FeedSoltikow (Ssaltykow)
GeschichteBrockhaus 1882

Soltikow (Ssaltykow), ein russ. Geschlecht, welches seinen Ursprung von dem Wojwoden Terentij ableitet, der sich unter Alexander Newski in der Schlacht gegen die Schweden 1240 hervorthat und dessen Vater, Michael, aus Preußen nach Rußland gekommen war. Das Geschlecht zählt unter allen adeligen Familien des Russischen Reichs die meisten Bojaren. Praskowja Fedorowna S. wurde die Gemahlin des Zaren Iwan Alexeiewitsch (gest. 1696) und dadurch Mutter der Kaiserin Anna und Urgroßmutter des unglücklichen Kaisers Jwan Antonowitsch. Der General Semen Andrejewitsch S., Gouverneur von Moskau, ward durch seine Base, die Kaiserin Anna, 19. Jan. 1732 in den russ. Grafenstand erhoben. Dessen Sohn, Graf Peter Semenowitsch S., geb. um 1700, erhielt 30. Mai 1759 an Fermors Stelle den Oberbefehl über die russ. Armee in Deutschland, siegte 23. Juli 1759 beim Dorfe Kai über den preuß. General Wedel und 12. Aug., nach Vereinigung mit dem österr. General Laudon, bei Kunersdorf (s. d.) über Friedrich d. Gr. selbst. Mit der Feldmarschallswürde belohnt, wurde er nachher Gouverneur von Moskau und starb dort 15. Dez. 1772. Sein Sohn, Graf Iwan Petrowitsch S., eroberte 1788 Choczim, wurde 1797 gleichfalls Feldmarschall und Gouverneur von Moskau und starb dort 1805. „EinVerwandter der vorigen aus einer Seitenlinie, Nikolai IJwanowitsch S., geb. 11. Nov. 1736, wurde 1783 zum Erzieher des nachmaligen Kaisers Alexander und des Großfürsten Konstantin ernannt und verdankte dieser Stellung die Freundschaft Kaiser Pauls und 1796 den Feldmarschallsstab. Er war zugleich Präsident des Kriegskollegiums, 1812 Präsident des Reichsrats und des Ministerkomitee und leitete 1813 —15 während der Abwesenheit Alexanders die Verwaltung des Reichs. Vom Kaiser 1814 in den Fürstenstand erhoben, starb er zu Petersburg 28. Mai 1816. Sein Enkel, Fürst Alexei S., machte sich bekannt durch Reisen in Persien 1838 und Ostindien 1841 —46, deren Beschreibung er in russ. und franz. Sprache herausgab (&Voyages dans l'Inder, Par. 1849, und (Voyage en Perses, Par. 1851). — Gegenwärtig bestehen in Rußland vier Zweige dieses Geschlechts, das Soltikowsche ohne Titel, das gräfl. und fürstl. Soltikowsche und das der Soltyk in Polen, deren Ahnen im Anfange des 17. Jahrh. aus Rußland auswanderten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 916Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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