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PflanzenreichBrockhaus 1882

Systematik (bot.) nennt man diejenige Disciplin der Botanik, deren Aufgabe in erster Linie ist, die sämtlichen bekannten Pflanzenarten nach ihren Verwandtschaftsverhältnissen zu gruppieren, sowie eine möglichst genaue Beschreibung der einzelnen Pflanzenformen selbst zu geben. Im Lanfe der Entwickelung dieses Zweigs der Botanik (s. Botanik) haben sich naturgemäß die Anschauungen über die Umgrenzung der einzelnen Gruppen, sowie insbesondere über die Stellung derselben zueinander in mannigfacher Weise geändert, sodaß seit der Mitte des 18. Jahrh. nach und nach von verschiedenen Forschern eine ganze Reihe von Systemen aufgestellt worden sind. Das Linnesche Serualsystem (s. d.) basierte zum größten Teile nicht auf der natürlichen Verwandtschaft der Pflanzen, sondern stellte nach äußerlichen Kennzeichen in eine und dieselbe Klasse oder Ordnung oft die verschiedenartigsten Gewächse zusammen. Die Grundlage der jenem künstlichen System EudiebponsOufden sog. natürlichen Systeme bildet die von Jussieu am Ende des vorigen Jahrhunderts aufgestellte Gruppierung. Die Jussieusche Einteilung wurde weiter ausgebildet von De Candolle im Anfange dieses Jahrhunderts, und die von diesem Forscher angegebene Umgrenzung und Anordnung der einzelnen Familien ist in den wesentlichsten Punkten auch in den zahlreichen andern natürlichen Systemen der neuern Zeit beibehalten worden, wenn auch die Bezeichnungen der einzelnen Gruppen vielfach verändert wurden. Es liegt in der Natur der Sache, daß in jedem umfassendern systematischen Werke auch wieder Neuerungen besonders in Betreff der Anordnung des Stoffs gemacht werden, da von einer größern Anzahl von Familien, deren Umgrenzung zwar ziemlich sicher ist, das Verwandtschaftsverhältnis mit andern Familien noch zu sehr den subjektiven Anschauungen der betreffenden Forscher überlassen bleiben muß. So herrschen 3. B. auch jetzt noch die verschiedensten Ansichten über die Reihenfolge der größern Gruppen, und in diesen über die Reihenfolge der Familien, zumal bei Phanerogamen. Selbst die Frage, ob in dem natürlichen System die Dikotyledonen oder die Monokotyledonen ihrer Ausbildung nach einen höhern Rang einnehmen, läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden, noch weniger kann man über die natürliche Reihenfolge der Familien ein bestimmtes Urteil abgeben. Während von einigen die Symnetalen als die höchstentwickelten Pflanzen an die Spitze des Systems gestellt werden, betrachten andere die Polypetalen oder Choripetalen als die höher stehenden; so beginnt das eine System mit den Ranunculaceen, das andere mit den Leguminosen, das dritte mit den Kompositen u. s. w. Aus dem Gesagten geht hervor, daß es zur Zeit eine endgültige Gruppierung der Familien nicht gibt und daß eine solche auch vorerst gar nicht möglich ist. Die von Linns durchgeführte sog. binäre Nomenklatur für die Bezeichnung der Arten ist als die brauchbarste von allen Systematikern beibehalten worden, es hat sich jedoch mit der Zeit eine reiche Synonymidk entwickelt, da sowohl die Umgrenzung der Gattungen vielfach geändert wurde, als auch durch neuere Untersuchungen viele früher nur mangelhaft beschriebene Arten betreffs ihrer systematischen Stellung in andern Gattungen untergebracht werden mußten. Durch diese und andere Umstände machten sich neue Bezeichnungen notwendig, sodaß eine sehr große Anzahl von Pflanzen verschiedene Namen führen. Leider sind in dieser Hinsicht viele Systematiker zu weit gegangen, was zur Fulge hatte, daß in manchen Gattungen die einzelnen Arten eine ganze Reihe von Namen im Laufe der Zeit erhalten haben. Um diese verschiedenen Benennungen, die Synonyme auseinander zu halten, ist es unbedingt notwendig, stets den Namen des Autors, d. h. desjenigen Forschers, welcher die betreffende Benennung eingeführt hat, hinter dem Pflanzennamen anzugeben. So bezeichnen z. B. Eryum Lens L., Lathyrus Lens Heterm., Lathyrus Ervum Aitte/, Lens esculenta Mœnch dieselbe Pflanze, nämlich die Linse. Daß derartige Synonyme mannigfache Verwirrung mit sich bringen mußten, ist sofort einleuchtend, doch läßt sich leider in dieser Hinsicht wenig Abhilfe schaffen, da die verschiedenen Namen einmal in systematische und speziell floristische Werke Aufnahme gefunden haben. Die Bezeichnung der Varietäten geschieht dadurch, daß man zu dem Namen der Pflanze var. (varietas) und einen dritten Namen hinzusetzt, so z. B. Nasturtium officinaie var. microphyllum Æchb. Sind mehrere Varietäten vorhanden, so fügt man noch eine Zahl oder einen Buchstaben hinzu, z. B. Brassica oleracea var. a, racephala DOC. var. b, capitata L. u. s. w. „liche reiche, doch behandeln die meisten Schriften „nur bestimmte Pflanzengruppen oder Florenbezirke. eVon den größern Werken, die allerdings auch zum Teil nur die Phanerogamen berücksichtigen, sind folgende hervorzuheben: Linné, 4Genera planta⸗ (Stockh. 1753); De Candolle, Prodromus systematis natnralis regni vegetabiliso (Par., seit 1824, noch im Erscheinen begriffen); Endlicher, &Genera plantarumb (Wien 1836 — 40; dazu Supplemente, Wien 1842— 43); Kunth, Enumeratio, plantarum „ (Berl. 1833 — 41); Bentham und Hooker, Genera plantarumo (Lond. 1862 —83).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 419Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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