FeedIndischer Archipel
ErdkundeBrockhaus 1882

Indischer Archipel, ostindischer, südostasiatischer oder malaiischer Archivel, auch Australasia oder Notasia, ist der Kollektivname für die zahllose Menge größerer und kleinerer Inseln, welche, teils isoliert, teils zu Gruppen vereinigt, sich zwischen dem 92. und 132. östl. L. (von Greenwich), sowie dem 11. südl. und 20. nördl. Br. ausbreitet und den Meeresraum zwischen dem ce Ar Asien und Australien ausfüllt. Der Indiche Archipel bildet einen Teil der östl. Begrenzung des Indischen Oceans (s. d.) und das Meer zwischen den einzelnen Inseln desselben gehört dem Stillen Weltmeer als dessen westlichster Teil an. Das Areal aller Inseln des Indischen Archipels, von denen einige zu den größten der Erde gehören, wird auf 2003208 qkm berechnet. Westlich wird der Indische Archipel durch Sumatra und dessen Rebeninseln Babi, Nias, Sibiru, die Mentawi und Poggi-Inseln, Engano, Billiton, Banca, die Gruppen der Linga und Bintanginseln, Singapore u. s. w. abgeschlossen; südlich durch Java, Madura, Bali, Lombok, Sumbawa, Sumbah oder Tschindana, Flores, Rotti, Timor, Wetter, Timor-Laut, die Tenimberinseln und viele andere kleinere; östlich durch die Molukken (s. d.), sowie gegen Nordosten durch die Philippinen begrenzt, welche nicht selten als selbständiger Archipel betrachtet werden. Einen Übergang von diesen zu Borneo und den nördl. Abschluß des Indischen Archipels bilden Palawan und die Sulu-Inseln. In der Mitte zwischen Borneo und den Molulken, den Philippinen und der sich östlich von Java erstreckenden Kette kleinerer Inseln liegt Celebes. Seit alter Zeit nennt man diese Insel mit Borneo, Sumatra und Java die „Großeno, die Kette von Inseln ostwärts von Java bis Timor-Laut aber die Kleinen Sunda-⸗Inselno. ein anderes Land ist von der Natur, namentlich was das Tier⸗ und Pflanzenreich betrifft, so verschwenderisch ausgestattet. Von Mineralien kommen Gold, Eisen, Zinn, Kupfer, Diamanten und Steinkohlen vor. In geolog. Beziehung sind diese Inseln sehr bemerkenswert, weil sich durch sie die lange Vulkanenreihe hinzieht, welche das südl. und östl. Asien von Hinterindien bis Kamtschatka umgibt. Die Flora des Indischen Archipels erzeugt die feinsten und kostbarsten Gewürze, eine Unzahl der edelsten Früchte, unter denen die des Durian und des Mangustanbaums alle andern auf der Erde an Wohlgeschmack übertreffen, die dauerhaftesten und schönsten Holzarten, viele Farbehölzer, die Indigopflanze, die Kokos⸗, Sago⸗, Saguwer⸗ und Arecapalme, sowie eine Menge anderer, allen möglichen ökönomischen und technischen Zwecken genü— gender Gewächse. Mit Bezug auf die Fauna läßt sich der Indische Archipel durch eine zwischen Bali und Lombok anfangende, sich zwischen Borneo und Celebes bis zu den Philippinen fortsetzende Linie in eine westliche oder indomalaiische und eine öst— liche oder australomalaiische Hälfte trennen. In der erstern herrscht durch das Vorkommen des Ele— fanten, des Tapir, zweier Rhinocerosarten, des Tigers, des Bären, mehrerer Panther- und vieler Affenarten, unter denen aber der Orang-Utang Borneo und Sumatra ausschließlich angehört, eine roße Übereinstimmung mit der kontinental ind., Ppeziell hinterind. Fauna, während sich die australo— malaiische Region hauptsächlich durch das Verschwinden der Affen und das Auftreten der Beuteltiere charakterisiert. Der Indische Archipel ist das eigentliche Stammland und der vornehmste Wohnsitz der malaiischen Völkerfamilie, welche sich daselbst in eine Anzahl von Zweigen verteilt, die sowohl durch physische Bildung wie durch die Elemente Bew Sprachen verbunden sind. Neuguinea, deren ewohner nicht dem malaiischen Volksstamm, sondern dem der Papuas (s. d.) angehören, ist richtiger zu Australien als zu dem Indischen Archipel zu rech— nen. Fremde Einwanderer überall, namentlich aber auf den Philippinen und Java, sind die Chinesen. Mit Ausnahme der Gruppen der Anambas und Natunhasinseln, sowie Nordborneos, der Inseln Labuan nördlich von Borneo und der Insel Singa— pore im östl. Eingange der Malakkastraße, sämtlich britisch, ferner der Spanien gehörenden Philippinen und des portug. Gouvernements Delli auf Timor ist jetzt der ganze Indische Archipel, zum größern Teil direkt und nur zum kleinern indirekt, dem niederländ. Scepter unterworfen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 568Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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