FeedToll (Karl Friedr., Graf)
GeschichteBrockhaus 1882

Toll (Karl Friedr., Graf), russ. General, geb. 8. (19.) April 1777 auf dem Landgute Keskefer bei Hapsal in Estland, wohnte 1799 unter Suworow den Feldzügen gegen die Franzosen in Italien und in der Schweiz bei und zeichnete sich besonders in den Gefechten an der Teufelsbrücke und bei Muotta aus. Zum Major befördert, nahm er an der Schlacht bei Austerlitz und in dem Türkenkriege unter dem russ. Oberbefehlshaber General Michelson bei der Besetzung der Moldau und Walachei 1806 teil. In dem Feldzuge Napoleons Eer Rußland 1812 stand er als Generalquartiermeister bei dem Oberbefehlshaber Barclay de Tolly, dann bei Kutusow und nach dessen Tode wieder bei Barclay. Auch an den Befreiungskriegen 1813—15 nahm er wesentlichen Anteil und wurde auf dem Schlachtfelde vor Leipzig zum Generallieutenant tbefördert. Vom Kaiser Franz I. 24. Dez. 1814 in den österr. Freiherrenstand erhoben, ward er nach dem Frieden von 1815 zum Generalquartiermeister des rus. Generalstabes, dann zum Stabschef der Ersten Armee und 1826 zum General der Infanterie ernannt. Als Chef des Generalstabes im Türkenkriege 1829 war T. der thätigste Gehilfe des Grafen Diebitsch-Sabalkanski, welcher ihm in erster Linie den Sieg bei Kulewtscha verdankte, wofür er 21. Juni 1829 vom Kaiser Nikolaus in den russ. Reichsgrafenstand erhoben wurde. Im poln. Feldzuge von 1831 stand er abermals als Chef des Generalstabes zur Seite des Feldmarschalls Diebitsch, übernahm nach dessen Tode bis zum Eintreffen des neuen Oberfeldherrn das Kommando und leitete beim Sturm von Warschau nach der Verwundung Paskewitschs die Operationen des letzten, entscheidenden Schlachttags. Im J. 1833 zum Oberdirigenten der Wasser⸗ und Land traßen, sowie der öffentlichen Bauten ernannt, führte er mit Sorgfalt und Gründlichkeit die vielen ihm übertragenen Kanal⸗, Chaussee⸗ und Kunstbauten aus, wie die schlanke eiserne Brücke über den Moskwafluß, die sein technisches Talent beweisen. Er starb zu Petersburg 23. April (5. Mai) 1842. Vgl. Bernhardi, Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Grafen von T.y (2. Aufl., 4 Bde., Lpz. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 739Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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