Sumner (Charles), bedeutender amerik. Staatsmann, geb. 6. Jan. 1811 zu Boston im Staate Massachusetts, besuchte die Harvard-Universität zu Cambridge und promovierte daselbst 1830. 1831 zum Referenten des Bezirksgerichtshofs der Vereinigten Staaten ernannt, veröffentlichte er 1836 drei als Sumner's Reportso bekannt gewordene Bände der Entscheidungen des Richters Story, und lehrte seit 1835 an der jurist. Fakultät zu Cambridge das konstitutionelle Recht der Vereinigten Stagten und das Völlerrecht. Von 1837 bis 1840 bereiste S. England, Deutschland, Frankreich und Itdalien. Nach Boston zurückgekehrt, nahm er seine jurist. Praxis wieder auf und gab 1844—46 eine äaußerst fleißig gearbeitete Ausgabe von Vesey's Reportso mit Anmerkungen in 20 Bänden heraus. Als Jurist von sehr untergeordneter Bedeutung, gewann S. dagegen bald als Politiker eine hervorragende Stellung. Er schloß sich 1845 zunächst der Wbigpartei an und bewog dieselbe zum Kampf gegen die Sklaverei; 1848 trat er zur Freibodenden (Freesoil Party) über und wurde 1850 in Bundessenat gewählt. Hier zeichnete er sich als hervorragender Redner und entschiedener Gegner der Sklaverei aus. In seiner Rede über die Sklavereiverhältnisse in Kansas griff er im Mai 1856 die südl. Sklavenhalter so heftig an, daß er nach beendigter Sitzung durch den Repräsentanten für Südcarolina, Preston S. Brooks, im Senatszimmer hinterrücks überfallen und körperlich schwer verletzt wurde. Zur Wiederherstellung seiner Gesundheit ging er nun auf längere Zeit nach Europa und trat erst 1859 wieder in den Bundessenat ein. Seit 1861 war er Vorsitzender des wichtigen Senatskomitee für auswärtige Angelegenheiten und spielte während des Secessionskriegs eine der hervorragendsten Rollen in der Bundeslegislatur. In seiner Schrift The case of the United States nahm er in der seitdem (im Sept. 1872) durch das Schiedsgericht zu Genf beigelegten Alabama-Frage eine England äußerst feindliche Stellung ein. Obschon S. die Wahl des Präsidenten Grant 1868 unterstützt hatte, ward er doch bald dessen erbitterter Gegner sowohl in der äußern wie in der innern olitik. Im März 1870 von seiner Stelle als Vorbender des Ausschusses für auswärtige Angelegeniten entfernt, trat er 1872 für Greeley als Prädentschaftskandidat auf, ging aber während des Wahlkampfes seiner Gesundheit wegen nach Europa und setzte nach seiner Rückkehr im Senat noch die bürgerliche Gleichstellung der Neger durch. Er starb 11. März 1874 in Washington. Vgl. The works of Charles 8.5 (12 Bde., Boston 1871 — 75); C. Schurz, Eulogy on Charles S.v (Boston 1874); Lester, «Life and public services of Charles S.v Neuyork 1874); Pierce, Life and letters of harles 8.5 (2 Bde., Lond. 1877); (Sumner's orations and speecheso (1850).