FeedThierfelder (Albert)
MusikBrockhaus 1882

Thierfelder (Albert), Komponist, geb. 30. April 1846 zu Mühlhausen in Thüringen, war Schüler n don Moritz Hauptmann und wurde später Musik-u direktor in Brandenburg. Er schrieb eine Sym— »honie in C-moll, Sonaten, ein Klavierquartett 2 ind die Musik zu der Alpensage Zlatorogo von Un die Thierisch u. h. w., s. tierisch u. s. w. ter franz. Geschichtschreiber, geb. zu Blois 10. Mai 1795, erhielt seine Bildung im Colleége seiner Vaterstadt, trat 1811 in die Normalschule und ging 1813 als Lehrer an eine Provinzialschule. Schon 1814 kehrte er indes nach Paris zurück, schloß sich mit Begeisterung den sozialistischen Bestrebungen Saint-Simons an und veröffentlichte 1816 die Schrift Des nations et de leurs rapports mutuelso. Jedoch trennte er sich 1817 von Saint-Simon und wurde Mitarbeiter an dem von Comte und Dunoyer redigierten Journal Le censeur européëeno. Nachdem dieses Blatt eingegangen, beteiligte er sich an dem «Courrier françaiso, in welchem er 1820 zehn Briefe über die franz. Geschichte veröffentlichte, die viel Aufsehen machten. T. fand in der engl. und franz. Geschichte, der er sich besonders widmele, den Schlüssel für die Gestaltung aller bürgerlichen und staatlichen Verhältnisse in dem Gegensatze der erobernden zu den unterworfenen Rassen. Die Ansprüche der Adels⸗ und Dynastengeschlechter fielen ihm vor diesen Untersuchungen zusammen. T. sah ferner ein, daß der äußerliche Pragmatismus, den die Geschichtschreibung gewöhnlich verfolgt, die histor. Wahrheit nicht an das Licht fördern önne. Von tüchtigen Forschungen, einer lebhaften hantasie und allgemeiner Bildung unterstützt, wendete er sich darum der genetischen Methode zu, die für die Engländer wie Franzosen neu war und von letztern gewöhnlich die beschreibende oder pittoreske genannt wird. Das erste Resultat seiner Beschreibungen war die Histoire de la conquéte de I'Angletérre par les Normandso (4 Bde., Par. 1825; deutsch von Bolzenthal, 2 Bde., Berl. 1830—31). In erweiterter Form ließ er hierauf die erwähnten Briefe unter dem Titel Lettres sur Ihistoire de la Francen (Par. 1827 u. öfter) erscheinen. Infolge anhaltender Studien verlor er jedoch fast gänzlich die Sehkraft und wurde noch außerdem von einer Nervenkrankheit heimgesucht. Er ertrug diese Leiden mit philos. Mute und setzte seine Arbeiten mit Hilfe seiner Freunde fort. Im J. 1830 wählte man ihn zum Mitgliede der Akademie. T. hielt sich 1831— 35 bald in den Bädern von Luxeuil, bald zu Vesoul bei seinem Bruder auf. Mit des letztern Beihilfe veröffentlichte er 1835 unter dem Titel Dix ans d'étudesv eine Sammlung von trefflichen Aufsätzen, die aus seinen frühern Forschungen Wuwis Minhler Um diese Zeit berief ihn Guizot, damals? kinister des öffentlichen Unterrichts, nach Paris und übertrug ihm die Herausgabe des Recueil des monuments inédits de l'histoire du tiers-étaty, welches Werk eine Abteilung der 4Collection des monuments inédits de Ihistoire de France v bildet. Seine Hauptmitarbeiter waren Felix Bourquelot und Charles Louandre. Im J. 1840 publizierte T. die Récits des temps mérovingiensv (2. Nufl., Bde., Par. 1847; deutsch, Elberf. 1855), wofür ihm die Akademie einen ihrer Hauptpreise zuerkannte. Ferner erschienen noch Recueil des moauments de L'histoire de tiers-état. Histoire nunicipale d'Amienso (3 Bde., Par. 1849—56) ind Essai sur I'histoire de la formation et des Hrogres du tiers-étato (Par. 1853). Er starb 2. Mai 1856. Seine Oeuvres complètess erschieen von ihm selbst in 8 Bänden (Par. 1846—47), ann in 10 Bänden (Par. 1856—60) Seine Gattin, Julie T., geborene de Quérengal, starb 10. Juni 1844. Dieselbe vermählte sich 1831 mit dem bereits erblindeten T. und machte sich in der litterarischen Welt bekannt durch «Scenes de mœurs aux 18 et 19 siècleso (mit einer Einleitung von ihrem Gatten, Par. 1836), sowie durch geistvolle Aufsätze in der Revue des deux Mondesv. Sein jüngerer Bruder, Amédée Simon L., ebenfalls ein tüchtiger Geschichtschreiber, geb. zu Blois 2. Aug. 1797, widmete sich anfangs dem öffentlichen Lehrfache und erhielt unter dem Ministerium Vatimesnil eine Professur in Besanzon. Nach der Julirevolution von 1830 ernannte ihn die Regierung zum Präfekten des Departements der obern Sadne und 1841 wurde er zum Mitgliede der Akademie der Wissenschaften gewählt. In den letzten zehn Jahren der Julimonarchie versah er das Amt eines Negustenmeisters im Staatsrat, welches Amt er auch im Staatsrat des zweiten Kaiserreichs bekleidete. Im Jan. 1860 erfolgte seine Ernennung zum Senator. T. starb zu Paris 26. März 1873. Er ist der Verfasser eines Résumé de Phistoire de la Guyennes (Par. 1828), sowie mehrerer trefslicher Arbeiten über die älteste Geschichte Frankreichs. Dahin gehören vor allem: «Histoire des Gaulois jusqu'n la domination romaine (3 Bde., Par. 1828 u. öfter), Histoire de la Gaule sous Padministration romainev (3 Bde., Par. 1840 — 47), (Histoire d'Attilap (2 Bde., Par. 1856; deutsch, Lpz. 1874), Récits de Ihistoire romaine au cinquième sicled (Par. 1860). Seine letzten histor. Arbeiten sind: eTableau de l'empire romaino (Par. 1862), Récits et nouveaux récits de I'histoire romainér (Par. 1864), (Saint-Jérome, la société chrétienne à Rome et l'émigration romaine en Terre-Saintes (2 Bde., Par. 1867), «Saint-Jean Chrysostome, et Limpératrice Eudoxie, la société chrèëtienne en Oriento (Par. 1872).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 636Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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