Suso (Heinr.), deutscher Mystiker, geb. 21. März 1295 in der Reichsstadt ÜUberlingen, gehörte dem Geschlechte der Herren von Berg an und trat, 13 J. alt, in das Dominikanerkloster zu Konstanz als Novize ein. Später ging er nach Köln, um sich unter Meister Eckardt im Studium der Philosophie und Theologie weiter auszubilden. Der in seinem 18. Jahre erfolgte Tod seiner Mutter brachte ihn auf eine ascetische und mystische Lebensanschauung. Seitdem legte er sich den Namen seiner Mutter bei (Siuse, latinisiert Suso). Es begann nun für ihn ein Leben voller Mühsal, Entbehrungen und Demitigungen. Er zog sich in das Kloster nach Konstanz zurück, wo er sich die IIHν Entsagungen und Kasteiungen auferlegte. it seinem 40. Jahre beendete er die Büßungen und begab sich als Prediger in die Welt hinaus. Mit den oberrhein. Mystikern, besonders mit Tauler und Heinrich von Nördlingen, trat er in engen Verkehr, ebenso mit der Schweiz, namentlich mit Frauenklöstern. S. starb 25. Jan. 1366 im Dominikanerkloster zu Ulm, in dessen Kreuzgange er auch begraben liegt. Seine Hauptschriften, die er vier Jahre vor seinem Tode redigierte und mit merkwürdigen, seine mystischen Vorstelungen veranschaulichenden Bildern ausstattete, sind: 1) eine Beschreibung seines Lebens, die nach gesprächsweisen Mitteilungen von seiner eundin Clisabeth Stäglin im Kloster zu Töß bei interthur niedergeschrieben und von ihm selbst nachträglich durchgesehen und vervollständigt worden war; 2) das viel verbreitete Buch von der ewien Weisheite; 3) das (Buch von der Wahrheite, e einzige bekannte metaphysische Schrift S.s meist —. Ideen Eckardts; 4) ein «Briefbüchleine, 11 Briefe enthaltend. Fälschlich ist ihm das von dem straßburger Mystiker Ruolman Merswin verfaßte „Buch von den neun N beigelegt worden. S.s Mystik hat in philos. und theol. Hinsicht durchaus nichts Eigentümliches. Er schließt sich vielmehr eng an Meister Eckardt (s. d.) an; dagegen charakterisiert ihn das «minnereiche Herzo, das Vorwiegen des Gemütes und des poetischen Elements, welches sich bis zum Romantischen, ja selbst Phantastischen versteigt, sodaß er recht eigentlich als Vertreter der schwärmerischen Mystik gelten darf und besonders auf die Frauengeister Einfluß ausübte. Seine Werke verbreiteten sich rasch und weit, wurden teils einzeln, teils zusammen öfters abgeschrieben und ins Lateinische, Französische, Italienische und Holländische übersetzt. Von der deutschen Sammlung gibt es zwei alte Ausgaben mit Holzschnitten (Augsb. 1482 u. 1512) und zwei neuhochdeutsche Übersetzungen von Diepenbrock (Reensb. 1829, neue Aufl. 1838) und von Denifle Münch. 1876—80). Die Briefen S.s gab neuerdings Preger heraus (Lpz. 1867). Eine sorgsame lat. übersetzung lieferte Surius (Köln 1855 u. öfter). Vgl. Böhringer, Die deutschen Mystikerv Stuttg. 1877); Preger, 4 Geschichte der deutschen Mystiko (2 Bde., Lpz. 1882); Vetter, 4«Schwester Stagel und S.» (Bas. 1882). Suspensio. Von Suspension im allgemeinen kann man reden, wo ein Aussechsaur geschaffen wird mit Begründung der Aussicht auf dessen Aufhebung. Die Wirkung eines bestimmten Zustandes wird beabsichtigt, aber nicht als sofortige, sondern sie soll noch hinausgeschoben werden. In diesem Sinne ist der Begriff namentlich juristisch wichtig, indem suspendierte Rechtsgeschäfte doch schon während ihres Schwebens gewisse Rechtswirkungen äußern. Die aufschiebende Bedingung (Suspensivbedingung, s.u. Bedingun g) hat daher den Namen.