Suetonius (Gajus S. Tranquillus), röm. Historiker und Biograph, war unter der Regierung des Kaisers Vespasian geboren. Um das 112 n. Chr. begleitete er wohl seinen Freund und Gönner, den jüngern Plinius, durch dessen Fürsprache er mehrfache Gunstbezeigungen vom Kaiser Trajan erhielt, in die Provinz Bithynien. Vom Kaiser Hadrian wurde er um 119 zum Geheimschreiber ernannt, verlor aber nach einiger Zeit (wahrscheinlich im J. 121) diese Stelle wieder und scheint nun ohne Amt in Rom ganz seinen grammatischen, antiquarischen und histor. Studien gelebt zu haben. Früchte dieser Studien waren zahlreiche, zum Teil umfängliche Werke, von denen nur eins, das er, während er das Amt eines kaiserl. Geheimschreibers bekleidete, verfaßte, vollständig 66pö ist: die Lebensbeschreibungen der zwölf ersten röm. Kaiser (mit Einschluß des Julius Cäsar), mehr eine Anekdotensammlung als ein Geschichtswerk in höherm Sinne, aber fur die Zeitgeschichte, besonders für die Kenntnis des Privatlebens der Kaiser, von großer Wichtigkeit. Von einem zweiten größern histor. Werke, das HDe viris illustribuso betitelt war, sind noch von dem Abschnitte De poetiso einzelne Lebensbeschreibungen ganz oder teilweise und ein Auszug aus der Einleitung von dem »De historiciso, eine Lebensbeschreibung des ältern Plinius zum Teil, endlich der Abschnitt De grammaticis et rhetoribuso zu einem beträchtlichen Teil erhalten, während die freilich nur ganz dürftigen Auszüge in des Hieronymus Bearbeitung der Chronik des Eusebius (s. d.) sich wenigstens auf das ganze Werk und somit auch auf die Abschnitte De oratoribuso und De philosophiso erstrecken. Auch von einem dritten größern Werke, das unter dem Titel Pratap Miscellaneen histor.⸗antiquarischen, grammatischen und naturwissenschaftlichen Inhalts, eine Art Lesefrüchte, enthielt, sind noch ziemlich viele Bruchstücke auf uns gekommen. Von einigen andern kleinern Werken sind nur die Titel und einige wenige Fragmente erhalten. In allen diesen Werken tritt ein entschiedener Mangel an histor. Sinn, aber großer Fleiß und Sorgfalt hervor. Der Stil ist klar und ungekünstelt, aber etwas matt und farblos. Die beste Textausgabe der sämtlichen Werke besorgte Roth (Opz. 1858; neue Ausg. 1875); eine treffliche Sammlung der Bruchstücke der übrigen Werke, außer den Kaiserbiographien, hat Reifferscheid geliefert (Opz. 1860). Die besten deutschen Übersetzungen der Kaiserbiographien sind die von Andree (5 Bdchn., Stuttg. 1834-56) und von Stahr (2 Bde., Stuttg. 1857; 2. Aufl. 1874).