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ErdkundeBrockhaus 1882

Sydney, fälschlich Sidney, Hauptstadt der brit. Kolonie Neusüdwales und Hauptort der Grafschaft Cumberland, auf der Südostküste des Festlandes von Australien, in prachtvoller Lage, auf der Südseite des Port-Jackso n, einer der schönsten, sichersten und geräumigsten Hafenbaien der Welt, die von Osten gegen Westen in das Land eindringt, sich unendlich vielfach verzweigt und rings von Bergen und Felsen umsetzt ist. Gleich hinter dem Felsenthor, welches den Eingang bildet, teilt sich die Bai in zwei Arme. Der eine zieht sich nach Nordwesten, der andere gerade nach Westen und enthält über 50 Buchten, von denen wenigstens 20 die größten Schiffe sicher aufnehmen können. Von der Südseite streckt sich eine Halbinsel in die Bai, welche durch einschneidende Buchten dreizackig erscheint. Der östl. Zinken liegt zwischen der Woolomoloobai und der ausschließlich für Kriegsschiffe vorbehaltenen Farm-Cove, der mittlere zwischen dieser und der Sydney-Cove, der westlichste und größte zwischen dieser und der Darling-Cove oder dem Darling-Harbour, dem eigentlichen Handelshafen. Auf letzterm Vorsprung der Halbinsel liegt die ursprüngliche Stadt, die sich aber in neuester Zeit mehr und mehr auch über den mittlern Ast ausdehnte und jetzt größtenteils auf dem hinter den drei Zacken liegenden Sandsteinplateau ausbreitet. S. ist die älteste Stadt Australiens. Dieselbe wurde seit 1788 unter dem Namen Sydney-Cove erbaut, um hier die ursprünglich für Botanybay (s. d.) bestimmte Verbrecherkolonie anzusiedeln, und schwang sich rasch zu dem wichtigsten Orte Australiens auf. Namentlich hob sie sich seit der Goldauffindung (1851) in Australien in erstaunlicher Weise. S. ist eine Stadt von durchaus engl. Charakter. Stadt und Hafen sind gedeckt durch die Forts Macquarie und Phillip, sowie durch das Fort Denison auf dem nahen Inselchen Pinchgut, mehrere Batterien und ein gegen Nordosten an der Gegenküste auf Bradley-Point gelegenes Fort. Die nähere Umgegend ist dürr, felsig und öde, doch breiten sich rundumher auf beiden Seiten der Hafenbai aumutige Landhäuser, Parke und Gärten aus, nach Osten bis zum Ocean, nach Westen bis Paramatta. Das Ganze bietet vom Hafen oder den nahen Höhen aus gesehen, mit den unzähligen Buchten und.Felsenkaps des Port-Jackson eine ganz unvergleichliche Scenerie. S. zählte , 1800 erst gegen 2600 C., 1881 bereits 224211, wovon 103 379 auf die eigentliche Stadt kommen; darunter auch viele Deutsche. Mit Ausnahme des ältern Teils der Stadt, dessen Gassen schmal und krumm sind, hat S. gerade, regelmäßige Straßen. Die Häuser sind meist aus Sandstein erbaut und zum Teil wahre Paläste mit prächtigen Kaufläden und Magazinen. Es gibt viele stattliche öffentliche Gebäude, darunter der Gouvernementspalast, das Parlamentsgebäude, die in reichem got. Stil erbaute Universität, die Post, und unter den zahlreichen Kirchen aller Religionsparteien die Kathedrale St.⸗Andrew. Die Stadt ist der Sitz des Gouverneurs und Oberbefehlshabers von Neusüdwales, der Ministerien und des Parlaments der Kolonie, eines anglikanischen Bischofs und eines röm. kath. Erzbischofs. Sie hat eine 1850 gegründete Universität mit theolog. Seminaren der Anglikaner, Katholiken und Presbyterianer, mehrere Kollegien und Akademien, eine Handelsschule, ein Museum mit hochinteressanten ethnolog. und zoologischen Sammlungen, zwei öffentliche Bibliotheken mit 46000 und 20000 Bänden, einen botan. Garten von außerordentlicher Schönheit, eine Sternwarte (33 51, 41“ südl. Br., 151² östlich von Greenwich), mehrere Theater, einen Cirkus u. s. w.; ferner Gesellschaften für schöne Künste, Handel, Acker⸗ und Gartenbau, Votanik und Blumenzucht, einen Akklimatisationsverein und andere wissenschaftliche und gemeinnützige Gesellschaften. Auch befinden sich in S. eine 1855 errichtete Münze, die Australian Joints Stock Bank, die Bank of Australasia, die Bankk of New South Wales, die Bank of New Zealand, die Citybank, die Commerical Banking Company of Sydney, die Unionbank of Australia, eine Börse, eine Handelskammer, Seeasselnranzen u. s. w. Zugleich hat S. mehrere große Industrie-Etablissemets auf Aktien und bedeutende Fabriken und Manufakturen, namentlich Eisengießereien, Schmelzhütten, Fabriken für Maschinen, Kutschen, Wagen, Leinwand, Tuch, Kleidung, Hüte, Seife, Lichte, Leder, Schuhwerk, Fleischkonserven, Tabak und Cigarren; ferner Bierbrauereien, Zuckersiedereien, Rumbrennereien, große Schiffswerfte, mehrere Docks, Seilerbahnen, eine umfangreiche Tischlerei u. s. w. Das Trockendock der Regierung ist für Schiffe von 3500 t berechnet. S. ist der Sammelpunkt aller Stapelprodukte von Neusüdwales, das Centrum der austral. Dampfschifffahrtsgesellschaften, des Schiffbaues und Walfischfangs der Kolonie, des ganzen Verkehrs mit Neuseeland und den übrigen Inseln der Südsee. Postdampfer setzen es einerseits über Melbourne mit Point de Galle in Indien und so mit Mauritius, der Kapstadt und dem Mutterlande, andererseits über Neuseeland mit Panama in Verbindung, während andere Dampferlinien nach Batavia, Hongkong und Shanghai führen. Im J. 1881 liefen w1322 Segelschiffe und 444 Dampfer von zusammen 973 425 t ein. Die Hauptgegenstände der Ausfuhr sind jetzt in erster Linie Gold, in zweiter Wolle. Dann folgen Kohlen, Vieh, Getreide, Felle, Talg, Brot und Mehl, Butter und Käse, Bauholz, Leder, Seife, Spirituosen, Fischereiprodukte u. s. w. Die Einfuhr besteht zum größter Teil in engl. Fabrikaten aller Art, in Zucker, Kaffee, Tabak und in Kolonialprodukten, sowie in Waren aus Indien und China. S. ist Sitz des deutschen Generalkonsuls für Australien nebst Tasmanien, Neuseeland und die Viti-Inseln, sowie des deutschen Konsuls für Neusüdwales.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 396Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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