Theater (grch. derhον, von dedομαι, ich schaue) hieß im Altertum das Schauspielhaus, speziell der Platz, wo die Zuschauer saßen, auch oft die Zuschauer selbst, niemals aber die Schaubühne. Die Schauspielhäuser waren in Griechenland nach den Tempeln die vornehmsten Gebäude. Das Schauspiel diente nicht bloß zum Vergnügen, sondern hatte gottesdienstliche Bedeutung. Das erste T. wurde zu Athen errichtet. Früher war dasselbe von Holz, ja bestand sogar nur aus bretternen Gerüsten. Erst später, nach der gewöhnlichen Annahme zur Zeit des Themistokles, nach den Ergebnissen der neuesten bautechnischen Untersuchungen erst im 4. Jahrh. v. Chr. und auch dann noch mit Ausschluß der Scene selbst, deren Boden nach wie vor auf Holzgerüsten lag, wurde das steinerne T. gebaut, nachdem vorher nur die Orchestra in Steinkonstruktion hergestellt war. Das T. lag am Fuße der Akropolis, bot die Aussicht auf das Meer und benutzte einen Teil des Felsens als Hinterwand und Unterbau zum Schauplatz. Es enthielt Raum für 30000 Personen und wurde auch zu Volksversammlungen u. s. w. benutzt. Wie in Athen, so baute man auch sonst in Griechenland die T. womöglich an dem Abhang eines Hügels oder Felsens, um hier die Sitze der Zuschauer stufenweise übereinander anlegen zu können. War der Platz eben, so mußte für die Sitze ein hoher Unterbau gelegt werden. Die Form des Gebäudes war ein Kreis, von dem ein Teil für das Scenengebäude geradlinig abgeschnitten war. Jedes T. bestand aus drei Hauptteilen: 1) dem Zuschauerraum; 2) der Orchestra, dem Raume zwischen den Sitzen der Zuschauer und der Bühne; 3) der Bühne mit dem Scenengebäude. Zwischen den in einem Halbzirkel Ubereinander laufenden Sitzreihen lief mindestens ein breiter Gang umher, aus welchem man durch Thüren nach außen gelangte. Treppen führten zwischen den Sitzräumen durch alle Räume des Schauplatzes. Die untersten Reihen binter der Orchestra oder auf dem breiten Gange (Diazoma) dienten für die vornehmsten Plätze, wo die Priester und Obrigkeiten, sowie andere fremde und ein-Proedrie Personen, welchen dieses Ehrenrecht (die roedrie) verliehen war, saßen. Die Herausbildung der alten Schaubühne im besondern knüpft sich natürlich an die Entwickelung der dramatischen ½½½ die, wie bekannt, ihren Ursprung aus den altgriech, Festen zu Ehren des Dionysos nahmen. Die Tragödien gingen aus den Dithyramben hervor, Chorgesängen, die anfangs stets Dionysos feierten und von seinen Leiden, Kämpfen und Siegen zu handeln pflegten, und auf einem Platze vorgetragen wurden, in dessen Mitte sich ein Altar (die Thymele) befand, um den herum der Chor sich im Tanzschritt bewegte. Mit der Zeit soll dann einer der Sänger (vielleicht der Vorsänger) auf den Opfertisch sich gestellt haben und von dort herab dem Chor gegenüber sowohl darstellend als erzählend aufgetreten sein; dieser Opfertisch war dann so gewissermaßen die erste tragische Bühne. Wenn Horaz und andere angeben, daß Thespis (s. d. als Erfinder der Schauspielkunst zuerst seinen Wagen oder Karren als roheste Bühne benutzt habe, so beruht dies auf einer Verwechselung mit den lustigen Prozessionen an bacchischen Festen, wo die Mitziehenden oder Zuschauenden von lustigen Geberden begleitete Spottlieder, welche gewöhnlich auf bekannte Personen zielten, von den Wagen herab, deren man sich dabei bediente, zu hören bekamen. Thespis scheint allerdings nicht mit Unrecht für den Vater des Schauspiels zu gelten, aber nur deshalb, weil er entweder selbst auftrat oder eine andere vom Chor getrennte Person, welche mittels Schminke und Masken verschiedene Persönlichkeiten darstellen konnte und zwischen den Chorgesängen und in Erwiderung auf dieselben redete, auf irgend einer aus Brettern hergestellten Bühne dem Chor gegenüber auftreten ließ. Dieses Brettergerüst oder dieser erhöhte Sprechplatz (das Logeion) wurde dann insbesondere durch AÄschylos