Suworow-Rymnikski (Graf Alex. Wassiljewitsch), Fürst Italijski, berühmter russ. Feldherr, geb. 25. Nov. 1729 in Finland, stammte aus einer ursprünglich schwed. Familie. Sein Großvater, Johann S., war Pfarrer zu Moskau, sein Vater, Wassilji S., trat unter Peter d. Gr. bei der Artillerie ein, stieg bis zum Generallieutenant auf und starb 1746. Schon im Feldzuge gegen Schweden in Finland und im Siebenjährigen Kriege zeigte sich der junge Alexander S. als tüchtiger Krieger. Von Katharina II. 1762 zum Obersten der Astrachanschen Grenadiere ernannt, befehligte er in Polen, zerstreute die Heere der beiden Pulawski, erstürmte 1768 Krakau und wurde zum Generalmajor ernannt. Im J. 1773 diente er gegen die Türken unter Rumjanzow und erfocht, nachdem er sich 1774 mit Kamensti vereinigt, einen entscheidenden Sieg über den Reis-Effendi bei Kosludschi, worauf er Generallieutenant wurde. Nach dem Frieden stillte S. im Innern Rußlands die Unruhen, welche Pugatschews Empörung veranlaßt hatte. Er unterwarf 1777 den krimschen Chan Dewlet-Gherai, 1780 die Lesghier im Kaukasus und brachte 1783 die Nogaischen Tataren unter russ. Botmäßigkeit, wofür er zum General der Infanterie ernannt wurde. Am 1. Okt. 1787 schlug er die Türken bei Kinburn, wobei er verwundet wurde. Auf Befehl Potemkins nahm er dann teil an der Belagerung von Otschakow. Hierauf erfocht er 1. Aug. 1789 in Verbindung mit den österr. Truppen den Sieg bei Fokschani über Mehemed Pascha und schlug 15. Sept. am Flusse Rymnik den Großvezier. Kaiser Joseph II. erhob ihn dafür in den deutschen Reichsgrafenstand, und Katharina II. ernannte ihn zum russ. Grafen mit dem Beinamen Rymnikski. Unter Potemkin führte S. auch 22. Dez. 1790 den furchtbaren Sturm auf die Festung JIsmail aus. Nach dem Frieden von 1791ernannte ihn Katharina zum Gouverneur von Jekaterinoslaw, der Krim und den eroberten Provinzen am Ausflusse des Dnjestr. S. blieb zwei Jahre in Cherson. Bei dem neuen Aufstande der Polen erstürmte er 4. Nov. 1794 Praga und besetzte Warschau, worauf er die Marschallswürde empfing. Im J. 1799 ubertrug ihm der Kaiser Paul den Oberbefehl über die Truppen in Italien, wo er auch den Oberbefehl uber die österr. Truppen übernahm. Er siegte 27. April 1799 bei Cassano, 17.,18. und 19. Juli an der Trebia, 15. Aug. bei Novi und vertrieb in drei Monaten die Franzosen aus Oberitalien, wofür er den Beinamen Italijsti erhielt und in den russ. Fürstenstand erhoben wurde. Infolge eines vom österr. Generalstabe mit großer Nachlässigkeit aufgestellten Operationsplans zog er unter unsäglichen Beschwerden über die Alpen nach der Schweiz, um sich mit Korsakow und einem österr. Korps unter Hotz zu vereinigen. Korsakow war aber bereits von Massena geschlagen und Hotz an der Linth gefallen, als S. mit Verlust des dritten Teils seines Heeres die Alpen überstiegen hatte. Er führte sein Heer durch Graubünden zurück und wurde von Kaiser Paul, der durch die Mißerfolge der Alliierten erbittert war, ganz zurückberufen. S. wurde zum Generalissimus aller russ. Heere erhoben und nach Petersburg berufen, wo seiner große Ehren warteten. Er erkrankte jedoch zu Krakau, und es gelang seinen