Stratford de Redeliffe (Viscount), früher bekannt als Sir Stratford Canning, ausgezeichneter brit. Diplomat, geb. 6. Jan. 1788 zu London als der Sohn des Kaufmanns Stratford Canning, dessen Nesse der berühmte Staatsmann George Canning (s. d.) war, erhielt seine Bildung auf der Schule zu Eton und der Universität Cambridge und wurde 1807 im Auswärtigen Amt angestellt. Er begleitete 1808 Sir Robert Adair auf dessen [ Mission nach Konstantinopel, und erlangte 1809 ft daselbst den Posten eines Gesandtschaftssekretärs. r Im J. 1814 beteiligte er sich als brit. Bevollmächtigter bei den Verhandlungen zu Basel, welche die Vereinigung der Kantone zur Eidgenossenschaft bezweckten, und 1815 war er bei den Verhandlungen des Wiener Kongresses zugegen. Im J. 1820 wurde ihm eine Spezialmission nach Washington übertragen, die ihn drei Jahre lang beschäftigte. Nach seiner Rückkehr erhielt er durch seinen Vetter George Canning, der kurz zuvor das Ministerium des Auswärtigen übernommen, eine Sendung als außerordentlicher Bevollmächtigter nach Petersburg, um daselbst die Verhandlungen der Großmächte im Betreff der griech.Angelegenheiten in Gang zu bringen. Er kehrte im Mai 1825 nach London zurück und wurde nun zum brit. Botschafter in Konstantinopel ernannt. Als die Pforte sich weigerte, dem Vertrage der Mächte vom 6. Juli 1827 beizutreten, brach S. im Verein mit den franz. Gesandten 8. Dez. 1827 alle Verhandlungen mit dem Diwan ab und zog sich nach Korfu zurück. Im Febr. 1828 traf er zu London ein. Unter Lord Greys Verwaltung wurde S. mit den Verhandlungen über die Gebietsgrenzen Griechenlands beauftragt. Als außerordentlicher brit. Gesandter kam er 1831 nach Nauplia. Er überreichte der griech. Regierung eine Denkschrift, in welcher er die Notwendigkeit einer starken Centralgewalt nachwies und in deren Sinn auch später das Protokoll der vermittelnden Mächte vom 7. Mai 1832 abgefaßt wurde. Nach seiner Ankunft zu Konstantinopel im Jan. 1832 erneuerte S. im Verein mit dem franz. und russ. Gesandten die Verhandlungen über die griech. Angelegenheiten, die endlich durch den Vertrag vom 21. Juli 1832 zur definitiven Feststellung gelangten. Er kehrte hierauf nach London zurück und wurde 1833 zum Gesandten in Petersburg ernannt. Da jedoch der Kaiser Nikolaus sich weigerte, ihn anzunehmen, legte er im Jan. 1834 seinen Posten nieder. Nach seiner Rückkehr wurde S. in das Unterhaus gewählt, wo er sich eine Reihe von Jahren besonders an den Debatten über auswärtige Politik lebhaft beteiligte. Erst zu Anfang 1842 vertraute ihm das Ministerium Peel abermals den Gesandtschaftsposten in Konstantinopel an. Nach dem Amtsantritt Lord John Russells begab er sich im Juli 1846 auf Urlaub nach England und wurde 1847 nach Paris geschickt, um über die Angelegenheiten der Schweiz zu verhandeln. Von dort kehrte er nach Konstantinopel zurück, wo er den engl. Einfluß zum allein maßgebenden zu machen verstand. Im J. 1852 wurde er zur Peerswürde mit dem Titel eines Viscount Stratford de Redeliffe erhoben. S. behauptete seine Stellung, solange Lord Palmerston Minister war, und erst Lord Derby rief ihn 1858 von Konstantinopel ab. Nach seiner Rückkehr nach England nahm Lord S. seinen Sitz im Oberhause, wo er öfters als Redner auftrat. Während der russ.türk. Verwickelungen der J. 1875—78 lieferte er noch in Briefen an die Limesv mehrfach interessante Beiträge zur Lösung der orient. Frage. Erwähnenswert ist auch eine die Ereignisse mehr als eines halben Jahrhunderts reflektierende Gedichtsammlung dieses Staatsmanns, die unter dem S. starb 14. Aug. 1880 in London.