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ErdkundeBrockhaus 1882

Surinam, niederländ. Suriname, eine niederländ. Kolonie in Südamerika, begreift den mittlern Teil von Guaiana (s. d.) zwischen den Flüssen Maroni und Corentyne. Sie wird im N. vom Atlantischen Ocean, im W. vom brit. Guaiana, im S. von der brasilian. Provinz Gräo Para und im O. vom franz. Guaiana begrenzt. Früher bildete S. mit den westind. Inseln St.⸗Eustache (Sankt Eustatius), Saba, St.⸗Martin, Curacao, Oruba (Aruba) und Buen Ayre (Bonaire) ein einziges Gouvernement; 1845 erhielt es jedoch einen eigenen Gouverneur. Die Kolonie umfaßt mit Zurechnung der thatsächlich noch nicht in Besitz genommenen innern Landstriche 119321 qkm mit (1883) 71783 E., wobei 17000 Indianer und Buschneger; die ständige Bevölkerung beträgt demnach 54 783 E., wovon 27880 männlichen und 26903 weiblichen Geschlechts sind. Die Zahl der Europäer betrug 1872 694, die der asiat. Kulis 4415, die der unter Staatsaufsicht gestellten 28 774. Außer den beiden Grenzflüssen ist noch der Surinam lauch Suriname), der Hauptfluß, zu nennen, der das Land in seiner Mitte von Süden gegen Norden durchströmt, sowie der westlichere Saramacca. Diese Flüsse verzweigen sich vor ihrer Mündung in eine Menge toter Arme und stehen miteinander durch Kanäle und eine ausgedehnte Sumpflandschaft in Verbindung. Hinsichtlich seiner natürlichen Bodenbeschaffenheit kommt das Land ganz mit dem übrigen Guaiana überein. S. war lange eine der blühendsten Kolonien Hollands, geht aber seit Freilassung der Sklaven (1883) aus Mangel an Arbeitskräften zurück, indem die freien Neger entweder nicht oder nur unregelmäßig arbeiten. Infolge dessen nimmt auch die weiße Bevölkerung ab. Soweit der Anbau reicht, der aber nur einen kleinen Teil des Gebietes, etwa 550 qkm, hauptsächlich am untern Ufer des Surinam umfaßt, ist das Land einem Garten ähnlich, von blühenden Pflanzungen bedeckt und von zahlreichen Kanälen durchschnitten. Der übrige Teil wird meist von Urwald bedeckt. Der größte Teil der Kolonie ist Eigentum der Stadt Amsterdam. Die Hauptausfuhrprodukte bestehen in Zucker, Kaffee, Baumwolle und Kakao. Es ist in 16 Distrikte geteilt. Die Einnahmen beliefen sich 1885 auf 1295 143, die Ausgaben auf 1525846 Gulden, mithin betrug das Defizit 230 703 Gulden. Hauptstadt und Residenz des Gouverneurs ist Paramaribo (s. d.). Außerdem sind nur noch das am Surinam gelegene, fast nur von jüd. Ansiedlern bewohnte Dorf Savanna mit einer verfallenen Synagoge und der Militärposten Vredensborg von Bedeutung, da die meisten Pflanzungen zerstreut liegen. Ferner befinden sich noch in der Kolonie drei kleine, von entlaufenen Negersklaven, sog. Maronnegern, und ihren Abkömmlingen gebildete, jetzt als frei anerkannte Gemeinwesen (Aukan, Saramacca und Mussinga). Die ersten Ansiedler in der Kolonie waren Engländer, denen die Holländer dieselbe 1607 abnahmen, welche sie auch im Frieden von Breda behielten. Die Kolonie begab sich 1799 infolge der damaligen Verhältnisse der Niederlande zu der franz. Republik, in den Schutz der Engländer; durch den Frieden von Amiens kam sie wieder an die Batavische Republik. Nach dem Wiederausbruch des Kriegs zwischen Frankreich und England nahmen die Engländer sie abermals und gaben sie erst 1815 an die Niederlande zurück. Vgl. Wolpers, „Geschiédenis van Suriname v (Amsterdam 1861); Brandhof, De toekomst der kolonie Suriname (Haag 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 379Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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