Tantra ist der Name eines spätern brahmanischen Systems, welches etwa 500 n. Chr. von Indien nach Nepal und Tibet wanderte und auf den dortigen Buddhismus einen starken Einfluß ausübte. Die Anhänger der Tantralehre, die Tantrikas, verehren als Hauptgottheiten Siva (s. d.) und seine Gattin Parwati. Ihre Schriften, welche meist in der Form eines Dialogs zwischen diesen beiden abgefaßt sind, handeln von der Schöpfung und Zerstörung der Welt, der Götterverehrung, der Versendung des Geistes und der Erlangung übermenschlicher Kräfte. Sie sind bisjetzt in Europa noch wenig bekannt geworden.
Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 469Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei