Tafelrunde hieß in der Sagendichtung des Mittelalters die nach der gewöhnlichsten Annahme aus 12 Personen bestehende Gesellschaft derjenigen Ritter, welche König Artus als die würdigsten zu einer geschlossenen Genossenschaft ausgewählt hatte und an einer den Rangunterschied aufhebenden und deshalb runden Tafel zu versammeln und zu bevirten pflegte. Während die Artussage (. Artus) auf alter nationaler Grundlage beruht und in frühe Jahrhunderte hinaufreicht, entstand die Sage von der T. erst im 12. Jahrh. unter dem Einfluß des aufblühenden Rittertums, welches in ihr einen idealen Mittelpunkt fand. Die Helden der T. wurden als vollendete Urbilder höfischen und ritterlichen Denkens und Handelns betrachtet, die, im Besitze aller ritterlichen Tugenden, im Dienste von Frauen die abenteuerlichsten Heldenthaten vollbringen mußten. Ihre Entstehung haben die Sagen von der T. in der Bretagne, wo ursprünglich selbständige Sagen mit ihr verbunden wurden und in ihr aufgingen. Von dort kamen die Sagen nach Nordfrankreich, wo sie hauptsächlich durch Chrétien de Troies (f. d.) dichterische Ausbildung und große Berühmtheit erlangten. Wenn das franz. wie das deutsche Publikum trotz der Schalheit des Inhalts an diesen Stoffen bis zum Schlusse des Mittelalters Gefallen fand, so hat das seinen Grund in der Entfaltung eines glanzvollen, an Prunk und Festen reichen Lebens, dessen Schilderung schließlich die Hauptsache wurde. Von Chretiens Werken gehören hierher Erec et Enide, Li Chevaliers au lyono, „Li chevaliers de la charretes und Cligesv; ferner des Raoul de Houdenc Meraugis de Portleguezy und der wahrscheinlich von demselben Dichter verfaßte 4Gauvaino, sowie Renauds de Beaujeu Bel inconnuo, das Original des deutschen Wigalois. Von deutschen Dichtungen sind außer Hartmanns „Erecy und «Iweinv zu nennen: der Lanceloto Ulrichs von Zatzikhofen, der Wigaloiso Wirnts von Gravenberg, der „Wigamurv eines Ungenannten, die „Kröney, zur Verherrlichung Gawans, des höflichsten aller Ritter, durch Heinrich von dem Türlin gedichtet, u. a. In cyklischer Form bearbeitete die Sage am Ende des 15. Jahrh. der münchener Maler Ulrich Füterer. Im 15. Jahrh. wurden viele dieser Romane in Frankreich wie in Deutschland in Prosa aufgelöst und in zahlreichen Drucken verbreitet.