Berghaus (Heinr.), Geograph, geb. 3. Mai 1797 zu Kleve, besuchte das Gömnasium Paulinum zu Münster und war schon seit 1811 als Kondukteur beim Korps für den Brücken⸗ und Straßenbau im damaligen Lippe-Departement des franz. Kaiserreichs angestellt. Nach der Schlacht bei Leipzig trat er in den Dienst der Verbündeten und Krtewbis 1815 mit dem Korps des Generals Tauenzien bis in die Bretagne. Sodann beschäftigten n kartographische Arbeiten in Weimar, teils Wanderungen, Aufnahmen und Höhenmessungen in Thüringen und Franken. Im I 181⁶ erhielt er als Geograph eine Anstellung im Kriegsministerium zu Berlin und war bei der großen Triangulation des preuß. Staats beschäftigt. Seit 1821 Lehrer an der Bauakademie, übernahm er 1824 die Professur der angewandten Mathematik an derselben, erhielt aber 1836 die Erlaubnis, seinen Wohnsitz in Potsdam zu nehmen. Nachdem er 1855 seine Professur niedergelegt hatte, siedelte er 1862 wieder nach Berlin über. B.' Produktivität sowohl im kartographischen wie im litterarischen GGebiete ist außerordentlich. Hervorzuheben sind der von geogr. Mémoires begleitete Atlas von Asiend (Gotha 1833—43) und der «Physik. Atlaso (22 Lieferungen, Gotha 1837 — 52), ein großartiges Kartenwerk, von welchem zu Edinburgh von Johnston eine engl. Ausgabe besorgt ward. Hieran schließt sich die Sammlung hydrographischphysik. Karten der preuß. Seefahrere (Berl. 1840— 48), ein Erzeugnis der 1838 von B. in Potsdam begründeten, aber infolge der Ereignisse von 1848 wieder eingegangenen Geographischen Kunstschule. Außerdem hat sich B. noch bei andern Atlanten, 3. B. dem Stielerschen und Sohrschen, beteiligt. Als Schriftsteller war er ein fleißiger Mitarbeiter an Bertuchs 4Geogr. Ephemeriden v und andern Zeitschriften. Selbständig gab er 1825—29 die geogr. Zeitschrift Herthar heraus, die in den Annalen der Erd⸗, Völker⸗ und Staatenkunder (Bd. 1 —24, Berl. 1830—41; Bd. 25—28, Bresl. 18⁴42— 43) ihre Fortsetzung erhielt. Anonym erschien Kritischer Wegweiser im Gebiete der Landkartenkunde (7 Bde., Berl. 1828—35). Außerdem gab er an periodischen Schriften noch den «Almanach, den Freunden der Erdkunde gewidmeto (Bd. 1—3, Stuttg. 1837—39; Bd. 4—5, Gotha 1840—41) eraus und ließ seit 1849 unter dem Titel Geogr. ahrbuch vier Ergänzungshefte zu seinem physik. tlas erscheinen. Von den übrigen Werken, meist für ein größeres Publikum bestimmt, sind noch zu erwähnen: Allgemeine Länder⸗ und Völkerkunden (6 Bde., Srerl 1837—41), 4Grundriß der Geoaphies (Bresl. 1842; holländ. im Auszuge von uddingh, 2 Bde., Harlem 1846—47), Die Völker des Erdballs » (2 Bde., Brüss. u. Nor 18⁴45—47; 2. Aufl. 1861—62), (Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgraftums Niederlausitzo (3 Bde., Brandenb. 1854—57), (Was man von der Erde weiße (4 Bde., Berl. 1857 — 61), Deutschland vor hundert Jahren» (4 Bde., Lpz. 1858—61), „Briefwechsel Alexander von Humboldts mit Heinrich B.y (3 Bde., Lpz. 1863), Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen » (9 Bde., Anklam 1862—77), „ork, seine Geburtsstätte und seine Heimato (Anklam 1863), „Sprachschatz der Sassen. Wörterbuch der Plattdeutschen Spracher (Brandenb. 1878). — Sein Vater, Johann Isaak B., gest. 1832 als Hofrat und Rendant der Regierungsinstituten-Kasse zu Münster, verfaßte unter anderm eine „Geschichte der Schifffahrtskunde der vornehmsten Völker des Altertumso (3 Bde., Lpz. 1792). * August B., Sohn von Heinrich B., geb. 10. Aug. 1829, sowie ein Neffe, Hermann B., geb. 16. Nov. 1828, haben sich ebenfalls durch geogr. Arbeiten bekannt gemacht. Der erstere bereiste Amerika, der letztere ist als Kartograph thätig und lieferte, außer vielen Blättern für die ePhthaler und Sydowschen Atlanten, die Karte des Otzthaler Gletschergebietes» (Gotha 1861), eine «Allgemeine Weltkarte in Mercators Projektion » (4 Blatt, Gotha 1859), die verbreitete Chart of the worldy (8 Blatt, Gotha 1863), 4 Physik. Wandkarte der Erdey (8 Blatt, Gotha 1874), «Physik. Wandkarte von Europa „» (9 Blatt, Gotha 1875), 4«Physik. Wandkarte von Afrika (6 Blatt, Gotha 1881), Schulatlanten in mehrern Sprachen und eine Reihe von Wand⸗ und Handkarten für ungar. Schulen.