 1197 von Richard Löwenherz Marktrecht und wurde unter Eduard VI. zur Stadt erhoben. Die Stadt führte stets ein bescheidenes Dasein und erscheint nur einmal in der Geschichte, als während der Bürgerkriege 1643 Königin Henrietta Maria hier vorübergehend ihre Residenz aufschlug. Hier wurde 1764 (unter Garricks Leitung) das 200jährige, 1864 das 300jährige Geburtsfest Shakespeares gefeiert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 292Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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