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AllerleiBrockhaus 1882

Tataren, ein Völkername von sehr schwankender Bedeutung, der bei den Geschichtschreibern und Ethnographen des Morgen⸗ und Abendlandes bald in engerer, bald in weiterer Bedeutung gebraucht wird. Ursprünglich einen mongol. Volksstamm bezeichnend und mit dem Namen Mongolen (s. d.) in ethnogr. Hinsicht identisch, wurde infolge der Eroberungen der Mongolen im 13. Jahrh. der Name T. eine Kollektivbenennung, mit der man (gleichwie der Name Franken seit Karl d. Gr. und der Herrschaft der Franken zur allgemeinen Bezeichnung aller westeurop. Völker wurde) nicht bloß die eigentlichen T. oder Mongolen, sondern auch alle ihnen unterworfenen verwandten und ähnlichen Völker bezeichnete. Nur wandelte man in Europa, einem Wortspiele mit dem Tartarus der Alten zu Gefallen, den Namen in Tartareno, d. h. aus der Unterwelt Gekommene, um. So wurden hauptsächlich drei in körperlicher Hinsicht zwar verschiedene, in sprachlicher Beziehung aber innig verwandte Völker, Mongolen, Tungusen und Türken, unter dem Namen T. begriffen, in deren Geschichte somit auch die der T. aufgeht. Gegenwärtig wird der Name T. noch in doppelter Beziehung gebraucht: einmal zur Bezeichnung des hochasiat. Völker⸗ und Sprachstammes, dann speziell als Name einzelner bestimmter Völkerschaften. über den tatar. oder altaischen Sprachstamm s. Ural⸗-altaische Völker und Sprachen. Die Zahl sämtlicher zum tatar. Völker⸗ und Sprachstamm gehörigen Individuen wird auf 34 Mill. angegeben. Speziell werden aber auch noch mehrere einzelne Völkerschaften mit dem Namen T. belegt, welche, da sie ihrer Körperbildung nach mehr oder weniger zur mongol. Rasse, ihrer Sprache nach aber zur türk. Völkerfamilie gehören, wahrscheinlich aus einer mehr oder minder starken Vermischung von Mongolen mit türk. Völkern zur Zeit der Herrschaft der erstern entsprungen sind und die man deshalb turk-tatarische Völkerschaften nennt. Es sind dies die T. im südl. Rußland und am Kaukasus, bekannt unter dem Namen der Nogaier, Kumüken u. s. w.; die Wolga-T., mehrere schwache Stämme an der untern Wolga und am Ural, mit vielen ihren Wohnplätzen entnommenen Spezialbenennungen, wie kasansche, ufische T. u. s. w.; die Turk-T. am Ural, Tom, Ischim und Tobol, mit verschiedenen, ebenfalls meist den Wohnplätzen entlehnten Stammnamen, von denen die Baschkiren (. d. an der untern Wolga, auf dem Ural und an der Kama, die Karakalpaken in der Nähe des Aralsees die bekanntesten sind; die Kirgisen (s. d.), die sibir. Turk-T. zwischen dem mittlern Irtysch und dem untern Laufe der obern Angara, mit türk., aber auch mit ngo: Rörperbibpn gemischten Mundarten und mongol. Körperbildung. Val⸗ Schott, „Alteste Nachrichten von Mongolen und T.v» (Berl. 1846) Castren, «Ethnolog. Vorlesungen über die altaischen Völker» (Petersb. 1857); Franz von Erdmann, „Temudschin der Unerschütterlichen (pz. 1862): O. Wolff, «Geschichte der Mongolen oder T.v (Bresl. 1872); Howorth, «History of the Mongols ù (Bd. 2: &The so-called Tartars of Russia and Central Asia o, Lond. 1880); Vambéry, «Die primitive Kultur des turko-tatar. Volksy (Lpz. 1879) und „Das Türkenvolk in seinen ethnolog. und ethnogr. Beziehungen» (Lpz. 1885); W. Radloff, Aus Sibirienv (2 Bde., Lpz. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 491Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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