zur Scene im heutigen Sinne. Es ward im Hintergrunde der Orchestra, des Tanzplatzes für den Chor, errichtet und mit diesem durch eine Treppe in Verbindung gesetzt und selbst im Hintergrunde durch ein Gebäude abgeschlossen, dessen anfängliche Dürftigkeit sein Name: Hütte, Zelt Scene) bekundet. Wie bald und wie weit sich dieselbe ausgebildet, wie die Aufführung der Komödien darauf gewirkt, ist Gegenstand der verschiedensten Behauptungen der Forscher. Gewiß ist, daß der Bühnenraum, auf dem die Haupthandlung des Dramas vorging (das Logeion), gewöhnlich nicht nur im Hintergrunde, sondern auch zu beiden Seiten von dem ein⸗, zwei⸗, sogar manchmal dreistöckigen Gebäude der Scene eingeschlossen war. Der Bühnenraum hatte eine verhältnismäßig sehr große Ausdehnung in der Breite, dagegen eine so geringe Tiefe, daß er in den Grundrissen der Ruinen nur als ein schmaler, langer Streifen erscheint. Das Bühnengebäude enthielt im Hintergrunde drei Thüren, deren mittlere und größere die königliche hieß; die beiden andern wurden nach Vitruv Gastthüren genannt und damit die konventionelle Bestimmung dieser Eingänge ausgesprochen. Sollten Vorgänge im Innern des Palastes oder des Tempels, dem ewöhnlichen Schauplatz in der Tragödie, oder des Bürgerhauses in der Komödie gezeigt werden, so wurde in älterer Zeit, was von solchen im Innern geschehenen Vorgängen sichtbar sein sollte, auf einem Gerüst auf die Bühne herausgeschoben. Später wurde mittels einer eigenen Vorrichtung (der Exostra oder des Ekkyklema) die Scenenwand auseinandergeschoben und auf diese Weise dann das Innere eines Gebäudes zur Schau gestellt. Außer den Zugängen im Hintergrunde öffneten sich auch an den Seiten der Scene (den Parascenien) links und recht Thüren auf die Bühne, welche außerdem von vorn uber die Treppe aus der Orchestra, bestiegen wurde Zu der letztern gelangten Chor und Schauspiele durch die Zugänge (Parodoi), welche zu beider Seiten des T., zwischen der Bühne und den Zu schauersitzen, geöffnet waren. Da nun der Lage des Dionysostheaters entsprechend die künstlerische Übereinkunft herrschte, daß, wer vom Standpunkt der Zuschauer aus gesehen von rechts her auftrat, aus der Stadt und dem Hafen, also der Heimat, wer von links her, aus der Fremde komme, während in der Mitte der Bühne gewöhnlich der Haupteingang des Palastes oder Hauses oder bei Scenen im Freien wohl der Aufenthalt der Hauptperson des Dramas war, so boten diese konventionellen Bestimmungen, ohne großen Apparat, die mannigfachsten Ortsbezeichnungen dar und dehnten die dramatische Handlung fur die enderWa Einbildung des Zuschauers über die Grenzen der? ühne hinaus. Seiner Höhe nach zeigte der antike Schauplatz ebenfalls eine große Mannigfaltigkeit, da über dem auf der Orchestra für den Chor aufgeschlagenen Gerüst, das von dem Altar des Dionysos darauf ebenfalls den Namen Thymele erhielt, das Logeion, über diesem das Theologeion, der Sprechplatz für die Götter, sich erhob. Auf demselben gingen die Auftritte vor, die sich im Sitze der Götter begaben. Diese Vorgänge waren zum Teil personenreich, wie in des Aschylos „Psychostasies, wo Zeus mit Thetis und Cos auf dem Theologeion erschien, oder wie im «Frieden » des Aristophanes, wo Tryaios auf einem Mistkäfer zu Zeus'Wohnung hinaufsttegt und dort mit Hermes, Krieg und Tumult verkehrt. Eine Emporbühne, die nicht gerade den Sitz der Götter vorstellt, war in andern Stücken erforderlich, als Warte für Wächter, Zinne einer Burg, als Söller oder oberes Stockwerk eines Hauses u. s. w. Nach alledem hat man sich auf der griechischen Bühne, wie der Breite nach, so auch in der Höhe, einen dreifachen Schauplatz zu denken, übereinander sich erhebend, aber hintereinander zurücktretend, sodaß keiner den andern bedrückte. Unten die Orchestra für den Chor, darüber das Logeion für die dramatischen Hauptpers onen, über diesem wiederum