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HeilkundeBrockhaus 1882

Sue (Eugene, eigentlich Marie — frz. Romandichter, geb. 10. Dez. 1804 zu Paris, Sohn eines Oberchirurgen der kaiserl. Garde, studierte Medizin, nahm als Wundarzt an dem span. Feldzuge von 1823 teil und wurde bald nachher Marinemilitärarzt. In dieser Eigenschaft machte er einige Jahre hindurch Reisen zur See und befand sich 1828 auch bei der Seeschlacht von Navarino. Im 1829 legte er sein Amt nieder und kehrte nach aris zurück, wo er sich der Malerei und Schriftstellerei widmete. Nachdem er an einigen Vaudevilles mitgearbeitet, schrieb er mehrere Seeromane, ein in Frankreich fast unbekanntes Genre. Rasch nacheinandererschienen: «Kernock le pirater (1830), Plick et Plocko (1831), Atar-Gullo (1831), La Salamandre (2 Bde., 1832), „La Coucaratcha (4 Bde., 1832—34), «La vigie de Koat-Veno (4 Bde., 1833), welche Werke durch die farbenreichen, effektvollen Schilderungen des Seelebens schnell populär wurden. Die Histoire de la marine française au XVIe siècles (5 Bde., 1835—37) ist dagegen voll Irrtümer und unnötiger Details. „Cécilep (1835) und Le marquis de Létorièreso 1839) sind zwei vortreffliche Novellen; der große loman Jean Cavaliero (4 Bde., 1840) behandelt die Geschichte des Aufstandes der Camisarden in Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. den Cevennen. Bis + Vorlt er in seinen meisten Werken ausschließliche Vorliebe für die altkönigl. Zeit an den Tag gelegt. Von nun aber wurde er plötzlich anderer Ansicht und stürzte sich mit dem Eifer eines Neubekehrten in soziale und polit. Utopien und Weltverbesserungsprojekte. Seine sozialistisch gefärbten Sittenromane «Mathilde, ou mémoires d'une jeune femme » (6 Bde., 1841), &Les mysteres de Pariss (10 Bde., 1842—43) und selbst der „Juif-Erranto (10 Bde., 1844 —45) wurden von der »Presses, dem Journal des Débatso und dem „Constitutionnel' zu beispiellosen Preisen angekauft, mit unermeßlichem Beifall aufgenommen und in zahlreichen Ausgaben, Übersetzungen und Nachbildungen verbreitet. So sah sich S. in den Rang der beliebtesten Romandichter des Tags versetzt. Von seinen vielen nachfolgenden Werken, gleichfalls zunächst in Tagesblättern erschienen, sind zu nennen: «Martin, I'enfant trouvén (12 Bde., 1847), „Les sept péchés capitauxo (16 Bde., 1847—49), romanhafte Verarbeitung von einigen Grundsätzen des Fourierismus, Les mystères du peuplev (16 Bde., 1849—56), denen Aut einer Proletarierfamilie in den verschiedenen Kulturepochen der Weltgeschichte, ein 1857 vom pariser Assisenhofe als unmoralisch und aufrührerisch verurteiltes und vernichtetes Werk, „Les enfants de 'amouro (4 Bde., 1850), „La bonne aventures (6 Bde., 1851), Fernand Duplessis, mémoires d'un mario (6 Bde., 1852), «Gilbert et Gilbertes (7 Bde., 1853), La famille Jouffroys (7 Bde., 1854), Le diable médecino (7 Bde., 1855-57), Les secrets de Poreillero (1858), ein nachgelassener Roman. Ohne sonderlichen Erfolg verarbeitete S. auch einige Stoffe aus seinen Romanen für die Bühne. Aus der Konstituierenden Versammlung von 1848 entfernt, wurde er mit Beihilfe der revolutionären Ausschüsse bei der Nachwahl am 28. April 1850 zum Abgeordneten des Seine-Departements in die Gesetzgebende Versammlung gewählt, wo er sich auf die höchste Bank des Bergs setzte. Infolge des Staatsstreichs vom 2. Dez. 1851 aus Frankreich verbannt, ging er nach Annecy in Savoyen, wo er 3. Aug. 1857 starb. Obgleich weit tiefer stehend als George Sand, besaß S. doch die Kunst, die Neugierde zu reizen und zu fesseln. In seinen Romanen fehlt er häufig gegen die Prinzipien der poetischen Wahrheit und der Stilistik; dagegen entwickelte er großes Talent im Erzählen, wie auch scharfe Beobachtungsgabe und dramatische Virtuosität. S.s Schriften sind fast in alle europ. Sprachen übersetzt worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 353Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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