Theramenes, athen. Feldherr und Staatsmann, zugleich nicht unbedeutend als Redner, ein Schüler des Prodikos, gehört zu den problematischen Charakteren, die im letzten Abschnitte des Peloponnesischen Kriegs, 413—404 v. Chr., hervortraten. Zuerst erscheint er als Teilnehmer an den Bewegungen, welche (411 v. Chr.) von einem Teil des Heeres der bei Samos liegenden Flotte ausgingen, von da nach Athen sich verbreiteten. Hier unterstützte T. anfangs die Oligarchie und die Einsetzung des Rats der Vierhundert. Als dann aber auf Antrieb des Thrasybul das Heer bei Samos für Beibehaltung der Demokratie sich erklärte und den Alcibiades 6 d.) zurückrief, half T. (im Juni 411) bei der Vertreibung der schroffen Elemente der Oligarchie vorzugsweise eifrig. Besonders unvorteilhaft erscheint sein Benehmen in dem Prozeß gegen die Feldherren, welche die Schlacht bei den Arginusen (406 v. Chr.) gewonnen, aber nicht vermocht hatten, die Schiffbrüchigen zu retten. Er trat als Ankläger auf, obwohl gerade er mit einem andern Kapitän den Auftrag, die Rettung zu bewirken, gehabt hatte, dessen Ausführung sich als unmöglich erwies. Auch bei der Abschließung des Friedens, der den Peloponnesischen Krieg beendigte, spielte er (404) eine sehr schlechte Rolle. Als einer der Dreißig Tyrannen drang er, in der Absicht, an der Spitze einer gemäßigtern Partei die extreme zu stürzen, auf Gerechtigkeit und Menschlichkeit. Dadurch erregte er den Verdacht des Kritias und mußte, von diesem gestürzt, zu Ende des J. 404 den Giftbecher leeren, dessen letzten Tropfen er mit den Worten ausspritzte: «Dem schönen Kritiaslo Sein zweideutiges Hin⸗ und Herschwanken zu nenothurr Parteien verschaffte ihm den Spottnamen othurn, weil dieser an beide Füße paßt. Vgl. Pöhlig, Der Athener T. (aus den Supplementheften zu den Jahrbüchern für klassische Philologie, Lpz. 1877), der T., schwerlich mit Recht, in günstigerm Lichte erscheinen läßt.