Tasmania, früher Vandiemensland, eine engl. Insel und Kolonie im Süden des austral. Kontinents und von diesem durch die Baßstraße getrennt, hat eine fast viereckige Gestalt und einen Flächeninhalt von 64644 akm. Die nur im Norden Hachen, sonst aber meist schroffen Küsten sind durch eine Menge vortrefflicher, zum Teil tief in das Land einschneidender Häfen ausgezeichnet. Vom Kap Grim im Nordwesten zieht sich die Küste allmählich nach Südosten zurück, um beim Einfluß des Gordon den weiten, bis auf eine enge Einfahrt geschlossenen Macquarie-Harbour zu bilden. Der Westküste weiter nach Süden folgend, stößt man zunächst auf Port Davey. Die prächtigsten Häfen weist jedoch die Südostküste auf, vorzüglich im d'Entrecasteaur-Channel, vor welchem die Bruny-Insel sich hinzieht, und in der von der Tasmanhalbinsel geschützten Stormbai. An der Ostküste sind zu erwähnen die Marionbai und die von der Freyeinethalbinsel gebildete Austernbucht. An der Nordküste sind Port Frederick und Dalrymplebai an der Mündung des Tamar gute Häfen. Fast die ganze Insel, der die wüsten Tafelebenen des austral. Kontinents fehlen, besteht aus Hochland, das aus fruchtbaxen, wiesenreichen und große Seen tragenden Hochebenen von verschiedener Höhe zusammengesetzt ist, überall aber an die Küsten reicht und meistens jäh nach denselben abfällt. Zwischen diesen Hochebenen ziehen, meistens von Nordwesten nach Südosten, rauhe und wilde Gebirgsstöcke, welche im Nordosten im Ben-Lomond bis zu 1600m, im Südwesten im Humboldt-Pic bis zu 1723 m ansteigen. Die geolog. Natur der Insel ist noch nicht gehörig durchforscht, doch überwiegen, neben den Urgesteinen Granit, Gneis und Glimmerschiefer, vorzüglich die paläozoischen Sedimentformationen der silurischen und devonischen Zeit. Die Flüsse haben bei der geringern Ausdehnung und bergigen Beschaffenheit der Insel nur einen kurzen Lauf. Aus mehrern Armen und Flüßchen entsteht bei Launceston der breite und schiffbare Tamar, welcher durch den Port Dalrymple unterhalb Georgetown in die Baßstraße mündet. Den Nordwesten bewässert der von den Surrey-Hills kommende Arthur-River. Im Westen mündet in den Macquarie-Harbour der im untern Laufe schiffbare, durch die Golddistrikte von Franklin und Montgomery ziehende und den Humboldt-Pic in einer Spirale umfließende Gordon. Der Fluß des Südostens ist der von den Seen des Innern kommende, bei Hobarttown in die Stormbai fallende und gleichfalls im untern Laufe schiffbare Derwent. Zu T. gehören 55 größere und kleinere Inseln, welche zusammen einen Flächeninhalt von etwa 4122 akm einnehmen. Das Klima Tis ist gemäßigt und ganz vorzüglich, und es gedeihen die Kulturpflanzen des mittlern Europa. Die Zahl der zu den Australnegern gehörigen Ureinwohner wurde noch im Beginn des 19. Jahrh. auf 4-5000 geschätzt. Vor der Barbarei der weißen Bevölkerung wichen diese Wilden immer mehr zurück, und 1810 sah sich die Regierung veranlaßt, strenge Strafen auf die Ermordung derselben zu setzen. Dagegen sahen sich die Weißen steten Raubzügen von seiten der Schwarzen ausgesetzt, und man fing sie deshalb 1835—45 sämtlich ein und brachte sie auf die Flindersinsel, wo sie allmählich ausstarben. Die Zahl der weißen Ansiedler, meist Protestanten angelsächs. Abkunft, beträgt (1883) 126 220, darunter 66972 männlichen und 59248 weiblichen Geschlechts; es wanderten 1883 ein: 