FeedSüdaustralien (South-Australia)
ErdkundeBrockhaus 1882

Südaustralien (South-Australia), eine brit. Kolonie auf der Südküste Australiens, grenzt im W. unter 129 östl. L. von Greenwich an Westaustralien, im N. unter 26 südl. Br. an Nordaustralien (Alexandra-Land) und Queensland, im O. unter 141 östl. L. von Greenwich an Queensland, Neusüdwales und Victoria, im S. an den Indischen Ocean und umfaßt ein Areal von 983 655 akm. Die westlich der Großen Australischen Bucht angehörende Küste läuft anfangs östlich, wendet sich vom Kap Adieu gegen Südosten und ist hier zwar ebenso öde und dürr, aber nicht mehr so völlig schutzq- und hafenlos wie im Westen. Bei Kap Catastrophe, der Südspitze der Halbinsel Eyria, beginnt der nach Norden reichende einförmige Spencergolf, an dessen Eingang mehrere Eilande und im Westen Port-Lincoln, der beste Hafen Australiens, freilich in öder Gegend, liegt. Weiter südöstlich, jenseit des Kap Spencer, der äußersten Spitze der Halbinsel York, dringt der kleinere St.: Vincentgolf in das Festland ein, und vor demselben, jenseit der Investigator⸗ und Backstairsstraße, liegt ie lange, 4328 qkm 4Ran mit Scrub bedeckte, unfruchtbare Felseninsel Kangaroo. Bei Kap Jervis, der Südspitze der Halbinsel Hindmarsh, am Osteingang des St.⸗Vincentgolfs, wendet sich die Küste erst gegen Osten und bildet südlich bis zum Kap Bernouilli die Encounterbai, in deren Hintergrunde der große, mit dem Meere in Verbindung stehende Alexandrinasee liegt, in den bei Wellington der Murray mündet. Von diesem See erstreckt sich die Küste südsüdostwärts bis Kap Northumberland, dann ostwärts bis 18. Mündung des Glenelg. Der südöstl. Teil des Landes ist gebirgig. Dies Bergland besteht aus den vom Kap Jervis am St.⸗Vincentgolf bis zu den Ebenen südlich vom Cooper Creek nördlich ziehenden Reihen der Mount Lofty⸗ und der Flinderskette, deren Spitzen die Höhe von 1000 m nicht übersteigen und die an Metallen, besonders an Kupfer, sehr reich sind. Im südl. Teile umschließen die dort dicht bewaldeten Berge gut bewässerte, fruchtbare Thäler, und auch das Küstenland am St.⸗Vincentgolf und die Ebenen zum Murray hin, sowie im äußersten Südosten der Mount-Gambier-Distrikt, der Garten S.s, sind reich und kulturfähig. Die Ketten des Mount Lofty und der Flinders Range bestehen hauptsächlich aus Sandstein, Schiefer und Kalkstein; die rauhe zerklüftete Gawler Range, welche nördlich die Eyria-Halbinsel begrenzt, setzt sich aus Granit zusammen, ebenso die Musgrave Ranges an der westl. Nordgrenze; ferner findet sich schöner roter Granit im Barossadistrikt nördl. von Adelaide und am Nordufer der Encounterbai. Basalt kommt vor am Mount Arden im NNO. von Port-Augusta, in der Gegend der salzigen Binnenseen und besonders häufig in der Mahe der erloschenen Vulkane des Mount-Gambier-Distrikts, wo sich auch wunderbare Tropfsteinhöhlen finden. Kohle hat man bis jetzt noch nicht in der Kolonie gefunden. Im Norden und besonders im Westen wird das Land trocken und besteht aus sandigen und steinigen Murran auch ist die Gegend östl. vom untern Murray nur mit Scrub bedeckt. Die Kolonie leidet stark an Wassermangel; außer dem Murray besitzt sie kein ununterbrochen fließendes Gewässer, denn die in den Lake Eyre, Torrens, Frome, Blanche und andere Salzmoräste des Innern mündenden Flüsse führen nur selten Wasser und bleiben oft jahrelang trocken. Doch versteht man durch Brunnengraben, Ansammlung von Wasser in Cisternen und Erbohrung artesischer Quellen dem Wassermangel abzuhelfen. Das Klima ist mild und gesund. Ein Drittel des Jahres wehen kühlende, pan un oceanische Südwestwinde, die auf Ackerbau und Viehzucht günstig einwirken. Man hat hier eigentlich nur Frühling und Sommer; der sog. Winter ist ohne Frost und kleidet das Land nur mit neuem Grün. ie Regenzeit fällt zwischen Mitte Mai und Anfang Oktober; vom Oktober an nimmt die Wärme bis zum Februar, dem wärmsten Monat, zu. Die höchste Temperatur im Februar ist 45 C.; die Dentlge Rezens schwankt zwischen 19“ und 2˙ C. eftige Regengüsse, Gewitter und, besonders im Sommer, verheerende Hagelstürme sind häufig: eine Landplage sind die glutheißen Landwinde. Die Flora und Fauna ist im ganzen die des außertropischen Australien. Das Küstengebiet der Kolonie nebst ihren Golfen wurde erst 1803 von dem engl. Kapitän Flinders, dann bald darauf von dem franz. Admiral Baudin entdeckt, nach jenem Flindersland, von diesem Napoleonsland, im südwestlichsten Teile Freycinetsland genannt. Aber erst 1830 machte Sturt auf die Vorzüge des Landes zur Gründung einer Kolonie aufmerksam, sodaß endns 1834 eine Kolonisationsgesellschaft in England usammentrat, welche durch Verkauf des noch errenlosen Landes einen Auswanderungsfonds 7½ durch den die Kultur des Landes ermögicht ward. Am 15. Aug. 1834 erschien eine Parlamentsakte, welche S. zu einer brit. Provinz erhob, eine Kommission zur Ausführung der Akte einsetzte und die Ansiedelung deportierter Verbrecher ausschloß. Die ersten Auswanderer mit dem Gouverneur verließen Europa um die Mitte 1836 und langten 26. Dez. am St.