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VerkehrBrockhaus 1882

System (grch.) heißt im allgemeinen jedes aus einer Mannigfaltigkeit von Teilen zusammengesetzte Ganze, insofern die Zusammenordnung und Verknüpfung dieser Teile unter der Herrschaft einer durchgreifenden Regel steht, und entweder die letztere erkennen läßt, oder durch die Anwendung und Befolgung derselben zu Stande kommt. In diesem Sinne spricht man z. B. von dem Planetensystem, insofern die Bewegungen der Planeten von einer bestimmten durchgreifenden Beziehung derselben auf ihren gemeinschaftlichen Centralkörper, die Sonne, abhängen und nach einem bestimmten Gesetz erfolgen. Man nennt die Verknüpfung der Nerven in dem organischen Körper das Nervensystem, insofern diese Verknüpfung ihr Zusammenwirken zu den Zwecken des organischen Lebens bedingt. Man nennt die Reihenfolge der Töne nach bestimmten Intervallen das Tonsystem, die Bezeichnung derselben nach einer durchgreifenden Regel das Notensystem. Man spricht ebenso von Eisenbahnsystemen, von S. des Ackerbaues, der Verwaltung, der Regierung u. s. w. Vorzugsweise wichtig wird der Begriff des S. und der Systematik da, wo ein Mannigfaltiges absichtlicher Thätigkeit bewußtvoll auf die Einheit eines Zwecks bezogen wird; daher er auch in dem Streben nach wissenschaftlicher Erkenntnis die Regelmäßigkeit des wissenschaftlichen Verfahrens überhaupt bezeichnet. Nach dem Begriff der Wissenschaft als eines vollständigen Inbegriffs gleichartiger, nach gewissen durchgreifenden Hauptgedanken geordneter und unter sich verknüpfter Erkenntnisse, ist die Systematik jene Anordnung und Verknüpfung nach diesen Hauptgedanken und das systematische Verfahren dem bloß fragmentarischen, rhapsodischen und tumultuarischen entgegengesetzt. Der Begriff der Systematik modisiziert sich aber dabei je nach der Art, wie ein Ganzes wissenschaftlicher Erkenntnis zu Stande kommt, verschiedenartig. Die niedrigste Form derselben ist die Klassifikation (s. d.), die sich lediglich nach den Verhältnissen logischer über-⸗ und Unterordnung richtet. Der Zusammenhang des Mannigfaltigen ist hier mehr ein äußerer. Wo man dagegen den innern Beziehungen dieses Mannigfaltigen, also namentlich dem Verhältnisse zwischen Grund und Folge nachzugehen anfängt, wird die Systematik die Form der Begründung, der Ableitung des Mannigfaltigen aus Prinzipien. diesem Sinne ist keine Wissenschaft systematisch, die nicht ihre Lehrsätze aus Prinzipien ableitet oder auf sie zurückführt. Die Systematik wird sich je nach der verschiedenen Natur und Erkenntnisquelle der einzelnen Wissenschaften sehr verschieden gestalten können, ja innerhalb jeder einzelnen Wissenschaft werden im Laufe ihrer Entwickelung große Verschiedenheiten des systematischen Baues eintreten müssen, je nachdem man bald diese, bald jene Ausgangspunkte für die Ableitung und Begründung des zu ihr gehörigen Mannigfaltigen benutzen zu müssen glaubt; daher in der Philosophie, der Astronomie, der Chemie, Physik u. s. w. sehr verschiedene S. sich zeitweilig geltend zu machen gesucht haben. Die von gewissen Prinzipien aus systematisch durchgeführte Darstellung einer Wissenschaft nennt man ein Lehrgebäude: eine systematische Erkenntnis eine aus Grundsätzen abgeleitete vollständige Erkenntnis eines Gegenstandes; einen systematischen Beweis einen auf die Grundsätze zurückgehenden. Die allgemeinen Formen des systematischen Verfahrens darzulegen ist Sache der Logik (s. d.), ihre Anwendung und nähere Bestimmung für besondere Gebiete der Erkenntnis bleibt den einzelnen Wissenschaften überlassen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 419Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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