14240, aus: 12636 CE. Die Fruchtbarkeit des Bodens, die große Menge vorzüglicher Bau- und Nutzhölzer, der Reichtum an Mineralprodukten, namentlich Kohlen, Gold, Kupfer, Silber, Blei, förderten mächtig die Einwanderung und hiermit die Entwickelung des Ackerbaues, der Viehzucht sowie auch des Handels. Im J. 1872 wurden am Mount-⸗Bishop reiche Zinnminen aufgefunden und am Flusse Tamar mächtige Eisenlager. Auch Wismut, Kupfer und Blei wird mit Erfolg abgebaut, ebenso Stein⸗ und Braunkohle. Seit 1853 gräbt und wäscht man Gold in T. Außer dem unterseeischen Telegraphen nach dem Festlande Australien, der T. mit England (seit 1872) in direkte Verbindung bringt, befinden sich für den innern Verkehr (1883) 99 Telegraphenstationen auf T. miteiner Linienlänge von 2049 km; die Zahl der Postbureaus ist 222. Auch drei Eisenbahnlinien durchschneiden die Insel, und zwar die Launceston und Westernbahn, die Main Linebahn und The Mersey und Delorainebahn. Die Gesamtlänge der drei Linien beträgt (1883) 269 km, im Bau befinden sich 357 Km. Im 1883 betrug das öffentliche Einkommen 562 189 Pfd. St. (davon Steuern 388406), die Staatsschuld 2385 600 Pfd. St., die Ausgaben 533036 Pfd. St. Die Einfuhr bezifferte sich 1883 auf 1833000 Pfd. St., davon aus England 631000, edle Metalle 17000 Pfd. St.; die Ausfuhr betrug 1732000 Pfd. St., davon nach England 380000, edle Metalle 174000 Pfd. St., der Wert der exportierten einheimischen Wolle betrug 450000 Pfd. St. Der Schiffsverkehr belief sich 1883 auf 1305 Schiffe von 471722 Registertons. Sehr blühend ist das geistige Leben, obschon T. früherer Deportationsort war. An der Spitze der Verwaltung der Kolonie befindet sich als Vertreter der königl. Gewalt ein dem engl. Kolonialminister untergebener, von der Krone ernannter Gouverneur. Diesem zur Seite stehen zwei Räte, der exekutive, von der Regierung ernannte und meist aus Beamten zusammengesetzte, und der legislative, der zu zwei Dritteln von den Einwohnern ernannt wird. Die Verwaltung und Justiz sind im wesentlichen der englischen nachgedildet. T. wird in 18 Counties eingeteilt. Hauptstadt und Sitz des Gouverneurs ist Hobarttown (s. d.). Erwähnenswert sind noch Launceston, am Tamar, wo dieser für kleinere Seeschiffe fahrbar wird, mit (1881) 12 753 E., die namentlich vom Handel mit der Kolonie Victoria leben. Als eigentlicher Seehafen dieser Stadt gilt Georgetown am Port Dalrymple. Die Insel wurde 1642 von Abel Tasman (s. d.) entdeckt, jedoch von diesem für einen Teil des austral. Festlandes gehalten und nach dem holländ. Gouverneur in Ostindien, van Diemen, Vandiemensland benannt. Als Insel erkannten das Land erst Georg Baß und Flinders auf ihrer Rundfahrt um dieselbe vom 7. Okt. 1798 bis 8. Jan. 1799. Die Engländer legten 1803 hier eine Verbrecherkolonie an, die schnell, besonders durch Einwanderung freier Leute, aufblühte und bis 1825 als ein von Neusüdwales abhängiges Untergouvernement betrachtet wurde. Sodann stellte man die Ansiedelung unmittelbar unter das engl. Kolonialministerium und erhob Vandiemensland 1826 samt den benachbarten Inseln zu einem eigenen Gouvernement. Die Erklärung zur selbständigen Kolonie erfolgte 1853, nachdem schon früher die Deportation nach der Insel aufgehoben worden war. Zugleich erhielt die Insel auf Verlangen der Einwohner den Namen T. Vgl. Trollope, Victoria and T. (Lond. 1874).