Epaminondas (grch. Epameinöndas), der größte Staatsmann und Feldherr Thebens, ein Sohn des Polymnis aus einer vornehmen, aber nicht sehr wohlhahenden Familie, war um 418 v. Chr. geboren. Als Knabe und Jüngling wurde er von den tuchtigsten Lehrern nicht nur in den körperlichen Übungen, sondern besonders auch in den musischen Künsten (Zither⸗ und Flötenspiel und Gesang) unterrichtet; am wichtigsten aber wurde für ihn der vertraute Umgang mit dem aus Tarent nach Theben geflüchteten Pythagoräer Lysis, welchem er die Ausbildung der hohen und edeln Eigenschaften, welche ihn vor den meisten seiner böotischen Landsleute auszeichneten, Reinheit der Sitten, Beherrschung seiner Leidenschaften, Unbestechlichkeit und Wahrheitsliebe, Milde gegen die Gegner, hauptsächlich verdankte. Sein erster Kriegsdienst, von dem man Kunde hat, fällt in das J. 385 v. Chr., wo er in dem von den Thebanern den Spartanern zur Unterstützung ihres Angriffs auf Mantineia in Arkadien gesandten Hilfskorps diente und im Kampfe, obwohl selbst verwundet, seinem schwerverwundeten Freunde Pelopidas das Leben rettete. Nach der Besetzung der theban. Citadelle Kadmeia durch die Spartaner (382) lebte er zurückgezogen und von den Gewalthabern unbeachtet, nahm aber eifrigen Anteil an der Vorbereitung, sowie auch, außer an der seinen reinern Grundsätzen zuwiderlaufenden Ermordung der oligarchischen Regenten, an der Ausführung des kühnen Handstreichs, durch welchen Ende 379 die Unabhängigkeit Thebens wiederhergestellt und die spartan. Besatzung zur Räumung der Citadelle gezwungen wurde. Als er 371 zum Boiotarchen ernannt und mit andern theban. Ab-Spattar gefand Juni zum Friedenskongreß nach parta gesandt ward, vertrat er die Ansprüche Thebens auf die Herrschaft über die andern böot. Städte mit unbeugsamer Entschlossenheit. Als darauf hin die Spartaner unter Führung des Königs Kleombrotos in Böotien einfielen, um die Thebaner aung des1 wurden sie von diesen unter Führung des E., dessen überlegenheit in der Taktik hauptsächlich den Sieg entschied, in der Ebene von Leuktra geschlagen (6. Juli 371). ö Das Jahr darauf zog E., wieder zum Boiotarchen ernannt, nach Herstellung der theban. Suprematie in Mittelgriechenland, selbst in den Peloponnes, drang im Dez. 370 in Lakonien ein und durchzog dieses Land, das seit unvordenklicher Zeit von keinem feindlichen Heere betreten worden war, 369 von einem Ende zum andern; nur die von Agesilaos tapfer verteidigte Hauptstadt vermochte er nicht zu erobern. Um aber Sparta vollständig zu ruinieren, bewog er die Bewohner des südl. und westl. Arkadien, sowie die nun nach langer Knechtschaft durch ihn wieder zur Selbständigkeit erhobenen Messenier, sich je zu einem Einheitsstaate zu organisieren; als Mittelpunkt der polit. Konzentration war schon vor E. Zug in den Peloponnes Megalopolis und wurde jetzt Messene gegründet. Nach Theben zurückgekehrt, wurde er zugleich mit Pelopidas von seinen radikal-demokratischen Gegnern wegen eigenmächtiger Verlängerung seiner Amtsdauere auf den Tod angeklagt; aber als er die Erfolge des Feldzugs dargelegt hatte, ging das Gericht, ohne auch nur zur Abstimmung zu schreiten, auseinander. Das Boiotarchat wurde ihm aufs neue übertragen und er unternahm noch 369 einen zweiten Einfall in den Peloponnes, diesmal ohne bedeutende Erfolge. Seit 365 bewog er in gefährlicher überspannung der Kräfte seines Landes die Thebaner, eine Flotte zu gründen, um auch zur See, jetzt auf Kosten der Athener, die Führung der griech. Staaten zu gewinnen, wie ihnen dies zu Lande hauptsächlich durch das Feldherrngenie und die polit. Klugheit des E. gelungen war; 364 unternahm er an der Spitze einer ansehnlichen Flotte eine Seefahrt bis nach Byzantion. Eine Spaltung unter den Arkadern, von denen ein Teil, die Mantineer an der Spitze, auf die Seite der Spartaner trat, veranlaßte die Thebaner zu einem vierten Zuge in den Peleponnes, wiederum unter Führung des E.; bei Mantineia kam es zur Schlacht, in welcher auf Seite der Thebaner 33000, auf Seite der Gegner 22000 Mann kämpften. Noch bevor der Sieg entschieden war, wurde E. durch einen Wurfspieß tödlich verwundet, sodaß er hinter die Schlachtlinie getragen werden mußte; hier erfreute ihn noch der Anblick seines geretteten Schildes und die Nachricht, daß der Sieg gesichert sei, der nur freilich zum Unheil Griechenlands wegen des Todes des Helden E. nichts weiter als die Unfähigkeit aller griech. Staaten, noch länger eine wirkliche Hegemonie zu führen, entschied. Bald darauf verschied er (3. Juli 362). Aus dem Altertum ist eine kurze Biographie des E. von Cornelius Nepos erhalten. Vgl. Bauch, «E.“ und Thebens Kampf um die Hegemonie (Bresl. 1834); Pomtow, «Das Leben des E., sein Charakter und seine Politiko (Berl. 1870). ö