Feinden, ihn wegen angeblicher Nichtachtung kaiserl. Dienstbefehle in Ungnade zu bringen. Bald nach seiner Ankunft in Petersburg starb er im Gefühl der bittersten Kränkung 18. Mai 1800. Kaiser Alexander I. ließ ihm 1801 in Petersburg auf dem Marsfelde ein Standbild errichten. S. war ein außerordentlicher Mann. Mäßigkeit, Thätigkeit und Strenge gegen sich und andere waren die Grundzüge seines Charakters. Nie ließ sich vom Feinde das Gesetz vorschreiben, sondern führte den Krieg stets angriffsweise. Vgl. Anthing, „Versuch einer Kriegsgeschichte des Grafen S.3 (3 Bde., Gotha 1796—99); Fr. von Smitt, «S.s Leben und Heerzüger (2 Bde., Wilna 1833—34); von Fuchs, 4S.s Correspondenz über die russ.⸗ österr. Campagne von 1799 (2 Bde., Glogau 1835). Die beste Biographie S.s lieferte Polewoi (deutsch, Mitau 1853). Vgl. noch Rybkin, Der Generalissimus S. Seine Biographie nach neuen Quellen und Familienpapierene (russisch, Mosk. 1874). Aus seiner Ehe mit einer Fürstin Prosorowskij hinterließ S. eine Tochter, Natalia, geb. 1776, vermählt mit dem Oberstallmeister Nik. Subow, und einen Sohn, Arkadij, geb. 1783, der schon in seinem 16. Jahre den Rang eines Generalmajors erhielt und, nachdem er sich in dem Feldzuge von 1807 hervorgethan, zum Generallieutenant befördert wurde. Derselbe befehligte hierauf eine Division bei der Donauarmee und ertrank 1811 in Rymnik, ebendort, wo sein Vater den Sieg über die Türken erfochten hatte. Der älteste Sohn des Grafen Arkadij, Graf Alexander Arkadjewitsch S.⸗Rymnikski, Fürst Italijski, geb. 1. Juli 1804, im Fellenbergschen Institut zu Hofwyl erzogen, trat 1824 in das Leibgarderegiment zu Pferde. Eine Untersuchung, in die er wegen Beteiligung an der Verschwörung von 1825 verwickelt werden sollte, wurde durch den Kaiser Nikolaus niedergeschlagen, und S. begab sich zur Armee im Kaukasus, wo er sich im Feldzuge gegen Persien auszeichnete. Als überbringer der Schlüssel von Ardebil traf er 1828 wieder in Petersburg ein, ward zum Flügeladjutanten des Kaisers ernannt und machte dann auch den poln. Krieg von 1831 im Hauptquartier des Marschalls Paskewitsch mit, in dessen Auftrage er die Kapitulation von Warschau unterhandelte. Er wurde dann zum Oberst ernannt, blieb in den J. 1833—39 im Gefolge des Kaisers, wurde mehrmals zu diplomatischen Sendungen an deutschen Fürstenhöfen verwendet und später zum Generalmajor befördert. Im J. 1845 betraute ihn der Kaiser mit der Untersuchung der unter den Truppen am Kaukasus eingerissenen Mißbräuche, die ein strenges Gericht zur Folge hatten. Darauf wurde er Generaladjutant des Kaisers und 1847 Militärgouverneur in Kostroma, im Jan. 1848 Generalgouverneur der Ostseeprovinzen und im April Generallieutenant. Beim Ausbruch des Orientkriegs erhielt S. im März 1854 den Befehl über die zur Verteidigung von Livland zusammengezogenen Truppen, wurde dann General der Infanterie und 1865 Generalmilitärgouverneur von Petersburg. Als diese Stelle im Mai 1866 aufgehoben ward, erfolgte seine Ernennung zum Generalinspekteur der gesamten Infanterie; bald darauf wurde er auch Mitglied des russ. Reichsrats. Er starb zu Petersburg 12. Febr. (31. Jan.) 1882.