das Theologeion für die Götter. Diese konventionelle Einrichtung hat länger als 2000 Jahre Gültigkeit behalten. Daß die alte Bühne sich der plastischen und graphischen Dekorationen, die sie besessen, nicht in dem modernen Sinne realistischer Täuschung bedient habe, wie Genelli, Geppert u. a. annahmen, geht aus der allgemeinen Beschaffenheit der Bühne und schon aus dem Umstande hervor, daß die Aufführungen bei Tageslicht stattfanden, bekanntlich aber ohne Hilfe der künstlichen Beleuchtung Dekorationstäuschungen nicht hervorzubringen sind. Die Ansicht, daß in der scenischen Darstellung der Griechen manches nur symbolisch angedeutet gewesen und der Phantasie der Zuschauer viel zu ergänzen übriggelassen sei, trifft wohl das Rechte. Doch besaß die griech. Bühne viele ähnliche Einrichtungen wie die moderne. Auch in einigen antiken Stücken, wie in den Eumenidenv des Aschylos und dem «Aiaso des Sophokles war ein Scenenwechsel erforderlich. Gewiß wurde die Scene regel- oder Tapete verschieb- und wegnehmbares Getäfel oder Tapeten gebildet. Eine weitere Dekorationsvorrichtung, ähnlich unsern Coulissen, hatten die Griechen in den Periakten: dreiseitigen breiten Pfeilern, deren Wände verschiedene Dekorationsansichten darboten, und die, an den Seiten der Bühne nahe den Parascenien auf Zapfen stehend, umgedreht wurden, wodurch ein sichtbarer Scenenwechsel aufgeführt werden konnte. Und da die Dekorationsansichten an den Seiten dieser Perialten ohne Zweifel abnehmbar waren so ließ sich aljo für die verschiedensten Stücke ein mehrfacher Scenenwechsel herstellen. Daß die antike Bühne eine Ober- und Untermaschinerie besessen habe, wird nicht bezweifelt; ihre Notwendigkeit geht auch aus den Erfordernissen der alten Dramen hervor. Pollux erwähnt des Geranos, eines Krans oder Hebewerks, vermittelst dessen z. B. die Entführung des Leichnams des Memnon durch Cos bewerkstelligt wurde, sowie des Aiorema, eines Hänge⸗ oder Schwebewerks, durch welches Luftfahrten der Götter und Heroen über die Bühne geichahen. Daß, nach Pollux' Angabe, diese Maschinerie (AE/, machina), auf welcher Göttererscheinungen bewerkstelligt wurden, nicht in der Mitte, sondern an der linken Seite angebracht war, erklärt sich aus der geringen Tiefe der Bühne, welche den Schauspielern auf derselben gebot, ihren Abstand von der schwebenden Gottheit, um dieselbe sehen und anreden zu können, in der Breite der Bühne zu suchen. Daß die attische Bühne nicht auch schon einen Vorhang (Aulaia) gehabt habe, sondern derselbe erst eine röm. Einrichtung gewesen ist, kann jetzt für ausgemacht gelten. Auch bei den Römern wurde er übrigens nicht herabgelassen, sondern stieg aus der Untermaschinerie (im Hyposcenion) durch einen Spalt im Vorderrande der Bühne auf. Der Anfang der römischen Buü hine war, wie der der griechischen, roh genug: ein Brettergerüst, vor welchem die Zuschauer stehen mußten. Erst später (nach 145 v. Chr.) wurden für die jedesmaligen Spiele vollständige T. mit Sitzen für die Zuschauer, aber nur von Holz erbaut. Ein besonders glänzendes T. dieser Ärt ließ Marcus Ämilius Scaurus (s. d.), Zeitgenosse des Cäsar, errichten. Pompejus ließ das erste steinerne T. aufführen, das 55 v. Chr. vollendet wurde. Ein zweites erbaute Cornelius Balbus 13 v. Chr., und in demselben Jahre wurde das dritte, das des Marcellus, eingeweiht, von dem noch bedeutsame Reste erhalten sind. Neben diesen drei steinernen T. sind aber immer von neuem in der röm. Kaiserzeit auch T. für zeitweiligen Gebrauch aufgeschlagen und oft mit größter Pracht ausgestattet worden. Für das Behagen der Zuschauer sorgte man durch Decken, die man über das T. ausspannte. Auch hierbei wurde dann großer Luxus entfaltet: man nahm purpurfarbene Decken dazu, nahm sie aus der feinsten Leinwand, ja Nero ließ einmal über das T., das überhaupt durchaus aufs reichste vergoldet war, eine Purpurdecke