Tag nennt man im gewöhnlichen Leben die Zeit der Anwesenheit der Sonne über dem Horizonte. Die in diesem Sinne genommenen oder natürlichen T. sind wegen der nicht senkrechten Neigung der Erdachse gegen die Ebene der Erdbahn oder CEkliptik für die verschiedenen Orter der Erde von sehr ungleicher Länge. (S. CEkliptik.) Die Dauer des längsten T. ist desto länger, je weiter man sich vom Aquator gegen die Pole entfernt. Unter dem Aquator, wo alle dem himmlischen Aquator parallelen Kreise senkrecht auf dem Horizonte stehen un von diesem in zwei Hälften geschnitten werden, sind auch das ganze Jahr hindurch alle T. den Nächten und untereinander gleich, während unter den Polen der längste T. ein volles halbes Jahr dauert. Wegen seiner höchst ungleichen Dauer ist der T. in dem bisherigen Sinne oder der natürliche T. als Maß für unsere Zeitrechnung nicht geeignet. Man versteht aber unter T. noch ferner die Zeit von einer Kulmination (s. d.) der Sonne bis zur andern und nennt einen solchen T. einen wahren Sonnentag, auch wohl, In Unterschiede vom natürlichen, ein künstlichen T. Allein wegen der ungleichförmig. Bewegung der Sonne, die auf der nördl. Erdhälf im Winter schneller, im Sommer langsamer ist, ur wegen der Bewegung der Sonne in der CEkliptik ur nicht im Aquator, müssen auch diese T. unglei sein. Man teilt daher das Jahr mit seinen gleichen wahren Sonnentagen in ebenso viele gleick sog. mittlere Sonnentage, und unsere Uhren sin auf diese angenommene gleichförmig gehende Bewi gung der Erde gestellt. Der sich zu allen Zeite völlig gleichbleibende T., nach welchem daher aue die Astronomen am liebsten rechnen, ist der Stern tag. (S. Sternzeit.) Im bürgerlichen Leben pflegt man den T. gewöhn ich von Mitternacht an zu rechnen und zählt ihr durch zweimal zwölf Stunden hindurch, währen' die Astronomen den mittlern Sonnentag erst vor Mittag an zu zählen beginnen und durch volle 24 Stunden fortzählen. Sagt man z. B. im bürger lichen Leben: den 14. April 9 Uhr vormittags, se sagt der Astronom: den 13. April 21 Uhr u. s. w (S. Sonnenzeit.) Der T. ist übrigens jenes uns von der Natur gleichsam aufgedrungene unveränderliche Urmaß der Zeit, dessen sich alle Völker und Nationen bedienen. Während alles am Himmel, z. B. die Bahnen der Kometen, sowie der Planeten und ihrer Begleiter, zahllosen Störungen unterworfen ist, ist die Länge des T., die Rotationszeit der Erde, das einzige unveränderliche Element, das sich, den genauesten Untersuchungen der größten Astronomen zufolge, seitdem Beobachtungen vorhanden, auch nicht um eine Sekunde geändert hat. über die Tageszeiten, die Differenz in Bezug auf Stunden und Datum, s. Länge (geogr.). Die Einteilung des T. in 24 Stunden findet man schon im grauen Altertum bei den Juden und Babyloniern, welche letztere den T. mit Sonnenaufgang anfingen. Die Juden, Römer und Griechen teilten den natürlichen T. in 12 Stunden, ebenso die Nacht, sodaß die Stunden in den verschiedenen Jahreszeiten von ungleicher Länge waren. Die Athenienser und später die Juden fingen den T. mit Sonnenuntergang an. Im Rechtswesen versteht man unter T. einen Zeitraum von 24 Stunden, welcher von Mitternacht anfängt und bis zur folgenden Mitternacht dauert. Wenn von Erwerbung eines Rechts die Rede ist, so ist in der Regel nur nötig, den Anfang des T. zu erreichen, welcher dazu bestimmt ist. Wer aber binnen einer gewissen Zeit etwas leisten soll, hat dazu noch den ganzen letzten T. bis zum Ablauf der üblichen Geschäftsstunden. Im übrigen s. Frist. ag, der bergmännische Ausdruck für Erdoberfläche; daher der Ausdruck: über T. und unter T..