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ErdkundeBrockhaus 1882

Tarapacä, nördlichste Provinz der südamerik. Republik Chile, wird westlich vom Stillen Ocean bespült, nördlich durch den Rio Camarones vom peruanischen, von Chile bis zum J. 1893 verwalteten Departement Taena geschieden, während östlich die Cordillera Silillica und die Sierra de Huatacondo die Grenze gegen die bolivian. Departements Oruro und Potosi bilden und im Süden der am Berge Misio entspringende Rio Loa T. von Atacama scheidet. Der Vulkan Isluga an der nördl. Ostgrenze steigt zu einer Höhe von 5200 m auf; auf seiner Nordwestseite führt der Pichutapaß vorbei, welcher die Hafenstadt Pisagua mit Bolivia in Verbindung bringt. Zwischen der Küstencordillere und dem Fuße der Grenzcordillere breitet sich die wasserarme, wüste Pampa de Tamarugal aus. Nur wenige Flüsse erreichen das ganze Jahr hindurch den Ocean, die meisten versiegen während des Sommers auf der genannten Pampa, nur steinige Flußrinnen bezeichnen ihren Unterlauf. Das Klima der Provinz wird gekennzeichnet durch fast unerträgliche Hitze, wütende Staubstürme, verzehrende Trockenheit und gänzlichen Mangel an Vegetation. Wo aber die regenlosen Einöden bewässert werden, gedeihen Baumwolle, Bananen und Zuckerrohr vortrefflich. Der große Reichtum T.s besteht in Salpeterfeldern und Guanolagern. Der als Mineraldünger und zur Darstellung des für die Schießpulverfabrikation nötigen Kalisalpeters dienende Chilesalpeter (salpetersaures Natron) findet sich zwischen der Küstencordillere und dem Hochgebirge nahe unter oder auf der Oberfläche des Bodens. Mit dem Salpeter werden Borsalze und Jodverbindungen gewonnen. Im Ufergebiet und auf den demselben vorliegenden kleinen Inseln finden sich Lager von Phosphatguano. Auch mit allerdings sehr unvollkommenen Gerätschaften betriebene Goldminen und Goldwäschen sind im Bereiche der Küstencordillere vorhanden. Bei Huantajaya und Sta.⸗Rosa befinden sich Silberminen, die noch im 18. Jahrh. eine überaus reiche Ausbeute gewährten. Ausgedehnte Steinsalzlager werden ausgebeutet. Eisenbahnen führen von den Häfen Pisagua, Iquique und Patillos nach den Salinen und Bergwerksdistrikten des Innern. Die Bevölkerung der 71000 akm umfassenden Provinz beträgt (1884) 47551 Seelen, welche überwiegend im Bergbau und Hüttenwesen thätig sind. Die Hauptstadt von T. ist Iquique (s. d.). Die wichtige Provinz, welche bereits im Oktober 1879 von den Chilenen besetzt worden war, wurde im Frieden vom 20. Okt. 1883 von Peru an Chile abgetreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 475Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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