breiten, in die goldene Sterne und in der Mitte sein eigenes Bild zu Wagen eingestickt war. Auch streute man Blumen, und ließ Wege und Treppen mit Wasser anfeuchten, was Pompejus zuerst gethan haben soll, später leitete man sogar auch mittels Balsam und Krokus hergestellte Essenzen, ja Wein, worin man des Wohlgeruchs halber Krokos auflöste, durch ein Druckwerk mittels Röhren bis zu den obern Sitzen, ließ sie ganz und gar vergolden, ja alles, was darauf gebracht wurde, mußte vergoldet oder mit Gold geschmückt sein, wovon der Tag, an dem dies eingeführt wurde, der goldene genannt wurde. Eine wichtige Veränderung ging bei den Römern daraus hervor, daß das Schauspiel für sie keine ttesdienstliche Bedeutung hatte. Der Altar verchwand also aus der Orchestra, mit ihm der Chor, der auf die Bühne versetzt wurde, die bei den Römern tiefer war. Die Vermittelung zwischen Zuschauer und Drama hatte aufgehört; die Bühne war eine abgesonderte Welt geworden. der Orchestra wurden Plätze für die angesehensten Zuschauer eingerichtet. Damit dieselben aber die Bühne überschauen könnten, mußte diese nicht bloß tiefer, sondern auch niedriger angelegt werden als die des griechischen T. Die Größe des Raums der antiken T. gebot auch, den Regeln der Akustik große Aufmerksamkeit zu widmen. In den Trümmern einiger alter T. bewundert man noch gegenwärtig die Wirkung des Schalls. Zur Verstärkung desselben waren übrigens noch besondere Schallgefäße (Echeia), eherne Kessel in künstlich berechneter Verteilung in Nischen angebracht. Unter die T., von denen Reste erhalten sind, Euer 2 außer vielen andern, die zu Ephesos, Milet, Tralles, Pergamon in Kleinasien, zu Lyttos auf Kreta, zu Syrakus in Sicilien, im eigentlichen Griechenland, abgesehen vom Dionysostheater zu Athen, die zu Megalopolis, Epidauros, Sparta, Messene u. s. w. Nur von einem einzigen griech. Theater, von dem zu Atpendos sind auch von dem Scenengebäude bedeutendere Reste erhalten, während von den übrigen nur der Zuschauerraum mehr oder weniger gut erhalten ist, von den Scenengebäuden aber nichts als Fundamente oder dürftige Reste vorhanden sind. Von den vielen T. in Italien sind, außer denen zu Rom selbst, namentlich die in neuern Zeiten wieder entdeckten zu Herculanum und Pompeji zu erwähnen. Bei den Griechen wie Römern hatten die theatralischen Vorstellungen keineswegs, wie jetzt, fortdauernd, sondern nur bei Festen statt. Sie gingen vom Staate aus und standen unter Aufsicht von Staatsbeamten. In Athen stand an der Spitze derselben ein Archon. Derselbe hatte die geschäftliche Oberleitung. Der Staat sorgte für die Schauspieler. Es wurden drei Protagonisten lerste Schaumem ausgewählt und diese dann durch das Los n einzelnen Dichtern zugeteilt. Diese brachten dann die andern Schauspieler wohl mit. Der Chor, der in der Tragödie aus 15, in der Komödie aus 24 Personen bestand, wurde von einem Bürger gestellt, ausgerüstet und während der Einübung unterhalten. Dies war die direkte Liturgie der Choregie, eine Abgabe, welche der Staat einem Bürger aus der höchstbesteuerten Klasse auferlegte. Derselbe Bürger mußte auch die Kostüme stellen. Möglichst gut und glänzend die Aufgabe zu erfüllen, war Ehrensache. Bei jedem Feste wurde nicht Ein Drama, sondern mehrere gegeben, sodaß deren Aufführung auch mehr als einen Tag in Anspruch nahm. Die Dramen wurden in der Komödie und wohl auch in der Tragödie von fünf Kunstrichtern beurteilt. Nach ihrem Ausspruch erteilte man die Preise, die außer in einem Epheukranze in namhaften Geldsummen bestanden. Der Ausspruch der Kunstrichter behinderte jedoch die Zuschauer nicht, ihre Meinung auszusprechen. Der Staat baute die Schauspielhäuser. Das T. mit allem Zubehör, also auch den Dekorationen, hatte der Theaterächter zu erhalten, welcher seine Auslagen durch das Theorikon (Eintrittsgeld) deckte. Dieses betrug zwei Obolen (25 