FeedSchuwalow
GeschichteBrockhaus 1882

Schuwalow, gräfl. Familie in Rußland, deren Adel bis zum Anfange des 17. Jahrh. zurückgeht. Alexander und Peter S., Söhne von Iwan S., der unter Peter d. Gr. Kommandant von Wiborg war, wurden 17. Sept. 1746 in den russ. Grafenstand und beide von Peter III. später zu Reichsfeldmarschällen erhoben. Der Graf Peter war zugleich Generalfeldzeugmeister und Kriegsminister und führte als solcher wichtige Verbesserungen im Artilleriewesen ein. Er starb 15. Jan. 1762. Ein Vetter der vorigen war Iwan Iwanowitsch S., geb. 12. Nov. 1727, einer der eifrigsten Beförderer der Wissenschaften und Künste in Rußland während der Regierungen der Kaiserinnen Elisabeth und Katharina II. Er veranlaßte 1755 die Gründung der moskauischen Universität mit zwei zu ihr gehörigen Gymnasien, 1758 die Gründung der Akademie der Künste zu Petersburg und starb dort 25. Nov. 1798. Ein Seitenverwandter dieser Linie war der Graf Paul Andrejewitsch S., geb. 31. Mai 1776, der unter Suworow in Polen und Italien focht. Bereits im 25. Jahre wurde er Generalmajor. Er zeichnete sich in dem Feldzuge von 1807, mehr aber noch im finländ. Kriege 1809 aus, wo er der erste Russe war, der über Tornea in Schweden eindrang und durch einen kühnen Marsch über das Eis Schelefta einnahm, 8000 Schweden zu Gefangenen machte und 121 Kanonen erbeutete, für welche Thaten er zum Generallieutenant und Generaladjutanten des Kaisers erhoben wurde. An der Seite des Kaisers wohnte er 1813 allen Schlachten bei und schloß 26. Juli 1813 den Waffenstillstand von Neumark. Nach dem Einmarsch in Paris erhielt er den Auftrag. die Kaiserin Marie Luise nach Osterreich zu geleiten und Napoleon I. nach Frejus zu führen. Er starb zu Petersburg 13. Dez. 1823. Sein Sohn, Graf Andreas S., starb 1876 als Mitglied des Reichsrats und Oberhofmarschall; dessen Sohn Peter, geb. 15. Juli 1827 zu Petersburg, trat in die kaiserl. Garde, war 1864 - 66 Generalgouverneur von Livland und Kurland und wurde 1866 zum Chef der polit. Polizei ernannt. Im J. 1873 mit einer außerordentlichen Mission nach London beauftragt, vermittelte er die Heirat der einzigen Tochter des Kaisers, Großfürstin Maria, mit dem Herzog von Edinburgh, sowie die Beilegung der wegen der russ. Fortschritte in Turkestan zwischen den Höfen von Petersburg und von London ausgebrochenen Mißhelligkeiten, und wurde Okt. 1874 an Brunnows Stelle Botschafter in London. Als im Frühjahr 1878 der Ausbruch eines russ.⸗engl. Kriegs unvermeidlich erschien, ging S. nach Petersburg, wo es ihm gelang, den Kaiser für Erhaltung des Friedens und zum Verzicht auf die volle Aufrechterhaltung des Vertrags von San-Stefano zu bestimmen. Nachdem er 30. Mai mit Salisbury ein Memorandum vereinbart hatte, ging er im Juni als russ. Bevollmächtigter zum Kongreß nach Berlin, dessen Erfolg wesentlich S.s versöhnlicher und umsichtiger Haltung zu danken war. Als Anhänger der Bismarckschen Politik wurde S. aber vom Reichskanzler Gortschakow im Nov. 1879 von seinem londoner Botschafterposten abberufen. Dessen Bruder, Graf Paul S., geb. 1830, trat in den Militärdienst und wurde 1873 Generallieutenant. Als interimistischer Kommandeur der 2. Gardeinfanteriedivision trug er 15. bis 17. Jan. 1878 viel zur Zersprengung von Suleimans Korps bei Philippopel bei. Im J. 1885 wurde er zum russ. Botschafter in Berlin ernannt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 532Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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