⸗Vincentgolf an. Nach Überwindung vieler Schwierigkeiten begann gegen 1841 die blühende Entfaltung der Kolonie, die noch immer fortdauert. Die Kolonie ist in 26 Grafschaften und 5 Weidedistrikte eingeteilt. Im 1863 wurde der Kolonialregierung auch das A exandraland (s. d.) und Nordaustralien unterstellt. Die Gesamtbevölkerung, hauptsächlich Engländer und Deutsche, belief sich 1839 auf 12000, während sie Ende 1883 schon 304515 betrug. Von 286 211 E. (1881) waren 42628 Römisch-⸗Katholische, 762 Juden und 4151 Heiden und Mohammedaner. Im J. 1881 wurden in den besiedelten Distrikten 6346 Eingeborene gezählt. Die Einwanderung bezifferte sich 1883 auf 19 830, die Auswanderung auf 15562 Seelen. In sittlicher Be— ½ nimmt S. unter allen austral. Kolonien en ersten Rang ein; besonders zeichnen sich durch Gewerbfleiß, Nüchternheit, Unabhängigkeit und eine gewisse Wohlhabenheit die Deutschen aus. Was den Bergbau anbetrifft, so liefert Kupfer die bei weitem größte Ausbeute; die mächtigsten Lager von Kupfererzen befinden sich zu Kapunda, Burra-Burra (Rooringa), auf der Yorke-Halbinsel zu Wallaroo und Moonta, sowie im nördlichsten Teile der Flinders Range zu Blinman und Yudanamutana; alle Kohle muß aus Neusüdwales und England Neweastle) eingeführt werden. Dem Wassermangel in S. ist es zuzuschreiben, daß in der Viehzucht die der äußerst genügsamen Schafe bedeutend überwiegt. Nach der Zählung von 1881 besitzt die Kolonie 6463897 Schafe, 307177 Rinder, 157915 Pferde, 131011 Schweine und 13709 Ziegen. och wird selbst die Schafzucht mehr und mehr durch den Ackerbau eingeschränkt; 1881 waren von 1802 796 ha kultivierten Landes 701417 ha mit Weizen von ganz besonderer Güte bestellt, 1734 ha mit Weinreben bepflanzt; den besten Wein bauen die deutschen Dörfer Hahndorf, Rosenthal, Lobethal und die Stadt Tanunda. Die Industrie ist bereits ansehnlich entwickelt, am bedeutendsten die Mühlenindustrie mit 117 Dampfmahlmühlen. Was den Handel anbelangt, so betrug der Wert der Ausfuhr 1883: 4883 000 Pfd. St., davon nach England 2522000, edle Metalle 146000 Pfd. St. Hauptausfuhrartikel ist Wolle; der Wert der expor⸗ . Wolle betrug 1883: 2407000 . St. Ferner wurden hauptsächlich ausgeführt: Weizen, Mehl, Schaffelle, Talg, höchst wertvolle Gerberrinde von der Wattle, Kupfer, Fruchtkonch 18 und Wein. Der Wert des Imports bezifferte ich 1883 auf 6310000 Pfd. St., davon 3492000 aus England. Die Kolonie besaß 1880 eine Handelsflotte von 264 Schiffen von 29089 Registertons, darunter 71 Dampfer von 7206 Registertons; hierzu kommen 40 Flußdampfer und 50 Schleppkähne auf dem Murray. Der Schiffsverkehr in den Seehäfen belief sich 1883 auf 21³6 Rehrengr von 1504 765 Tonnen Raumgehalt. Die Regierun thut viel für Schulen und verwendete 1876 auf dieselben 120000 Pfd. St. Die Zahl der Schulen belief sich 1876 auf 304 gegen 278 des Vorjahres. Die Verwaltung der Kolonie liegt nach der 1850 in das Leben getretenen Verfassung in den Händen eines Gouverneurs. Diesem zur Seite steht eine gesetzgebende Versammlung und eine exekutive Behörde in höchster Instanz. Die Rechtspflege erfolgt nach engl. Gesetzen. Das Finanzjahr 1883 schloß mit einer Totaleinnahme von 2060140 Pfd. St.; die Ausgaben betrugen 2330079, die Staatsschuld 13891 900 Pfd. St. Ende 1883 hatte S. 1606 km Eisenbahnen in Betrieb, 362 EKm waren im Bau. Die Länge der Telegraphenlinien betrug 8494 km· es bestanden 541 Post⸗ und 179 Telegraphenbureaus. Der große überlandtelegraph, welcher Port-Augusta mit Port-Darwin im Northern-Territory verbindet, mit Anschluß nach Singapur, wurde trotz mancher Unterbrechungen der Arbeiten 22. Aug. 1872 vollendet und ist die Ausgangslinie verschiedener Erforschungsreisen in das Innere des Landes gewesen, welche namentlich von Warburton (1866), den deutschen Missionaren Walder, Kramer und Meißel (1867), von Giles (1872), Gosse (1873), Giles und Roß (1873, 1874) und Giles (1875) ausgeführt worden sind. Der Kostenaufwand für Herstellung der transkontinentalen Telegraphenlinie betrug 453711 Pfd. St. Mitte 1877 schloß sich die südaustralische Telegraphenlinie beim Grenzort Port-Eucla an der Großen Australischen Bucht der von Westaustralien her längs dessen

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 347Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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