Pf.) und ward seit Perikles den unvermögenden Bürgern vom Staate gezahlt. Bei den Römern wurden für die scenischen wie für die Circensischen Spiele (s.d.) von Staats wegen Summen bewilligt, aber da die Veranstaltung solcher Spiele ein Weg war, sich die Gunst des Volks zu erwerben, wurden von den mit der Leitung beauftragten Magistraten aus eigenen Mitteln große Summen dazu gegeben. Privatpersonen und vollends die Kaiser veranstalteten die von ihnen gegebenen Spiele ganz aus ihren Mitteln. Die Prachtbauten der T. wurden sämtlich aus Privat-, beziehungsweise kaiserl. Mitteln hergestellt. Vgl. Ferrara, «Storia e descrizione dei teatri antichi e modernid (Mail. 1830); Wieseler, „Theatergebäude und Denkmäler des Bühnenwesens bei den Griechen und Römern» (Gött. 1851); und für das griech. Theaterwesen: Strack, „Das altgriech. Theatergebäudey (Potsd. 1843); Geppert, «Die altgriech. Bühnen (Lpz. 1843); Schönborn, Die Scene der Hellenen (Berl. 1858); Wieseler, «Griechisches T.» in der «Allgemeinen Encyklopädies (1. Sekt., 83. Bd., Lpz. 1866); Sommerbrodt, «Scaenica (Berl. 1876); Alb. Müller, Lehrbuch der griech. Bühnenaltertümerv (Freiburg i. B. 1886); sowie für das röm. Theaterwesen: Becker, Handbuch der röm. Altertümer (Bd. 1, Lpz. 1843, und in dem Handbucho» von Marquardt und Mommsen, Bd. 6, von Marquardt, 2. Aufl. von Wissowa, Lpz. 1885, den Abschnitt über die Spiele von Friedländer); Arnold, Das altröm. Theatergebäuder (Lpz. 1873); Ribbeck, Die röm. Tragödies (Lpz. 1875). Das moderne Theater, das der christlichen Zeit, erbaute sich wie das antike im Gottesdienste. Seine Gestaltung wuchs aus den Trümmern der antiken Kunst hervor. Da die Kirche frübzeitig die Kunst leibeigen hatte, so begreift sich, daß sie die bauliche Anlage ihrer Gotteshäuser gleich dem Zweck der heiligen Festspiele anbeguemte und daß diese bauliche Anlage an die antiken Muster gemahnte. So erweist noch heute beispielsweise der östliche Chor des mainzer Doms (wie andere mehr) die ganze Anordnung der Osterfestspiele mit ihrer dreiteiligen, über⸗ und hintereinander sich erhebenden, durch Treppen verbundenen, von Thürwänden flankierten Emporbühne, darauf die darstellenden Priester die Stationen der heiligen Handlung abschritten, und den Wortlaut des heiligen Textes darstellend erzählten oder sangen, während vom gegenüberliegenden hohen Chore die Vertreter der Gemeinde in Fragen, Antworten und Betrachtungen, dem Chorus der Alten entsprechend, ihre Gemeinschaft mit der priesterlichen Handlung kundgaben. Bot der Bau der Kirche die örtliche Gelegenheit der Spiele nicht von selbst, so ward sie durch jeweils aufgeschlagene Gerüste dazu hergestellt. Und dies geschah auch, als zunehmende Verweltlichung, auch allzu personen⸗ „reiche Texte die Kirchenspiele (Mysterien, s. d., genannt) aus dem Gotteshause ins Freie auf Kirchhöfe, Straßen, Märkte verbannte. Während uns erhaltene Grundrisse erweisen, daß anfangs auch im freien Raume die Anordnung der terrassenförmig ansteigenden dreiteiligen Bühne nicht eaufgegeben war, so erweiterte und verwirrte sich „doch nur zu bald, des kirchlichen Rahmens beraubt, das Scenenbild. In Frankreich (das schon im Mittelalter vorangehend für die theatralische Entwickelung wurde) suchte man die geschlossene Anlage zu bewahren, indem man die Zahl der Emporbühn hoch übereinander steigerte, oder die drei Bühne räume durch Zwischenteilung in ahlreiche se loges vervielfältigte, oder auch die ühnenbaut in stumpfen Winkeln um die Zuschauer stellte, d sich nun von einem zum andern wenden mußte oder man gab den festen Stand ganz auf und ve teilte, gleich den Stationsaltären der Fronleichnam prozessionen, die Handlung auf Einzelbühnen verschiedenen Gassen. (So beim Einzug Ludwigs X in Paris.) Solange dem Schaugerüst eine g schlossene Form gegönnt blieb, ergab der Inha der Texte die Verteilung von Himmel ins oberst