FeedTanzkrankheit
Sport & SpielBrockhaus 1882

Tanzkrankheit, s. Chorea. Tanzkunst nennt man im weitesten Sinne diejenige Kunst, welche die Darstellung innerer Zustände durch entsprechende Bewegungen des Kör-Be zum Gegenstand hat. Wird einesteils den ewegungen der Füße und den sie begleitenden Geberden des Körpers die möglichste Ausbildung, mithin die größte Mannigfaltigkeit, Fertigkeit und Biegsamkeit und das wohlgefälligste Maß in der Folge ihrer Bewegungen gegeben, und tritt andernteils das Talent hinzu, die mannigfaltigsten Gefhlszustände, Stimmungen und Lagen durch jene rhythmischen Bewegungen anschaulich und nach Willtür auszudrücken, so zeigt sich die T. als schöne Kunst, die in Hinsicht der Geberden eine beschränkte Mimik (s. d.) in Hinsicht der Folge der Bewegungen eine rhythmische Kunst ist und sich darum mit der Musik, welche den vollkommensten Rhythmus (s. d.) hervorbringt, am liebsten verbindet. Als rhythmische Mimikist sie daher den Gesetzen der Mimik und der Kunst überhaupt unterworfen. Da sie als schöne Kunst etwas Inneres, in sich Vollendetes sofl. o lan veräußern und zur Anschauung bringen oll, so kann nur dasjenige Stoff dieser Kunst sein, was sich durch mannigfaltig abwechselnde, rhythmische Bewegungen des ganzen Körpers und die dadurch gebildeten Formen desselben sowie in den diese Bewegungen begleitenden Geberden Rhert beversinnlichen lät. Der Tanz als Kunstwerk betrachtet, kann daher auch nicht eigentlich eine abgeschlossene poetische Handlung im Sinne des Dramas, am allerwenigsten aber eine tragische Handlung darstellen, sondern er kann nur entweder einzelne Gefühle und Neigungen oder eine Reihe von Gefühlen und Lagen zu einer sinnlich-wahrnehmbaren Handlung zusammenreihen, deren Einheit dann in der Einheit der Warnehmung und des Gefühls besteht. Das Hilfsmittel dieser Anreihung ist die pantomimische Darstellung und die scenische Kunst, wodurch das pantomimische Ballet entspringt. In der letztgenannten Beziehung aber teilt man den Tanz in den lyrischen und in den dramatischen ein. Mit dieser Einteilung verbindet sich eine andere, welche Art und Anwendung des

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 469Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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