FeedTanzes überhaupt betrifft
Sport & SpielBrockhaus 1882

Tanzes überhaupt betrifft, nämlich die Einteilung des Tanzes in den gesellschaftlichen und in den theatralischen. Der gesellschaftliche Tanz, d. h. derjenige, welcher das gesellschaftliche Vergnügen zum Zweck hat und nur von 95, utoent dieser Kunst (Dilettanten) ausgeführt wird, ist meist lyrischer Art: er drückt eine einzelne Stimmung, 3. B. die ernste und anständige, heitere, ungebundene Freude u. s. w. aus. Zu dieser Gattung gehören auch verschiedene Nationaltänze, welche einen eigenen Rhythmus haben und mit eigenen Melodien begleitet werden. Sie sind zugleich als charakteristische Tänze von vorzüglichem Werte. Hierher gehören die Menuet, Masurek oder Masur, die Polonaise, der Walzer, der Contretanz u. s. w. Zu den theatralischen Tänzen gehören teils die lyrischen Tänze, welche in Opern und Schauspiele eingeflochten sind oder als Zwischenspiele aufgeführt werden, teils die Ballets (s. d.) im engern Sinne, in welchen sich die T. in ihrem höchsten Umfange und Vermögen zeigt, nämlich der dramatische Tanz, der einen histor., mythischen oder poetischen Gegenstand hat. Man macht gewöhnlich die Einteilung in idealische, charakteristische und groteske Tänze. Am angemessensten ist ein Stoff aus der romantischen und idyllischen Welt, dem sich das Komische und Groteske leicht einflicht. Der Anspruch an di einzelnen Charaktere, die hier zusammenwirkend er scheinen, ist nicht so streng wie im recitierten Drame oder im Singspiel, nicht einmal wie in der eigent lichen Pantomime; doch müssen dieselben sich anschaulich aussprechen und zu einem bewegten Gemälde verbunden sein. Die Folge künstlicher Bewegungen wie die Töne eines Tonstücks bildlich zu verzeichnen, lehrt die Choreographie (s. d.). berichtet wird, man habe den Achilles, Alexander u. s. w., die Liebesgeschichte des Mars und der Venus, die Freiheit u. s. w. getanzt, so ist dies von der fortschreitenden pantomimischen Darstellung eines Charakters oder einer Fabel, weniger von dem eigentlichen Tanze zu verstehen, da überhaupt das Wort saltare, d. h. tanzen, bei den Alten in sehr weiter Bedeutung genommen und auch das Geberdenspiel dazu gerechnet wurde, bei den Griechen aber das Wort Orchesis die Kunst der Geberden und Bewegungen überhaupt bezeichnete, mithin die Aktion in sich begriff. Überhaupt war die T. bei den Griechen früher von Poesie und Schauspielkunst gar nicht getrennt. Der Tanz wurde sogar bei allen religiösen Festen, verbunden mit Hymnengesang, angewendet, und die Griechen, bei welchen diese Kunst Orchestik hieß, erreichten auch in ihr einen hohen Grad der Vollkommenheit. Von den Römern pflanzte sich der Tanz auf die Volksbühnen der Italiener fort. Schon im 16. Jahrh. schrieben mehrere Italiener, z. B. Rinaldo Corso und Caroso, über den Tanz. Sie und vorzüglich die Franzosen haben die neuere T. ausgebildet und auf ihre heutige Vollkommenheit gebracht. Unter Ludwig XIV. wurde durch Beauchamp der erste Grund zu dem künstlichen chr aber verd Tanze der Franzosen gelegt. Noch mehr aber verdankt die T. dem berühmten Noverre 6. d.). Gegenwärtig noch bilden die franz. und ital. Tänze zwei verschiedene Schulen, von welchen jedoch die erstere das lübergewicht hat. Die Familien Vestris und Taglioni, die Tänzerinnen Elßler, Cerrito, Grisi und Grahn, sowie die Tänzer A. Leon und K. Müller gehören zu den Koryphäen der neuern T. Zu leugnen ist jedoch nicht, daß der theatralische Tanz vielfach zu einem Kunststückmachen ausgeartet ist und die plastische Bedeutung verloren hat. Vgl. Klemm, Katechismus der T.o (4. Aufl., Lpz. 1882); Czerwinsti, „Geschichte der T.o Epz. 1862); derselbe, „Die Tänze des 16. Jahrh. v (Danz. 1878); derselbe, „Brevier der T. v (pz. 1879); Voß, Der Tanz und seine Geschichte. Eine kultur-Angerstein, Die Vol Stänze im deutschen Mittel' altero (2. Aufl., Berl. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 469Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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