FeedSumaätra
ErdkundeBrockhaus 1882

Sumaätra, nächst Borneo die größte der sog. großen Sunda-Inseln (s. d.) und des ganzen Indischen Archipels (s. d.), erstreckt sich, ungleich länger als breit, von Nordwest gegen Südost mit einem Flächeninhalt von 421154 qkm. Durch die Maakkastraße wird S. im Nordosten von der Malaiischen Halbinsel, durch die Sundastraße im Süden von Java geschieden. S. wird von seinem nördlichsten bis zu seinem südlichsten Ende von einer ununterbrochenen, Boukit-Barissan genannten Gebirgskette durchzogen und in eine schmälere westl. und eine breitere östl. Hälfte geteilt. In der Mitte von S., wo diese hauptsächlich der Granitformation angehörende Gebirgskette aus mehrern parallelen und queren Zügen besteht, bildet sie ein eigentliches Bergland mit breitern und schmälern Thälern, Hochebenen u. s. w. An dem Fuße und an den Seiten des Barissangebirges erheben sich 19 Vulkane, von denen sechs, der Indrapura (3833 mehoch), der Ophir oder Pasaman (2927 m hoch), der Dempo (3200 m hoch), der Merapi (2660 m hoch), der Salasi und der Ipo noch thätige und zugleich die beträchtlichsten Bodenerhebungen auf der Insel sind. Die Westküste ist im allgemeinen hoch und bildet eine Menge Häfen, Buchten und gesicherte Ankerplätze, unter denen die Bai von Tapanuli die geräumigste und sicherste ist. Fast in ihrer ganzen Ausdehnung wird die Westküste von S. in nicht beträchtlicher Entfernung von einer Reihe von Eilanden und Gruppen von Eilanden begleitet, von denen Pulo Babi (Simalu), Pulo Nias, die Batu-Inseln, die Mentäwei-Insein (Siberut, Pora, Nord-Pageh, Süd-Pageh) und Pulo Engano am meisten erwähnenswert sind. Infolge davon, daß das Barissangebirge, die Wasserscheide auf S., so nahe der Westküste verläuft, sind die zahlreichen, in der Richtung von Osten nach Westen verlaufenden Flüsse unbedeutend, und nur einige von ihnen, wie z. B. der Singkelfluß, 10—20 km von ihrer Mündung an aufwärts mit kleinern Prauwen befahrbar. Einen ganz andern Charakter zeigt die Cealeder von S. Denn von dem ungleich weniger egliederten, aus niedrigen, sich kaum über den eeresspiegel erhebenden, meilenweit landeinwärts „das Land nur allmählich auf, um sich endlich in ehiraes ar Erhebungen dem Fuße des Barissan⸗ . gebirges anzuschließen. —* Gegensatz zu der westlichen wird die östl. Hälfte von S. in der Richtung von Westen nach Osten von zahlreichen, breiten und wasserreichen, teilweise 150 km und weiter )landeinwärts selbst mit größern Kriegsschiffen befahrbaren Strömen durchschnitten. Die bedeutendsten derselben, von Norden gegen Süden gezählt, sind der Rokan⸗, der Siak⸗, der Indragiri⸗, der FJambi⸗, der Musi⸗ oder Palembäng⸗ und der Tulan-Bawanfluß. Dieselben haben zahlreiche Nebenflüsse, welche häufig miteinander in Verbindung stehen, sodaß man mittels Prauwen aus dem Gebiete des einen in das des nächstgelegenen andern gelangen kann. Alle bedeutendern Ortschaften in der Osthälfte von S. liegen an den Haupt⸗ und Nebenflüssen, infolge dessen alle Kommunikation auf denselben stattfindet und Landwege daselbst kaum existieren. Bei weitem der größte Teil des Areals, namentlich der Osthälfte, ist mit dichtem Urwald bedeckt. Das Klima ist heiß, in den sumpfigen Niederungen ungesund und fiebererzeugend, auf Bodenerhebungen von über 1200 mund auch schon weniger, angenehm und gesund. Der Wechsel des Monsuns ist in der südlich vom Aquator gelegenen Hälfte der Insel wie auf Java, in ihrer nördlichen dagegen ein entgegengesetzter. Erdbeben kommen vor, aber seltener als auf Java und den Molukken. Die Fauna von S. zeigt große Verwandtschaft mit der spezifisch hinterindischen. Zu erwähnen sind zahlreiche Affenarten, unter diesen auch der Orang-Utang, der Elefant, zwei Rhinocerosarten, der Indische Tapir, der sehr häufige Königstiger, der Nebelpanther, andere wilde Katzenarten u. s. w. Die Flüsse wimmeln von Kaimans (Crocodilus biporcatus). Die Pflanzenwelt bietet auf S. großartigste Schönheit, Fülle und Mannigfaltigkeit. Außer Hunderten von Arten der nutzbarsten Dolz: arten für alle möglichen technischen und industriellen Zwecke erzeugt S. teils für eigenen Bedarf, teils für die Ausfuhr Reis, Zucker, Tabak, Indigo, Baumwolle, Catechu, Betel⸗ und Kokosnüsse-Kautschuk und Getahpercha, Benzos, Rotang, Kampfer von Dryobalanops Camphora; von in S. eingeführten Pflanzen: Kaffee, Muskatnüsse u. a. m. In Bezug auf Menge und Mannigfaltigkeit der herrlichsten Früchte übertrifft S. alle andern Länder der Erde. Von Metallen erzeugt S. Gold, Eisen, Kupfer, Blei, Zinn und Steinkohlen. Die Bevölkerung, deren Gesamtzahl 4 Mill. wahrscheinlich nicht übersteigt, ist eine ethnologisch gleichartige. Sie gehört der malaiischen Völkerfamilie an, deren einer Zweig, die Malaien im engern Sinne oder die jüngern Malaien ( d.), seinen Ursprung auf S. gefunden hat. Die Differenzen zwischen den einzelnen Volksstämmen daselbst sind von nicht sehr beträchtlicher Art und nicht in Verhältnissen der Körperbildung gelegen, sondern werden hauptsächlich nur durch das Maß bedingt, in welchem sich fremde Bildungselemente, zuerst in noch vorhistor. Zeit das kontinentaluuch M später, schon in den ersten Jahrhunderten nach Mohammed, das arabisch-islamitische, hierauf das indo-javanische und zuletzt das europäische, auf die Masse der Bevölkerung geltend gemacht haben. Gegenwärtig sind alle Bewohner der Küstenstriche bis tief landeinwärts Mohammedaner und teilweise selbst sehr fanatische, wie namentlich die der Westküste, die Bevölkerung des frühern Reichs Menangkabau im Innern der Westhälfte der Insel und die des Reichs Atschin (s. d.) im Norden derselben. Heiden, in deren religiösen Vorstellungen Anklänge an Vorderindien sich bemerkbar machen, sind die Batta (s. d.) im Innern der Nordhälfte; wesentliche Heiden, wiewohl scheinbar und äußerlich Mohammedaner, die Bewohner der Passumahs, Redjangs und anderer Landschaften im Innern der Osthälfte. Als Marco Polo, der erste Europäer, welcher das von ihm dda meneur isle de Java (Giara minore) Denanden S. gegen Ende des 13. Jahrh. besuchte, Polo se daselbst acht verschiedene Reiche von denen Polo sechs namhaft macht. Der Name S. kommt zuerst in dem Reisebericht des Minoritenmönchs Oderich von Portenau vom J. 1330 als Sumoltras und 1340 bei Ibn-Batutah als 944 n. Chr., nennt die Insel Fantsöurs und Edrisi, 1150 n. Chr., Kelav. Als die Niederländer 1599 unter Cornelis Houtman zuerst Java und S. besuchten, bestand das letztere aus drei großen Abteilungen, nämlich einer südlichen, genannt Batangharie, welche sich von der Sundastraße bis zu dem Flusse Mandjuta an der Westküste ausdehnte; einer mittlern, dem Reiche Manangkabau, alles Land zwischen den Flüssen Mandjuta und Singkel auf der Westküste und im Osten die spätern Reiche Jambi, Indragiri und Siak umfassenden; und einer nördlichen, Tanah-Batta genannten, welche den nördlich von Manangkabau gelegenen Teil der Insel umfaßte. Die Niederländer breiteten sich, nachdem sie die vorherrschende Macht im Indischen Archipel geworden waren, namentlich in den J. 1664— 70 an der Westküste von S. aus und errichteten daselbst eine Menge von Handelsfaktoreien, an deren Spitze die zu Padang stand. Von den Engländern wurde 1685 zu Benkulen eine Faktorei errichtet. Mit der Eroberung von Java durch die Engländer 1812 gelangten an diese auch alle Besitzungen der Niederländer auf S., wurden den letztern aber 1819 zurückgegeben, und 1824 traten die Engländer auch Benkulen an die Niederlande ab. Gegenwärtig sind die Niederländer zum weitgrößten Teile direkt, zum kleinsten wenigstens indirekt, Herren von ganz S. Die direkten Besitzungen zerfallen in folgende voneinander unabhängige Teile: 1) das Gouvernement von S.s Westküste, Hauptstadt Padang (s. d.), mit einem Areal von 64 192 akm und (1882) 1288000 E., worunter 1643 Europäer, 4631 Chinesen, 141 Araber und 907 andere Orientalen; 2) Assistentresidentschaft Benkulen (s. d.), 24 700 qkm mit 144000 E.; 3) Residentschaft Lampongische Distrikte, 29458 akm, 120000 E. (s. Lampongs); 4) Residentschaft Palembang(s.d.), 89 586 qm mit 600 000 E.; 5) Residentschaft Ostküste von S., enthält die Abteilungen Bangkalis, Siak, Labauan-Batu, Assähan und Deli, 19300 gkm groß, Hauptstadt Bangkalis, Einwohnerzahl etwa 150000, worunter 228 Europäer, 16240 Chinesen, 3 Araber und 3982 andere fremde Orientalen. Hierzu kommen noch Indragiri, 35800 qkm mit 100000 CE., die Battakländer 163700 akm mit 1 Mill. E. und das Reich Atschin (s. d.), 16500 qkm mit 400 000 E. Conversations-Lexikon. 13. Aufl. XV. Einer beschränkten Unabhängigkeit von Holland erfreuen sich nur noch das administrativ zu Palembang gerechnete Reich Djambi, sowie das Land der Batta. Vgl. Marsden, History of S.v (3. Ausg., Lond. 1811); Junghuhn, Die Battaländer auf S.v (2 Bde., Berl. 1847); Ridder de Stuers, Vestiging en Uitbreiding der Nederlanders der Westkust van 8.9 (Amsterd. 1849); Sal. Müller, „Bydragen tot de kennis van 8S.5 (Leid. 1846); Mohnike, „Banka und Palembang nebst Mitteilungen über S. im allgemeinen (Münster 1874); Rosenberg, Der Malaiische Archipelv (Bd. 1: „Sumatrav, Lpz. 1878). kampfer (s. d.). Derselbe ist künstlich aus gewöhnlichem Kampfer darzustellen, indem man diesen in absolutem Alkohol löst und mit Natrium behandelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 368Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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