FeedTabakskollegium
GeschichteBrockhaus 1882

Tabakskollegium hieß die Abendgesellschaft, die König Friedrich Wilhelm I. von Preußen zu seiner Unterhaltung fast täglich abends um 5 Uhr zu Berlin, Potsdam oder Wusterhausen um sich zu versammeln pflegte. Die Teilnehmer bestanden in Ministern, Stabsoffsizieren, durchreisenden Standespersonen und Gelehrten, auch wohl in ehrbaren Bürgern, Hofnarren oder denen, die sich als solche brauchen ließen; auch der Schullehrer von Wusterhausen war beständiges Mitglied. Alle Anwesenden mußten Tabak rauchen und die, welche nicht rauchten, die Pfeife wenigstens in den Mund nehmen. Dabei wurde Bier, das in weißen Krügen vor den Gästen stand, getrunken, Butterbrot und Käse, später auch öfters Wein herumgereicht, wobei jeder sich selbst bediente. Die Unterhaltung bezog sich auf Lektüre von Zeitungen, Bemerkungen über Politik und Kriegsgeschichten und Besprechung von Tagesneuigkeiten; auch wurden mancherlei Späße, bisweilen sehr derber Art getrieben, die niemand übelnehmen durfte. Am übelsten wurde gewöhnlich dem bekannten Professor Gundling (s. d.) mitgespielt. Es war Gesetz, daß niemand aufstehen durfte, wenn ein anderer, den König nicht ausgenommen, in die Gesellschaft trat; auch war das Kartenspiel verboten, dagegen galten Schach und Dame für erlaubt. Die Zusammenkünfte des T. hörten auf, als einst die Mitglieder desselben in Anwesenheit des Königs beim Eintritt des Kronprinzen gegen die eingeführte Ordnung sich von ihren Stühlen erhoben. Der König geriet darüber in solche Hitze, daß er fortlief und den Teilnehmern der Gesellschaft das Schloß verbot. Eine dramatische Darstellung des T. ist in K. Gutzkows histor. Lustspiel cZopf und Schwerty enthalten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 437Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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