Morphologie (botan.) heißt diejenige Disciplin der botan. Wissenschaft, welcher die Betrachtung der Formverhältnisse sowohl des ganzen Pflanzenkörpers als auch der ihn zusammensetzenden Organe zufällt. Insofern es sich dabei um die Gestalt und den Bau der einzelnen Zellen oder Gewebesysteme handelt, spricht man von Anatomie, Histologie oder Phytotomie, als einem besondern Teil der M. (Vgl. Histologie.) Gewöhnlich braucht man die Bezeichnung M. nur im engern Sinne, indem man darunter die Betrachtung der äußern Gestalt und der Stellungsverhältnisse der verschiedenartigen Organe des Pflanzenkörpers versteht. Die Einteilung und Beschreibung der einzelnen Glieder, wie Blatt, Stamm,‚ Wurzel u. s. w. bildet demnach einen besondern Teil der morphologischen Untersuchung und man bezeichnet denselben allgemein als Organographie. Da der äußern Form nach in jenen Gliedern die größte Mannigfaltigkeit herrscht, so hat sich allmählich eine sehr umfangreiche Terminologie herausgebildet, die für die systematische Unterscheidung der einzelnen Pflanzenarten von Wichtigkeit ist; insbesondere gilt dies von den Blattformen sowohl in der Laubblatt- als auch in der Blütenblattregion. (Vgl. Blatt und Blüte.) Aber diese Beschreibung der äußern Formen kann noch nicht als wissenschaftliche M. angesehen werden, erst die Vergleichung der einzelnen Organe untereinander, ihrer Entwickelung in ontogenetischer und phylogenetischer Beziehung gibt dieser Disciplin den Charakter einer Wissenschaft. Die vergleichende Morphologie, wie man dieselbe analog der vergleichenden Histologie nennt, hat sich demnach hauptsächlich mit der Entwickelungsgeschichte zu beschäftigen, und sehr viele morphologische Fragen sind nur auf Grund eingehender entwickelungsgeschichtlicher Untersuchungen zu lösen. Dies ist für die Kryptogamen ein längst anerkannter Standpunkt, bei den Phanerogamen hingegen glaubte man lange Zeit hindurch, daß die Betrachtung der fertigen Zustände genügend sei, um über derartige Fragen Klarheit zu erlangen; dies führte jedoch, hauptsächlich in der M. der Blüte und der Blütenstände, zu den gewagtesten Theorien, indem man durch willkürliche Annahmen von Abortierung, Verwachsung oder Verdoppelung gewisser Organe den theoretisch aufgestellten Baulan zu erganzen suchte. Ob aber wirklich in solchen Fällen ein bestimmtes Organ angelegt wird und dann verkümmert, ob eine Verwachsung oder eine Verdoppelung eintritt, das kann nur durch genaues Studium der Entwickelungsgeschichte entschieden werden. Ganz ähnlich wie bei der Anordnung der Blütenblattkreise und der Verzweigung der Blütenstände hatte man auch für die Stellungsverhältnisse der Laubblätter künstliche Theorien aufgestellt, wie die sog. Spiraltheorie, deren Haltlosigkeit durch exakte entwickelungsgeschichtliche Untersuchungen nachgewiesen wurde. (Vgl. Blattstellung.) Die Litteratur über M. ist eine sehr umfangreiche und behandelt meist spezielle Fragen. Von aushof, Handen Werken seien folgende genannt: ischof, «Handbuch der botan. Terminologie und Systemkundes (3 Bde., Nürnb. 1833 — 44); Hofmeister, «Allgemeine M. » (Lpz. 1868); Cichler, „Blütendiagramme » (2 Bde., Lpz. 1875— 78); Goebel, «Vergleichende Entwickelungsgeschichte der Pflanzenorganes (in Schenks „Handbuch der Botaniko, Bd. 3, Bresl. 1884).